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Lokalsport
BW Neuss verabschiedet sich sieglos

Neuss. Tennis-Bundesliga: Absteiger verliert 1:5 in Krefeld. Gladbacher HTC holt Titel. Von Volker Koch

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Tennis-Bundesliga dringend reformbedürftig ist, dann lieferte ihn der letzte Spieltag: Statt "Weltklasse im Klub" stand fast überall die zweite Garde auf den Aschenplätzen - gerade mal acht Spieler aus den besten 200 der Weltrangliste waren gestern im Einsatz. Gemeldet für diese Saison waren 33 alleine aus den Top-Einhundert.

Den Titel sicherte sich erstmals der Gladbacher HTC mit einem 5:1-Sieg im "Endspiel" über Ex-Meister Kurhaus Lambertz Aachen. Dass die Gastgeber ohne die Nummern eins bis vier ihrer Meldeliste, dafür in der Besetzung Marton Fucsovic (ATP 162), Aleksandr Nedoyvesov (ATP 240), Daniel Gimeno-Traver (ATP 126) und Adrian Menendez (ATP 217) die immerhin mit Aljaz Bedene (ATP 82) und Florian Mayer (ATP 94) angetretenen Aachener in solcher Deutlichkeit abfertigten, sagt gleichfalls einiges darüber aus, wie sich die "Weltklasse"-Spieler in dieser Liga ins Zeug legen.

Noch ein Wort zur Weltklasse: Der Rochusclub Düsseldorf, der bei einem Unentschieden zwischen Gladbach und Aachen mit einem Sieg erstmals Deutscher Meister hätte werden können, trat bei BW Aachen mit den Nummern 359 (Filip Horansky) und 442 (Jaume Munar) der Weltrangliste an den Spitzenpositionen an - und spielte prompt Unentschieden. Als letzter Beleg dafür, dass die Liga dabei ist, sich selber abzuschaffen, noch ein Blick auf die Zuschauerzahlen: Genau 6179 Besucher (davon 2019 in Mönchengladbach) wurden auf den sechs Plätzen gezählt - so viele hatte der TC Blau-Weiss Neuss in seinen guten Zeiten bei zwei Heimspielen alleine aufzuweisen.

Die Neusser, die mit dem 1:5 in Krefeld das Kunststück fertigbrachten, die Saison sieglos zu beenden - das hatte zuletzt der 1. FC Nürnberg vor vier Jahren geschafft - werden vom TC Bruckmühl-Feldkirchen in die Zweite Liga begleitet. Die Bayern trennten sich im "Abstiegs-Endspiel" mit 3:3 von RW Köln. Als Aufsteiger steht der Bremerhavener TV fest, der in der Zweiten Liga Nord ungeschlagen blieb. Ob Süd-Meister TC Weinheim sein Aufstiegsrecht wahrnimmt, ist offen.

Auf Neuss warten in der kommenden Spielzeit Klubs wie TC Iserlohn, Oldenburger TeV, Blau-Weiss Berlin, Bielefelder TC, Club an der Alster, Suchsdorfer SV, Tennispark Versmold (spielte in dieser Saison gegen die zweite Mannschaft des TC Blau-Weiss) und der LTTC Rot-Weiss Berlin, der mit 13 Deutschen Meistertiteln (davon fünf in der Bundesliga) noch drei mehr in seiner Chronik zu verzeichnen hat als die Neusser.

Für die holte Clinton Thomson mit einem 6:3, 7:6 über Antal Van Der Duim den einzigen Zähler in Krefeld und den vorerst letzten in der Bundesliga. Während Tom Schönenberg gegen Jürgen Melzer und Max Dinslaken gegen Federico Gaio chancenlos waren, musste sich Jeremy Jahn gegen Paolo Lorenzi nur knapp (7:5, 2:6, 7:10) geschlagen geben - der Italiener war als Nummer 41 der einzige "Weltklasse"-Spieler, der gestern irgendwo auflief.

Quelle: NGZ
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