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BW Neuss feiert Titel - und will auch aufsteigen

Lokalsport: BW Neuss feiert Titel - und will auch aufsteigen
FOTO: Woitschützke Andreas
Neuss. Der hart erkämpfte 5:4-Sieg über den TC Blau-Weiss Berlin bringt den Rekordmeister wieder zurück in die Tennis-Bundesliga. Von Volker Koch

Seit gestern Abend um 18.27 Uhr ist die "Sportstadt" Neuss wieder um einen Bundesligisten reicher. Unbemerkt von Sportpolitik und -verwaltung feierte der TC Blau-Weiss Neuss nach einjähriger Abwesenheit die Rückkehr in die Tennis-Bundesliga.

Genauer gesagt: Der Rekordmeister sicherte sich mit seinem 5:4-Sieg über den TC Blau-Weiss Berlin den Meistertitel in der Zweiten Liga Nord und damit das Aufstiegsrecht. Dass er es wahrnimmt, ist sehr wahrscheinlich. "Die Tendenz von Spielbetriebs GmbH und Verein geht eindeutig in diese Richtung", versicherte Abraam Savvidis in einem Telefongespräch mit unserer Redaktion. Der BW-Vorsitzende erlebte den historischen Moment im Griechenland-Urlaub nur am Live-Ticker, war aber per Handy der erste Gratulant von Teamchef Marius Zay.

Der wirkte erleichtert, nachdem es auf der vom Dauerregen durchweichten Asche enger und spannender zugegangen war als es nach einer schnellen 4:0-Führung der Hausherren den Anschein hatte. "Dass die Berliner kämpfen würden, war klar - das tut in dieser Liga jeder," sagte Zay. Er sieht sich selbst auch als solchen Kämpfertyp: "Deshalb gehe ich auch lieber in die Erste Liga hoch und versuche dann alles, um drin zu bleiben, als von vornherein auf den Aufstieg zu verzichten."

Savvidis sieht das ähnlich: "Nach reiflicher Überlegung und etlichen Gesprächen mit unseren wichtigsten Sponsoren sind wir der Meinung, dass wir uns der Herausforderung stellen sollten." Die Sponsoren hätten Zustimmung und Unterstützung signalisiert. Das kann Jürgen Hauck, als Mitinhaber der Hauck-Rohrbach Augencentren einer der wichtigsten aktuellen Unterstützer des TC Blau-Weiss Neuss, nur bestätigen: "Ich finde es toll, was in dieser Saison hier abgelaufen ist", sagt der Düsseldorfer Augenarzt, der über seine Tennis-spielende Tochter den Weg an die Jahnstraße fand, "ein Aufstieg würde die positive Stimmung noch verstärken." Für Abraam Savvidis ist eines jedoch klar: "Wir sagen jetzt nicht: Hallo Bundesliga, wir sind wieder da, wo wir hingehören, sondern wir gehen die ganze Sache in Demut an."

Das wird auch nötig sein. Selbst wenn die Neusser die Saison mit einem Sieg morgen in Versmold ungeschlagen beenden sollten - ein glatter Durchmarsch war es nicht. "Einige Spiele waren ganz schön eng", stellte Spielertrainer Kevin Deden fest, der gestern mit dem 6:3, 6:0 über Jakob Hütten seinen fünften Sieg im fünften Einsatz feierte. Ähnlich überlegen gestalteten die Gastgeber vor laut offiziellem Spielbericht 300 Zuschauern auch die anderen Einzel: Spitzenspieler Maxime Janvier fegte Bastian Wagner trotz dessen heftiger Gegenwehr mit 6:2, 6:3 vom Platz, Niels Lootsma ließ nach holprigem Start Jesper Tull Freimuth beim 6:4, 6:2 gleichfalls keine Chance.

Und Botic Van De Zandschulp ließ beim 6:1, 6:1 über den Deutsch-Chilenen Laslo Urrutia Fuentes überhaupt nichts anbrennen und meldete schon einmal vorsorglich Ansprüche auf einen Platz im künftigen Erstliga-Kader an: "Hier vor diesen Zuschauern zu spielen macht Riesenspaß", stellte der Niederländer fest, "da wäre ich in der nächsten Saison gerne wieder dabei." Sollte der 21-Jährige keine unerfüllbaren finanziellen Forderungen stellen, gibt es nichts, was dagegen spräche.

Das sieht bei zwei anderen Spielern ganz anders aus. Denn Bernabe Zapata Miralles und Mate Valkusz patzten gestern gegen Gegner, gegen die sie niemals hätten patzen dürfen und verlagerten die Entscheidung so in die Doppel. Der Spanier, immerhin die Nummer 293 der Weltrangliste, verlor gegen den zwar brillant spielenden, körperlich aber alles andere als zweitliga-fitten Friedrich Klasen mit 6:4, 4:6 und 7:10. "Er war schon in der Kabine sehr angespannt", suchte Zay nach einer Begründung für die schwache Leistung des Debütanten. Und Mate Valkusz wirkte beim 2:6, 3:6 gegen Niclas Braun nicht wie einer, der vor einem Dreivierteljahr die Nummer eins der Junioren-Weltrangliste war.

So wurde aus einem scheinbaren Durchmarsch doch noch eine enge Kiste, eine ganz enge sogar. Denn die Neusser hatten ohne Frederik Nielsen und Hans Podlipnik-Castillo keinen wirklichen Doppelspezialisten im Aufgebot. Kein Wunder also, dass zwei der drei Matches an die verzweifelt kämpfenden Berliner gingen, wobei Zapata Miralles und Valkusz erneut eine eher klägliche Figur abgaben.

Gut, dass Botic Van De Zandschulp und Maxime Janvier am vergangenen Sonntag beim 5:4-Sieg in Suchsdorf schon einmal üben konnten - mit dem zweiten Matchball machte das Duo um 18.27 Uhr den 6:2, 6:4-Sieg über Bastian Wagner und Jakob Hütten, den fehlenden fünften Punkt und damit die Meisterschaft perfekt. Fehlt nur noch der Aufstieg - doch für den sind andere zuständig an der Jahnstraße als die Spieler.

Quelle: NGZ
 
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