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Lokalsport
Begegnung statt Rekordjagd

Neuss. Stimmt am Samstag das Wetter, könnte der 34. Internationale Sommernachtslauf der TG Neuss die Bestmarke aus dem Jahre 2013 mit mehr als 4000 Finishern übertreffen. Doch darauf kommt es den Organisatoren gar nicht so sehr an. Von Dirk Sitterle

Heute ist Meldeschluss für den 34. Internationalen Sommernachtslauf der TG Neuss am Samstag. Doch obwohl für die Turngemeinde nur eine Woche später (19. Juni) mit dem Basketball-U20-Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande bereits das nächste Top-Event ansteht, gibt sich TG-Geschäftsführer Klaus Ehren tiefenentspannt. Das könnte daran liegen, dass sich das 1983 zum ersten Mal veranstaltete Laufspektakel prächtig entwickelt hat. Bis gestern lagen 2775 Voranmeldungen vor. Das sind sogar mehr als vor drei Jahren, als insgesamt 4006 Athleten das Ziel am Hamtorplatz erreicht und die Bestmarke von 2012 (3747) damit geradezu pulverisiert hatten - ein immer noch gültiger Rekord.

Doch immer größer, immer mehr, die Rekordjagd um jeden Preis - daran ist Marc Hillen, der mit seiner Agentur h1 seit 2009 im Auftrag der TG Neuss den Sommernachtslauf organisiert, nur mäßig interessiert. Er möchte das von den Partnern für Sport und Bildung (PSB) unterstützte Großereignis viel lieber als "sauberen, ehrlichen Vereinslauf" im Bewusstsein der Menschen im Rhein-Kreis verankern. Dass sich rund um die Veranstaltung mehr als 140 Vereinsmitglieder ehrenamtlich engagieren, macht ihn stolz. "Das ist sensationell." Dabei ist das Helferteam an allen Fronten gefordert. So möchte Ehren unbedingt festgehalten wissen, "dass wir die Strecke selber auf- und wieder abbauen. Das wird bei anderen Läufen oft von Agenturen erledigt." TG-Vorsitzender Mario Meyen sieht diesen Einsatz auch als Legitimation für den Bestand des Laufs. "Denn man muss sich immer wieder die Frage stellen, ob man sich das leisten kann - und damit meine ich nicht nur das Finanzielle. Wir sehen den Sommernachtslauf nicht als Einnahmequelle, aber das sind ja auch keine Bundesjugendspiele."

Natürlich hat er die Glanzzeiten, als der längst abgeschaffte "Lauf der Asse" Spitzenathleten wie Olympiasieger Dieter Baumann oder den als Sportmoderator später zu noch größerer Berühmtheit gelangten Wolf-Dieter Poschmann nach Neuss lockte, nicht vergessen. "Aber viel stärker in Erinnerung geblieben ist mir die Neusser Historie." Er verdeutlich das an einem Beispiel: "Mit unserem ehemaligen Schützenkönig Gerd Sassenrath bin ich noch gemeinsam gelaufen, dann kamen die Söhne und mittlerweile ist die Enkelgeneration dabei." Schade nur, dass er in diesem Jahr wie im Übrigen auch Marc Hillen ("Ich habe zuletzt mehr Fußball gespielt.") passen muss, ein beim Skilaufen erlittener Meniskusabriss im Knie macht eine Teilnahme unmöglich. Dabei ist er ein Fan des extrem kurvigen Kurses mit dem stimmungsvollen Hamtorplatz als pulsierendem Zentrum. "Das ist keine Hochgeschwindigkeitsstrecke", sagt er. "Wenn du über zehn Kilometer eine neue persönliche Bestmarke aufstellen willst, läufst du besser in Rosellen. Dafür hast du beim Sommernachtslauf fast keine toten Ecken mehr. Die Zuschauer an der Strecke pushen dich - auch wenn es manchmal wehtut ..." Aber bekanntlich kommen nur die Harten in den Garten.

Quelle: NGZ
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