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Blau-Weiss marschiert an die Tabellenspitze

Lokalsport: Blau-Weiss marschiert an die Tabellenspitze
Auf sie war gestern Verlass: Der Niederländer Botic Van de Zandschulp gewann das Spitzeneinzel, Spielertrainer Clinton Thomson (links, daneben Oberschiedsrichter Patrick Iber) siegte an Position sechs. FOTO: -woi
Neuss. Im ersten Spiel nach dem Abstieg aus der Tennis-Bundesliga setzt sich Blau-Weiss Neuss mit 8:1 gegen Altmeister Rot-Weiss Berlin durch. Von Volker Koch

Es war der Tag der Niederländer gestern, zumindest aus sportlicher Sicht: Bauke Mollema gewinnt im Alleingang die 15. Etappe der Tour de France, seine Landsleute Botic Van de Zandschulp und Niels Lootsma führen den TC Blau-Weiss Neuss zum ersten Sieg nach dem Abstieg aus der Tennis-Bundesliga und zum Saisonauftakt gleich an die Tabellenspitze der Zweiten Liga Nord.

Nur dass die beiden Youngster am Ende beim 8:1-Sieg über Altmeister LTTC Rot-Weiss Berlin den einzigen Punkt aus Sicht der Gastgeber abgaben - sie verloren ihr Doppel gegen die Franzosen Romain Jouan und Jerome Inzerillo mit 6:3, 4:6, 8:10 - trübte ein wenig die Stimmung bei Marius Zay. Schließlich hatte der blau-weisse Teamchef nach dem makellosen 6:0-Zwischenstand nach den Einzeln die Devise ausgegeben: "Es kommt auf jeden Punkt an."

FOTO: Woitschützke Andreas

Insgesamt machte der 33-Jährige nach dem ersten Auftritt vor rund 300 Zuschauern aber einen zufriedenen Eindruck: "Das waren schon gute Matches heute, die Stimmung war gut, der Zuspruch besser als erwartet", lautete sein Fazit. Dem wollte seine "rechte Hand", der selbst an Position sechs mit einem hart erkämpften 6:4, 7:6-Sieg über den Ungarn Lenard Soha erfolgreiche Clinton Thomson nicht widersprechen: "Auch wenn die Berliner ohne Daniel Altmaier angetreten sind, war das eine überzeugende Vorstellung."

Er selbst sei "überaus nervös" in das Match gegen den 23 Jahre alten Ungarn gegangen, gab der gebürtige Australier zu: "Wir tragen ja eine besondere Verantwortung", beschriebt der 32-Jährige die Rolle der "Spielertrainer", von denen neben Marius Zay Kevin Deden (33) und Sascha Klör (31) gestern nur als Betreuer auf der Bank saßen. Es sei halt nicht so einfach, sich auf sein Spiel zu konzentrieren, "wenn du bis kurz vorher noch damit beschäftigt bist, Sponsorenbanner aufzuhängen."

Die Vollprofis im Team des Erstliga-Absteigers kennen solche Probleme nicht. Dafür lieferten die beiden niederländischen Debütanten auf dem nach einjähriger Zwangspause wieder einwandfrei bespielbaren Center-Court eine starke Auftaktvorstellung. Beide Partien - die des 21-jährigen Botic Van de Zandschulp (ATP-Weltrangliste 330) gegen den elf Jahre älteren Franzosen Romain Jouan (ATP 452) und die von Niels Lootsma (22, ATP 327) gegen die erst 16 Jahre alte deutsche Tennishoffnung Rudolf Molleker - hätten so auch in die Erste Liga gepasst.

Vor allem Van de Zantschulp - von den Neussern fälschlicherweise als van der Zandschulp in ihrer Meldeliste geführt - und Romain Jouan beharkten sich nach allen Regeln der Tenniskunst. Da war es kein Zufall, dass ihr Match das einzige Einzel war, das gestern im Champions-Tiebreak entschieden wurde. In dem stand der zuvor so aufschlagstarke Franzose, der die Partie in der Anfangsphase eindeutig beherrscht hatte, vollkommen neben seinen Tennisschuhen: Das 3:6, 7:6, 10:3 aus Sicht ihres Spitzenspielers bescherte den Gastgebern die makellose Bilanz eines 6:0-Zwischenstandes.

"Dass wir nach den Einzeln 6:0 führen, ist beileibe keine Selbstverständlichkeit", stellte Marius Zay fest. Sein Berliner Kollege Markus Zoecke, einst drei Mal als Ersatz für den verletzten Boris Becker ins deutsche Daviscup-Team berufen, sah das ähnlich: "Aus unserer Sicht ist das ein bisschen zu hoch," meinte der 49-Jährige.

In der Tat besaßen die Gäste durchaus Chancen, zu punkten. Neben Romain Jouan vor allem Rudolf Molleker, der Niels Lootsma beim 6:4, 7:6 alles abverlangte. "Ich bin mal gespannt, wie lange wir die halten können, ehe sie uns ein finanzstärkerer Klub aus der Ersten Liga wegschnappt", meinte BW-Vorsitzrender Abraam Savvidis mit Blick auf die beiden Niederländer.

Während der Belgier Julien Cagnina sich schwer tat, den mit ein paar Pfunden zu viel auf den Hüften kämpfenden Sebastian Rieschick (31), vor 14 Jahren immerhin die Nummer eins auf der Junioren-Weltrangliste, mit 6:3, 6:0 in Schach zu halten, taten die Routiniers Frederik Nielsen (33) und Hans Podlipnik-Castillo (29), das, wofür die Neusser die Verträge mit dem Dänen und dem Austro-Chilenen verlängert haben: Solide spielen - 6:3, 6:1 gegen Robert Strombach, 6:0, 6:4 über Jerome Inzerillo - und den Rest der Mannschaft führen. Vor allem Nielsen erwies sich in dieser Hinsicht als Top-Motivator. "An ihm werden wir noch viel Freude haben", prophezeit Marius Zay - als nächstes am Freitag (ab 13 Uhr) gegen den Oldenburger TeV, der gestern mit 3:6 in Iserlohn verlor.

Quelle: NGZ
 
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