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Analyse
An diesem Neusser HV führt kein Weg vorbei

Rhein-Kreis. Es hat nicht nur etwas mit dem Spielplan zu tun, dass nach den beiden Auftaktspielen jene drei Mannschaften alleine verlustpunktfrei die Tabelle der 3. Handball-Liga West anführen, die von den Experten auch am Saisonende ganz vorne erwartet werden Von Volker Koch

Nach dem Schlusspfiff flüchtete sich Kai Faltin in Ironie - so wie man es gerne tut, wenn man gerade ein schockierendes Erlebnis hinter sich gebracht hat. Und schockierend war der Auftritt des Neusser HV im Rhein-Kreis-Derby der 3. Handball-Liga West für den gastgebenden TV Korschenbroich zweifellos gewesen.

Sicher, favorisiert waren die Hausherren trotz ihrer couragierten Vorstellung zum Saisonauftakt bei Eintracht Hagen ohnehin nicht gewesen. Doch die ergreifende Chancenlosigkeit, mit der die Korschenbroicher von Beginn an der Musik hinterherliefen in diesem Derby, das spätestens nach 36 Minuten nicht mehr den Charakter eines solchen besaß, schlug dem Sportlichen Leiter des TVK sichtlich aufs Gemüt: "Wenn die Sechster werden wollen", stellte Faltin mit Blick auf das offizielle Saisonziel der Gäste fest, "dann muss einem ja vor den Spielen gegen die Mannschaften, die aufsteigen wollen, angst und bange werden."

Da ist was dran. Wer die zweitbeste Rückrundenmannschaft der vergangenen Saison um zwei so erfahrene Handball-Haudegen verstärkt wie Daniel Pankofer (35), der mit dem HC Erlangen und dem VfL Bad Schwartau mehr als ein Jahrzehnt zum lebenden Inventar der Zweiten Bundesliga gehörte, und Vladimir Bozic, der zwischen den Pfosten des HC Bregenz Erfahrung in der Champions League sammelte und zuletzt in Quatar spielte, der hat sicher das Zeug, um ganz oben mitzumischen. Auch wenn die 2016/17er Auflage der 3. Liga West zweifellos die stärkste seit ihrer Gründung vor vier Jahren ist. Pankofer und Bozic waren es denn auch, die dem TVK vor der Halbzeitpause mehr oder weniger im Alleingang den Zahn zogen - so nachhaltig, dass die Korschenbroicher im zweiten Durchgang irgendwann jeglichen Widerstand einstellten.

Ob die Neusser mit ihrem tiefstapelnden Saisonziel gut beraten sind, müssen sie selbst entscheiden. Viel passieren kann in einer bis Anfang Mai dauernden Saison immer - und gerade ein Kader mit recht hohem Durchschnittsalter ist nie vor Verschleiß und Verletzungen gefeit. Doch nach dem beeindruckenden Auftritt in der Waldsporthalle scheint es, als ob der NHV sich auf Dauer da festsetzen könnte, wo er sich nach dem zweiten Spieltag aufgrund der Tordifferenz hingeworfen hat: an der Tabellenspitze.

Dass dort nach zwei Spielen nur noch drei Teams ohne Verlustpunkt sind, überrascht, zeigt aber auch die Ausgeglichenheit dieser Spielklasse, in der es eigentlich keine "schwachen" Gegner gibt. Welche Teams das sind, überrascht weniger - neben dem NHV noch die beiden Zweitliga-Absteiger Eintracht Hagen und TSV Bayer Dormagen. Vorherzusagen, dass aus diesem Trio der Meister gekürt wird, ist kein Hexenwerk - allenfalls die HSG Krefeld hat das Zeug dazu, in diesen Dreikampf einzugreifen, auch wenn das am Ende glückliche Remis (der niederländische Neuzugang Dario Polman traf 35 Sekunden vor Schluss mit seinem elften Treffer per Siebenmeter zum 29:29-Endstand) bei Neuling SG Langenfeld schon einen Warnschuss darstellt. Ob die Dormagener mit ihrem neuformierten, blutjungen Aufgebot gegen die geballte Routine, die dieses Trio ins Rennen schickt, mithalten können, wird sich zeigen - die richtungweisenden Partien stehen den Schützlingen von Spielertrainer Alexander Koke, der allerdings auch (offiziell) andere Ziele verfolgt, noch bevor.

Neuss und Hagen, das sich beim 28:25-Sieg in Baunatal freilich recht schwer tat, können sich eigentlich nur selber schlagen. Die größte Gefahr besteht darin, dass sie nicht jeden Kontrahenten gleich ernst nehmen. Doch sowohl NHV-Trainer Ceven Klatt als auch sein Hagener Kollege Lars Hepp verfügen über eine solche Breite im Kader, dass sie, falls es bei der "Stammformation" mal nicht läuft, genügend heiße und hungrige "Edel-Reservisten" aufs Parkett schicken können, um dem Ganzen eine Wende zu geben - Spieler, die bei (fast) jedem anderen Drittligisten einen Stammplatz mit Einsatzgarantie haben.

Erfolg kann man nicht kaufen, hat NHV-"Macher" Thomas Koblenzer vergangene Woche auf dem "blauen Sofa" von NGZ-Redaktionsleiter Ludger Baten gesagt. Doch ausreichend finanzielle Mittel sind selten ein Hinderungsgrund, um oben mitzuspielen, da bilden der Handball und seine 3. Ligen keine Ausnahme. Auch deshalb ist die tabellarische Rangfolge nach zwei Spieltagen keine große Überraschung.

Quelle: NGZ
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