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Auf dem Weg zurück zum Branchenführer

Lokalsport: Auf dem Weg zurück zum Branchenführer
FOTO: Woitschützke Andreas
Kaarst. Erstmals seit neun Jahren haben die Crash Eagles Kaarst wieder die Play-offs um die Deutsche Skaterhockey-Meisterschaft erreicht. Von Volker Koch

Es gab Zeiten, da führte an Kaarst kein Weg im deutschen Skaterhockey vorbei. Doch das ist lange her: Vor neun Jahren standen die Crash Eagles letztmalig in der Play-off-Runde um die Deutsche Meisterschaft. Jetzt sind die Adler wieder da: Vier Jahre nach dem Abstieg aus der Bundesliga, zu dessen Gründungsmitgliedern sie gehören, gehen sie morgen (18 Uhr, Stadtparkhalle) als Tabellenzweiter und damit Favorit in die Viertelfinalpartie gegen die Highlander Lüdenscheid. Den Tabellensiebten fertigten sie in der Vorrunde zu Hause mit 14:4 ab, setzten sich im Sauerland mit 8:7 nach Penaltyschießen durch.

Doch diese Ergebnisse will Georg Otten, in Personalunion Vorsitzender des 387 Mitglieder starken Gesamtvereins und Trainer des Bundesliga-Teams, nicht überbewerten: "Am Samstag wird es deutlich schwerer." Trotzdem spricht Timo Dietrich, gerade 21 Jahre alt gewordener Top-Scorer der Eagles, das Ziel ebenso deutlich wie gelassen aus: "Wir wollen ins Finale."

In dem standen die Kaarster insgesamt vier Mal. 1992 und '96 wurden sie Vizemeister, 1997 und '98 gewannen sie den Titel. Dass die Adler zwischenzeitlich in die Zweitklassigkeit abstürzten - schon 2011 waren sie sportlich abgestiegen, doch weil kein Zweitligist aufsteigen wollte, durften sie in der Liga bleiben - hat für Otten einen simplen Grund: "Wir haben es zu lange vernachlässigt, eigene Leute an das Bundesliga-Team heran zu führen."

Das ist nun anders. Zehn Spieler des 23 Namen umfassenden Kaders stammen aus der eigenen, auch in den mageren Bundesliga-Jahren stets exzellenten Nachwuchsarbeit. So wie Timo Dietrich, der 2004 seine ersten Laufversuche auf Inlineskates machte. "Der Vater meines jetzigen Mitspielers Jonas Heupel hat mich angesprochen. Bis dahin hatte ich Fußball gespielt, aber ich habe schnell gemerkt, dass mir Skaterhockey mehr liegt", erinnert sich der 21-Jährige. Die "Eigengewächse" sorgen für die Grundeinstellung, die Kaarst selbst für die Eagles überraschend (Otten: "Wir hatten uns Rang sechs oder sieben als Ziel gesetzt") auf den zweiten Tabellenplatz brachte: "Bei uns läuft alles übers Team", sagt Mannschaftskapitän Gabriel Hildebrandt (26), selbst vor vier Jahren aus Duisburg zu den Eagles gewechselt.

Dieser Teamgeist verleiht den Adlern vor allem in der heimischen Stadtparkhalle Flügel: Während der gesamten Saison blieben sie dort ungeschlagen, gaben nur einen Punkt ab, weil sie Samurai Iserlohn erst nach Penaltyschießen bezwangen. "Spätestens, als wir Titelverteidiger Essen zu Hause 10:3 geschlagen haben, wussten wir, dass wir eine realistische Chance auf die Play-offs hatten", sagt Dietrich. Von Platz zwei, der ihnen den angesichts der Heimbilanz unschätzbaren Vorteil beschert, sowohl im Viertel- als auch im Halbfinale (gegen HC Köln-West oder Duisburg Ducks) in einem möglichen dritten Spiel zu Hause antreten zu dürfen, träumten sie da noch nicht.

"Aber so eine Serie schafft Selbstvertrauen bei der eigenen Mannschaft und Respekt beim Gegner", sagt Otten. Dennoch: Respekt haben sie auch vor dem morgigen Gegner: "Die Lüdenscheider haben deutlich mehr Play-off-Erfahrung als wir", sagt Gabriel Hildebrandt, "für die meisten unserer Spieler ist das doch Neuland." Das, stellt der Mannschaftskapitän klar, sei aber auch der einzige Vorteil, den die Highlander gegenüber den Adlern besäßen. Mit zwei Siegen hätten die Kaarster ein Etappenziel übrigens bereits erreicht: Sie würden neben dem Deutschen Meister in den Europapokal einziehen.

"Titelfavorit ist ganz klar Essen, aber ins Finale zu kommen ist für uns nicht unmöglich", sagt Georg Otten. Das würde freilich eine lange Saison bedeuten - das letzte der möglicherweise drei Endspiele ist für den 20. Dezember terminiert. Was jene Spieler in Terminnöte stürzen könnte, die gleichzeitig auf Schlittschuhen aktiv sind. So wie Timo Dietrich, der für den Neusser EV in der Eishockey-Regionalliga West auf Torejagd geht: "Aber die Play-offs im Skaterhockey haben eindeutig Vorrang", stellt der Stürmer klar. Was auch damit zu tun hat, dass er an diesem Sport "das Familiäre" so schätzt, das bei den Adlern besonders ausgeprägt zu sein scheint - so kümmern sich etliche Bundesligaspieler als Trainer um den Nachwuchs.

Geld, stellen Vorsitzender und Spieler übereinstimmend klar, lässt sich mit Skaterhockey (zumindest in Kaarst) keines verdienen. Im Gegenteil: "Am Ende zahlst du drauf", rechnet Gabriel Hildebrandt angesichts von Materialkosten von 100 Euro für einen Schläger ("in der Saison brauchst du mindestens vier") und 200 bis 400 Euro für Schuhe vor. Vom Verein, der "durch viele kleine Sponsoren und Spenden" (Otten) einen Gesamtetat von 80.000 Euro aufbringt, davon "ein niedriger fünfstelliger Betrag für das Bundesligateam", gibts höchstens einen Ausrüstungszuschuss. Timo Dietrich hat damit kein Problem: "Dass ich für meinen Sport Geld bezahle, ist doch normal. Schließlich ist das eine Investition in mein Hobby." Das sollte er mal einem Fußballer erzählen.

Quelle: NGZ
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