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Sportgeschichten (104)
Auf Pirsch mit Pfeil und Bogen

Sportgeschichten (104): Auf Pirsch mit Pfeil und Bogen
3D-Bogenschießen ist hohe Kunst: Corny Schwarz und ihre sportlichen Kollegen schießen nämlich auf im Wald aufgebaute Tierfiguren aus Schaumstoff. Das erfordert Kondition, eine saubere Technik und die Fähigkeit, die Entfernung zum Ziel korrekt abzuschätzen. Eine besondere Herausforderung stellen dabei die steilen Bergauf- und Bergabschüsse dar. Im Gegensatz zum Feldbogenschießen, bei dem die Größe der Scheibe definiert ist, muss der Schütze beim 3D-Schießen auch noch die Größe der Figuren (etwa Elch, Hirsch, Bär, Pfau oder Eule) kennen, um den perfekten Schuss ins "Kill" hinzubekommen. FOTO: Corny
Neuss. Im Wettkampf wird die Neusserin Corny Schwarz eins mit ihrem Langbogen. Bei den Weltmeisterschaften der Bowhunter in der Toscana belegte die 38-Jährige in ihrer Altersklasse als beste Deutsche den 17. Rang. Von Dirk Sitterle

Neuss Hätte Legolas, der in Peter Jacksons Fantasyfilm "Herr der Ringe" von Orlando Bloom gespielte Elb, eine Schwester, sie sähe ganz sicher so aus wie Cornelia "Corny" Schwarz. Was die beiden außerdem verbindet, ist ihre Liebe zum Langbogen, mit dem sie meisterhaft umzugehen wissen. Doch während das blonde Spitzohr aus dem nördlichen Düsterwald vor allem Orks erlegt, schießt die Präzisionsschützin des Eisenbahnensportvereins (ESV) Neuss ihre Pfeile meistens auf Tierfiguren aus Schaumstoff.

Und das macht die auf dem Gelände des Hundesportvereins DVG Neuss-Rheinallee trainierende Athletin so gut, dass sie bei den in der Nähe von Florenz ausgetragenen Weltmeisterschaften der Bowhunter (WBHC) als beste Deutsche Platz 17 belegte. "Das war schon 'ne krasse Nummer", sagt die 38-Jährige schmunzelnd. Mittlerweile kann sie drüber lachen, aber diese vier Tage in der brütend heißen Toscana hatten ihr und den insgesamt rund 1600 Teilnehmern alles abgefordert. Ihr Kurzrückblick: "Bergauf, bergab bei 37 Grad im Schatten. Ohne Pause. Und fast immer in der Sonne, denn so eine Weinrebe bietet halt nicht allzu viel Schatten." Ein WM-Debüt auf die ganz harte Tour. Und trotzdem lief es prächtig. Abgesehen vom ersten Tag: Die Disziplin "Doppelhunter", bei dem auf jedes der gewöhnlich 28 Ziele zwei Pfeile abgeschossen werden, beendete sie nur auf Rang 35. "Mit fünf Blasen und blutender Ferse." Aber es wurde besser, sehr viel besser sogar: Die "Hunter-Runde" (nur ein Pfeil pro Ziel) schloss sie als Tagesvierte ab, im Gesamtklassement ging es hoch auf Rang zwölf. In der Drei-Pfeil-Runde am Tag darauf, bei der maximal drei Pfeile verschossen werden dürfen (der erste wertbare Treffer zählt), verbesserte sich die Neusserin auf den elften Platz.

Den vermochte sie zwar nicht zu halten, aber das Finale geriet zum emotionalen Highlight. An der letzten Station gelang ihr im Anschlag auf den satte 54 Meter entfernten Schwarzbär gleich mit dem ersten Pfeil der perfekte Schuss: Ein mit der Höchstpunktzahl 20 belohnter "Kill", also ein Volltreffer in den Bereich, wo Herz und Lunge liegen würden. Ein Moment für die Ewigkeit. "Mir sind vor Freude die Tränen in die Augen geschossen."

Jetzt will die Kauffrau, die im Auftrag der City Immobilien Verwaltungsgesellschaft (CIV) an der Immermannstraße in Düsseldorf Einkaufszentren (Shopping Malls) betreut, noch mehr: Die Europameisterschaften (EBHC) vom 18. bis 22. Juni 2018 in Oberwiesenthal/Erzgebirge sind ein Thema. Reizen würde sie auch die nächste WM. Die steht 2019 in Yankton, einer knapp 15.000 Einwohner zählenden Stadt im US-Bundesstaat South Dakota, auf dem Programm. "Dafür könnte ich noch einen Sponsor gebrauchen", wirbt sie lächelnd.

Doch die große Bühne braucht sie gar nicht. In dieser Saison, die gerade mit Rang drei bei einem kleinen, aber feinen Wettkampf in Mülheim zu Ende gegangen ist, kommt sie auf rund 20 Turniertage. Für das auf Rang eins abgeschlossene "Basalt-Turnier" in Altenkirchen/Westerwald opferte sie sogar einen großen Teil der Neusser Kirmes. "Morgens bin ich noch mit Dreckspritzern am Bein durch den Wald gekrochen, abends lief ich im Ballkleid beim Schützenlustball in der Stadthalle auf." Extreme Gegensätze.

Die Haubergsjagd im siegerländischen Hilchenbach ist ihr nicht wegen ihres Sieges, sondern wegen der ungewöhnlichen Prüfungen nachhaltig in Erinnerung geblieben. So gab sie ihre Schüsse von einer Schaukel aus ab, ohne dabei den Boden zu berühren. Oder versuchte in 20 Sekunden so viele Pfeile wie möglich loszuwerden.

Übrigens: Auch im Winter bleibt "Lady Bowhunter" in Bewegung. An der Geige probt das Mitglied der Düsseldorfer Band Korsakow im Moment intensiv für das legendäre Weihnachtskonzert im Geschwister-Scholl-Haus an der Leostraße.

Quelle: NGZ
 
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