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Beim Top-Favoriten befreit aufspielen

Lokalsport: Beim Top-Favoriten befreit aufspielen
Als Spieler erlebte er von 1992 bis 1995 beim TSV Bayer Dormagen die erfolgreichsten Jahre der Vereinsgeschichte mit, als Trainer soll Robert Andersson den HC Erlangen zurück in die Erste Liga führen. FOTO: eibner pressefoto
Dormagen. Krasserer Außenseiter als heute Abend im Gastspiel beim HC Erlangen dürfte der TSV Bayer Dormagen in dieser Zweitliga-Saison kaum sein. Von Volker Koch

Okay, es gab auch knappe Ergebnisse - gegen die Rimpar Wölfe ein 26:22, gegen die HG Saarlouis ein erst in der Schlussminute sicher gestelltes 25:24. Ansonsten hat der HC Erlangen seine Heimspiele seit dem Bundesliga-Abstieg so eindeutig gewonnen, dass nach acht Partien in der Arena Nürnberg eine Tordifferenz von 253:184 zu Buche steht, was einem Schnitt von 31,6:23 entspricht. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dort heute ab 19.30 Uhr so weitergeht, dürfte recht groß sein. Auch Jörg Bohrmann spricht von einer "beeindruckenden Heimstärke", wenn er an den heutigen Gegner denkt: "Die werden in die Erste Liga zurückkehren, und da gehören sie auch hin, sowohl was Mannschaft, Umfeld und Zuschauer angeht", sagt der Trainer des TSV Bayer Dormagen.

Doch aus dieser so eindeutigen Rollenverteilung leitet der 47-Jährige einen gewissen Pluspunkt für den seit neun Spieltagen (sportlich) sieglosen Tabellenvorletzten ab: "Die Jungs können da endlich mal ganz befreit aufspielen, da erwartet doch niemand etwas von uns." Mit einer Ausnahme: Bohrmann selbst hofft, "dass wir aus diesem Spiel etwas Positives mitnehmen und einen Schritt nach vorne machen können." Freilich sind die personellen Voraussetzungen mal wieder nicht die besten für ein solches Unterfangen: Patrick Hüter und Sebastian Damm sind krank und werden heute auf keinen Fall dabei sein, den zuletzt so starken Torhüter Sven Bartmann plagt wieder sein Rücken, doch da hat Bohrmann die Hoffnung, dass der 28-Jährige trotz der 430 Kilometer langen Busfahrt beweglich genug sein wird. Und mit A-Jugendlichen wird der ohnehin um Dennis Marquardt reduzierte Kader nicht aufgefüllt. Denn die sind am Samstagabend in der Bundesliga selbst beim Gastspiel in Bremen gefordert, "und zwei so lange Fahrten hintereinander werden wir ihnen nicht zumuten", sagt Bohrmann.

Sein Kollege Robert Andersson muss zwar in Sebastian Preiß (34) und Pavel Horak, der morgen 33 Jahre alt wird, auf seine erfahrensten Feldspieler verzichten, hat aber immer noch 16 Mann in seinem Kader, darunter in den beiden früher beim Bergischen HC zwischen den Pfosten stehenden Jan Stochl (40) und Mario Huhnstock (29) das wohl beste Torhütergespann der Liga. "Wir haben die Niederlage bei der HSG Nordhorn-Lingen aufgearbeitet und analysiert. Am Freitag spielen wir wieder vor unserem Publikum und wollen an die starken Leistungen, die wir in den letzten Wochen zuhause gezeigt haben, anknüpfen", sagt Andersson.

Der am Dienstag 46 Jahre alt gewordene Schwede hat ebenso wie HCE-Geschäftsführer Stefan Adam (42) eine "Dormagener" Vergangenheit. Während Adam, vor seinem Erlanger Engagement in gleicher Funktion beim Bergischen HC und beim THW Kiel tätig, nur in einer Saison (1997/98) das Bayer-Trikot trug und dabei kaum eingesetzt wurde, ist Robert Andersson der vielleicht beste Linkshänder, der je in Dormagen Handball gespielt hat. 1992 kam er als Torschützenkönig der schwedischen Liga aus Ystad und erlebte unter Trainer Hade Schmitz die erfolgreichsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte mit dem Einzug ins IHF-Europapokalfinale und das Endspiel des DHB-Pokals. 1995, als der langsame, aber unaufhaltsame Sinkflug des TSV Bayer Dormagen seinen Anfang nahm, verabschiedete sich Andersson zum RTV Basel. Nach einem Jahr in der Schweiz kehrte er wieder für acht Jahre in die Bundesliga (OSC Rheinhausen, HSG Nordhorn, TuS Nettelstedt) zurück.

Erlangen ist seine erste Trainerstation außerhalb Schwedens und soll ohne Umweg zurück in die Erstklassigkeit führen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihm nach der 26:29-Niederlage in Nordhorn ein zweiter Ex-Klub heute Abend Steine in den Weg legt, dürfte eher gering sein.

Quelle: NGZ
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