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Blau-Weiss ist beim Heimdebüt Außenseiter

Lokalsport: Blau-Weiss ist beim Heimdebüt Außenseiter
So entspannt geht es beim TC Blau-Weiss Neuss augenblicklich nur zu, wenn Fotografen auf der Anlage sind. Vereinschef Abraam Savvidis und Team-Manager Dietmar Skaliks (vorne v.r.) plagen finanzielle Sorgen, Antonio Veic, Tom Schönenberg, Jeremy Jahn und Marius Zay (v.r.) sind sportlich in der Außenseiterrolle. FOTO: -woi
Neuss. Der Tennis-Bundesligist wird vor der heutigen Partie gegen Titelanwärter Grün-Weiss Mannheim von finanziellen Sorgen geplagt. Von Volker Koch

Um 17 Uhr gestern Nachmittag traf Gerald Marzenell an der Jahnstraße ein. Im Gepäck hatte der Teamchef des TK Grün-Weiss Mannheim fünf Spieler: Jiri Vesely, Benjamin Becker, Tobias Kamke, Martin Fischer und Björn Phau. Und eine Botschaft an die Gastgeber: "Wir sind echt froh, hier in Neuss spielen zu können. Blau-Weiss ist ein Klub, der einfach in die Bundesliga gehört."

Dietmar Skaliks wird solche aufmunternden Worte seines Kollegen, der gleichzeitig Sprecher der Tennis-Bundesliga ist, gerne hören. Denn dem Team-Manager des TC Blau-Weiss Neuss fällt vor dem ersten Heimspiel heute ab 13 Uhr gegen den Titelanwärter aus dem Badischen das Lachen schwer. Das hat weniger damit zu tun, dass der Bundesliga-Rekordmeister nach der 1:5-Auftaktniederlage beim Gladbacher HTC den letzten Tabellenplatz ziert.

Skaliks plagen vielmehr heftige Sorgen um die finanzielle Ausstattung des Unternehmens Tennis-Bundesliga in Neuss: "Uns fehlt etwas mehr als ein Drittel des letztjährigen Etats", sagt er nach dem Kassensturz in der ersten Bundesliga-Woche. Und er prognostiziert: "Wenn sich daran nichts ändert, wird es schwer, die Klasse zu halten." Denn seine Top-Spieler wird er damit kaum bezahlen können.

Die waren für die heutige Partie ohnehin nicht eingeplant. Gegenüber dem Auftaktmatch am Sonntag hat er das Team dennoch verstärkt, denn vom zweiwöchigen Heimaturlaub in Zagreb kam gestern (via Split) Antonio Veic eingeflogen. "Ich bin froh, wieder hier zu sein", sagt der Kroate, "denn hier habe ich mich die letzten zwei Jahre sehr wohl gefühlt." Gegen Jiri Vesely ist er heute im Spitzeneinzel klarer Außenseiter, wird der Tscheche doch auf Rang 41 fast 200 Weltranglistenplätze besser geführt als Veic.

Doch das will gerade bei einem so kampfstarken Spieler wie dem 27-Jährigen nicht allzu viel heißen: "Für uns beide ist es das erste Bundesliga-Match, da muss man erst einmal abwarten, wie es läuft," sagt Antonio Veic, "außerdem spielen wir zu Hause." Den Vorteil sieht er auch in Bezug auf das Mannschaftsduell: "Mannheim hat ein starkes Team, aber zu Hause können wir immer punkten, wenn die Atmosphäre im Team stimmt."

Die stimmt, sagt jedenfalls Dietmar Skaliks. "Wie die Jungs sich den A... aufreißen, ist schon phänomenal", meint der Team-Manager nicht nur im Rückblick auf die unglückliche Auftaktniederlage, als seine Schützlinge drei Mal im Champions-Tie-Break gegen von der Papierform her deutlich stärkere Gegner den Kürzeren zogen. Ähnliches erhofft er sich auch heute von dem Quartett, zu dem außer Antonio Veic Tom Schönenberg, Jeremy Jahn und Marc Meigel gehören.

Trotzdem sind die Rollen für die vier Einzel und zwei Doppel heute ab 13 Uhr eindeutig verteilt: "Wir sind schon Favorit", sagt Gerald Marzenell, der erst heute Morgen entscheiden will, wer aus seinem Quintett tatsächlich aufläuft. "Wir stehen aber auch unter Zugzwang", fügt der Mannheimer Teamchef mit Blick auf die "absolut unnötige" 2:4-Auftaktniederlage gegen Vizemeister Kurhaus Lambertz Aachen an. Schließlich würde ein weiterer Punktverlust alle Meisterschaftsträume des sechsfachen Titelträgers (zuletzt 2010) vorzeitig beenden.

Die Neusser, mit ihren zehn Titelgewinnen immer noch unerreicht an der Spitze aller Tennis-Bundesligisten, haben ganz andere Sorgen. Schließlich hat die vermeintliche Abstiegskonkurrenz aus Nürnberg (2:4 gegen Halle) und Köln (3:3 gegen Krefeld) mit ihren Ergebnissen am ersten Spieltag aufhorchen lassen. Was das Unterfangen Klassenerhalt nicht eben einfacher macht: "Zwei Siege werden wir brauchen, vielleicht reichen im Idealfall auch ein Sieg und ein Unentschieden." Die spannende Frage ist, ob dafür die finanziellen Mittel reichen.

Gerald Marzenell jedenfalls ist überzeugt: "Die Neusser müssen dieses schwierige Jahr überstehen, dann geht es wieder aufwärts." Wenn er da nur mal Recht behält.

Quelle: NGZ
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