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Blau-Weiss kann wieder einen Titel feiern

Lokalsport: Blau-Weiss kann wieder einen Titel feiern
Erinnerungen an große Tennistage beim TC Blau-Weiss Neuss: Wenn es um den Titel ging (Foto oben und rechts) war es voll an der Jahnstraße. Am vollsten war es aber am 9. August 1991, als Michael Stich einen Monat nach seinem Wimbledon-Sieg mit Iphitos München dort auflief (unten Mitte). Zu den Stars zählte der früh verstorbene Michael Westphal (unten rechts) ebenso wie der spätere Weltranglisten-Erste Gustavo Kürten (links), der nach dem ersten Wiederaufstieg 1996 anheuerte. Und die Meisterfeiern im Festzelt (unten links) waren legendär. FOTO: -woi
Neuss. Nach zehn Meistertiteln in der Bundesliga kann der TC Blau-Weiss Neuss morgen zum vierten Mal Meister im "Unterhaus" werden. Von Volker Koch

Früher griff Rolf Pinner zur Klampfe und die anderen, egal ob deutsche Daviscup-Spieler oder Stars aus Argentinien und Schweden, enterten die Bühne, um zu seiner Begleitung - nun ja, nennen wir es einmal zu singen. Früher wurde eigens ein Zelt auf dem Parkplatz vor der Stadionhalle aufgebaut, in dem nach dem letzten Ballwechsel - um es vorsichtig zu formulieren die Post abging. Selbst Schützenzüge sollen dort im Überschwang nächtlicher Feiergefühle gegründet worden sein.

All das wird morgen Nachmittag auf der Tennisanlage an der Jahnstraße nicht passieren, wenn der TC Blau-Weiss Neuss mit einem Sieg, egal in welcher Höhe, über den TC Blau-Weiss Berlin Meister der Zweiten Bundesliga Nord werden sollte. Vielleicht lockt der Anlass ein paar Zuschauer mehr an als die 200 bis 300, die die bisherigen drei Heimspiele seit dem Abstieg aus der Ersten Liga sehen wollten. Wenn es so viele werden, wie zu den "goldenen Zeiten" Einlass ins Festzelt begehrten, dürften die neuen "Macher" des Traditionsklubs schon zufrieden sein.

Es wäre der 14. Titel, den die Neusser in den vergangenen vier Jahrzehnten feiern könnten. Zehn Mal, zum ersten Mal 1983 durch ein 6:3 über den LTTC Rot-Weiß Berlin, zum letzten Mal 1994 durch ein 4:5 und 6:3 über EtuF Essen, wurden sie Deutscher Mannschaftsmeister. Drei Mal, 1978, 1995 und 1998, gewannen sie den Titel im Unterhaus, das damals noch Regionalliga hieß, und stiegen in die Bundesliga auf.

Ob das auch nach dem Titelgewinn in der Zweiten Bundesliga Nord so kommen wird, steht noch nicht fest. "Erst einmal wollen wir am Freitag Meister werden", sagt Teamchef Marius Zay, gleichzeitig einer der Gesellschafter der Spielbetriebs GmbH, "nach Ende der Saison werden wir dann in Ruhe Gespräche mit dem Verein und den Sponsoren führen." Bis Ende September haben die Neusser Zeit, sich gegenüber dem Deutschen Tennis-Bund zu erklären, ob sie ihr Aufstiegsrecht wahrnehmen.

1995 war das anders. Ein Jahr zuvor, einen Tag nach dem zehnten Titeltriumph, hatte Ernst-Ludwig Hansmann das Team aus der Ersten Liga zurückgezogen. Der langjährige Mäzen sah keine andere Möglichkeit, aus laufenden, in seinen Augen zu hoch dotierten Verträgen mit zwei seiner Spieler auszusteigen. Es war ein Einschnitt, das Ende einer Ära. Auch wenn die Blau-Weissen auf direktem Wege - damals wurde noch eine Aufstiegsrunde gespielt, in der sie sich mit 6:0 gegen UHC Hamburg und 5:4 über TSC Mainz durchsetzten - in die Erstklassigkeit zurückkehrten. Auch wenn sie danach noch zwei Mal (2000 und 2006) Deutscher Vizemeister wurden: So wie in der Zeit zwischen 1979 und 1994, als sich Stars wie Eric Jelen, Andreas Maurer, Michael Westphal, Wolfgang Popp, Anders Jarryd, Magnus Gustafsson und Martin Jaite die Klinke in die Hand gaben, als das Gastspiel von Michael Stich mit Iphitos München einen Monat nach seinem Wimbledonsieg 1991 mehr als 5000 Zuschauer anlockte, sollte es nie mehr werden an der Jahnstraße.

Den ersten Wiederaufstieg 1995 schafften die Neusser mit einem Team ohne große Namen: Hinter dem Schweden Mikael Tillström marschierten Sascha Bandermann, Dirk Hortian, Gisbert Pauli, Jens-Peter Wenner und Matthias Hunsmann mit einer Niederlage (4:5 gegen Rot-Weiss Dortmund) durch die Saison. Nach dem Aufstieg wurde die Truppe durch Rückkehrer Markus Naewie sowie die 19-jährigen Federico Browne (Argentinien) und Gustavo Kuerten verstärkt - ein Jahr später gewann der Brasilianer erstmals die French Open.

Ein solcher Glücksgriff - wie er Elu Hansmann 2003 noch einmal mit der Verpflichtung von Rafael Nadal gelang - dürfte in der heutigen Tennisszene kaum wiederholbar sein. Immerhin war der Ungar Mate Valkusz (18), der Blau-Weiss morgen zum Meistertitel verhelfen soll, im Vorjahr Nummer eins der Junioren-Weltrangliste. Überhaupt ist Marius Zay überzeugt, "dass wir mit unserem jungen Team auch in der Ersten Liga bestehen könnten. Aber erst einmal", sagt der Teamchef, "wollen wir Meister werden."

Quelle: NGZ
 
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