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Blau-Weiss Neuss erkämpft einen lebenswichtigen Punkt

Lokalsport: Blau-Weiss Neuss erkämpft einen lebenswichtigen Punkt
Der Gentleman kann auch beißen: Filippo Volandri ließ sich von Dustin Browns "unkonventioneller Spielweise" und den Kölner Fans nicht aus der Ruhe bringen. FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)
Neuss. Erst im Champions-Tiebreak des zweiten Doppels vergibt Tennis-Bundesligist den ersten Sieg. Von Volker Koch

Ob früher alles besser war in der Tennis-Bundesliga, darüber lässt sich trefflich debattieren. Gemischte Gefühle, wie sie am gestrigen Abend bei den Verantwortlichen des TC Blau-Weiss Neuss vorherrschten, hätte es im alten Spielsystem mit sechs Einzeln und drei Doppeln auf jeden Fall nicht gegeben.

Denn da war kein Unentschieden möglich - und mithin die Frage überflüssig, ob ein solches einen Punktgewinn oder -verlust darstellt. Für den Bundesliga-Rekordmeisterbedeutete das gestrige 3:3 gegen Aufsteiger Kölner THC Stadion Rot-Weiss, das zweite Remis einer immer noch sieglosen Saison, auf jeden Fall ein Punktgewinn. Denn jetzt reicht den Neussern im morgigen "Abstiegs-Endspiel" beim anderen Neuling in Nürnberg wohl ein weiteres Unentschieden, um den Klassenerhalt sicher zu stellen.

Das war gestern nicht sein Tag: Dustin Brown musste sich bei seinem ersten Auftritt in Neuss im Einzel und im Doppel geschlagen geben. FOTO: A. woitschützke

"Wir sind zufrieden", sagte Teamchef Marius Zay gestern um 19.20 Uhr, als das Endergebnis eines hochspannenden Tennis-Nachmittags feststand, und bilanzierte: "Wir hätten zwar 4:2 gewinnen, aber auch 2:4 verlieren können." In der Tat: Nach einem 2:2-Zwischenstand nach den Einzeln war alles möglich vor knapp 800 Zuschauern an der Jahnstraße, unter ihnen eine lautstarke Abordnung aus Köln, die mit ihrem Verhalten freilich eher auf einen Fußballplatz gepasst hätte - ein energischeres Einschreiten der Schiedsrichter wäre vor allem im Schlussdoppel auf dem Center-Court durchaus angebracht gewesen.

In dem hatten die Blau-Weissen mit der Formation Filippo Volandri und Adrian Ungur, den beiden Siegern der Einzelrunde, alles auf eine Karte gesetzt, um zumindest einen Punkt in Neuss zu behalten. Die Karte schien zunächst zu stechen, lagen die beiden gegen Dustin Brown und den nur im Doppel eingesetzten Pavol Cervenak schnell mit 6:3 in Front. Doch in der aufgeheizten Atmosphäre verloren sie ebenso schnell Ruhe und Übersicht: Als die Kölner mit einem 6:4 gleichzogen und auf dem Nebenplatz Antonio Veic und Jeremy Jahn, denen gegen Kimmer Coppejans und Oscar Otte ohnehin wenig Siegchancen zugetraut worden waren, den ersten Satz im Tiebreak abgaben, schwante Team-Manager Dietmar Skaliks wenig Gutes: "Das geht noch in die Hose".

Ging es nicht, weil Ungur und Volandri im Champions-Tiebreak das druckvollere Spiel zeigten. Als sie punkt 18.58 Uhr mit dem 10:5 den dritten Neusser Punkt eingefahren hatten, erwachte in Skaliks wieder das Kämpferherz: "Jetzt wollen wir auch gewinnen." Was gar nicht so unmöglich schien, denn Veic und Jahn lagen im zweiten Satz 4:0 vorne. Doch als die Zuschauer und damit auch die Unruhe zu ihnen hinüberwechselte, verloren sie den Faden: Satz Nummer zwei brachten sie gerade noch mit 6:3 nach Hause, im Champions-Tiebreak waren sie dann aber angesichts eines 1:6-Rückstandes schnell chancenlos, verloren mit 5:10 und ermöglichten den Gästen so noch einen glücklichen Punktgewinn, der ihnen ein zweites Jahr im Oberhaus sichert.

Das passte zum wenig ruhmvollen Auftreten der Beiden in den Einzeln: Veic verlor gegen Julian Reister 4:6, 1:6, nachdem er im ersten Satz aus einem 0:3-Rückstand eine 4:3-Führung gemacht hatte, Jahn ging gegen Otte 2:6, 0:6 unter - von den viel gerühmten Kämpferqualitäten des Duos war da wenig zu sehen. Dabei hatte Filippo Volandri die Steilvorlage für den ersten Saisonsieg geliefert, denn einen Dreisatzsieg über Nadal-Bezwinger Dustin Brown hatte dem italienischen Altmeister kaum einer zugetraut. "Brown hat sehr unkonventionell gespielt", sagte er nach dem 4:6, 6:3, 10:6, "ich musste mich sehr konzentrieren. Als mir das gelang, lief es klar besser."

Jetzt lag die Last der Verantwortung auf den Schultern von Adrian Ungur, "denn einen 1:3-Rückstand können wir nicht mehr wettmachen", meinte Skaliks. Der Rumäne - "einer der besten Einkäufe, die wir je getätigt haben" - ließ ihn nicht im Stich: Sein 6:4, 6:4 gegen den in der Weltrangliste 90 Plätze besser postierten Belgier Kimmer Coppejans bedeutete den Ausgleich - und legte den Grundstein für die gemischten Gefühle drei Stunden später.

Quelle: NGZ
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