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Lokalsport
Bayer ergibt sich kampflos in den Abstieg

Dormagen. Nach der blutleeren Vorstellung beim 19:21 gegen den VfL Bad Schwartau stehen die Dormagener Zweitliga-Handballer als Absteiger fest Von Volker Koch

Seit Samstagabend 20.29 Uhr ist die Sportszene im Rhein-Kreis um einen Bundesligisten ärmer: Statt bedingungslos um ihre letzte Chance auf den Klassenerhalt zu kämpfen, ergaben sich die Handballer des TSV Bayer Dormagen emotions- und widerstandslos in ihr Schicksal und stehen nach einer erschreckend schwachen, blutleeren Vorstellung bei der 19:21-Schlappe (Halbzeit 13:9) gegen den VfL Bad Schwartau als Absteiger aus der Zweiten Handball-Bundesliga fest.

Bittere Ironie: Bei einem Sieg wäre die Rettung vor dem fünften Abstieg der Vereinsgeschichte (davon drei aus wirtschaftlichen Gründen) angesichts der Niederlagen der Konkurrenz aus Hagen (21:23 gegen Hamm) und Saarlouis (29:33 gegen Wilhelmshaven) immer noch möglich gewesen. Sollten sich die hartnäckigen Gerüchte bewahrheiten, nach denen Aufsteiger SG Leutershausen keine Lizenz bekommt, hätten die Dormagener sogar nur einen der beiden hinter sich lassen müssen.

Und ein Sieg war locker drin gegen zwar hart einsteigende, ansonsten aber arg unmotiviert wirkende Gäste. "Nicht Bad Schwartau ist schuld an dieser Niederlage sondern ganz allein wir", fasste Interimstrainer Tobias Plaz das besonders für ihn deprimierende Geschehen zusammen. Nach einer 13:9-Pausenführung "haben wir im zweiten Durchgang doch komplett das Handballspielen eingestellt", sagte Plaz mit Blick auf die gerade mal sechs Tore, die seinen Schützlingen in den zweiten dreißig Minuten gelangen.

Für den 34-Jährigen, der 2003 als Rechtsaußen nach Dormagen kam, ist der Abstieg besonders bitter. Denn ungeachtet der Tatsache, dass er Anfang März nach dem Rücktritt von Trainer Jörg Bohrmann die volle Verantwortung für das sportliche Geschehen übernahm und bis zum vergangenen Samstag damit auch durchaus Erfolg hatte, droht dem zweifachen Familienvater der Verlust seines Arbeitsplatzes. Denn für einen Marketingleiter, Plaz' eigentliches Metier seit drei Jahren, hat der TSV in der Dritten Liga angeblich kein Geld. Was die Frage aufwirft, ob der Gesamtverein überhaupt ein Interesse an einer halbwegs professionell geführten und leistungsorientierten Handballsparte hat.

Tobias Plaz - "an ihm lag es nicht, er hat einen Super-Job gemacht", lobte ihn sein Vorgänger auf der Bank - war denn auch der einzige, der am Samstagabend mit Tränen zu kämpfen hatte. Die Spieler quittierten das niederschmetternde Ergebnis genauso emotionslos wie sie vorher gespielt hatten - offenbar hatte kaum einer von ihnen noch an die hauchdünne Rettungschance geglaubt. "Wenn du solche Lücken in der Abwehr hast und vorne nicht triffst, kannst du selbst gegen eine Mannschaft nicht gewinnen, die eigentlich gar nicht will", sagte Abwehrchef Johnny Eisenkrätzer und verriet damit viel darüber, wie es in den Köpfen seiner Mitspieler aussah an diesem Abend.

Die kompromisslose 6:0-Abwehr der Gäste kaufte den Dormagenern leicht den Schneid ab, zeigte einmal mehr, wie limitiert ihr Rückraum ist - die Würfe von Max Bettin, in der vergangenen Saison noch Top-Torjäger des TSV Bayer, fanden nicht einmal den Weg aufs Tor. Das verheißt wenig Gutes für die kommende Spielzeit, denn genau solche Abwehrreihen gibt es in der Dritten Liga West zuhauf.

Auf der anderen Seite handelten sich die Hausherren ihre erste (und einzige) Zeitstrafe nach 44 Spielminuten ein - wer so in eine "entscheidende" Partie geht, hat entweder nicht begriffen, worauf es im Handball ankommt. Oder schlicht und einfach keine Lust mehr, will sich den Stress weiterer "Endspiele" ersparen. "Dabei wäre es unsere verdammte Pflicht gewesen, in den letzten beiden Heimspiele positive Signale für die neue Saison zu setzen, egal, in welcher Liga wir dann spielen", sagte Tobias Plaz. Und Handball-Geschäftsführer Björn Barthel gestand: "So, wie wir heute aufgetreten sind, haben wir in der Zweiten Liga nichts zu suchen."

Alexander Koke, der selbst mit dem TuS Ferndorf nach dem 25:25-Remis in Nordhorn kurz vor dem Klassenerhalt steht, ist um seinen neuen Job auf der Bayer-Bank nicht zu beneiden. Noch haben die Dormagener zwei Spiele Gelegenheit, das ramponierte Image wenigstens ein bisschen aufzubessern - zumindest die, die bleiben, sollten im eigenen Interesse tunlichst daran arbeiten, es auch zu tun.

Quelle: NGZ
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