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Coole Tigers schlagen Wolfpack Wolfenbüttel

Lokalsport: Coole Tigers schlagen Wolfpack Wolfenbüttel
Unter Wölfen: Tigers-Spielmacherin Briana Williams nimmt es mit Brianna Rollerson, Christine Hyde, Aneliya Draganova und Nena Trajchevska (v.l.) auf. FOTO: G. SALZBURG
Neuss. Im ersten Spiel der Play-off-Halbfinalserie um den Aufstieg in die Erste Basketball-Bundesliga gelingt der TG Neuss ein 74:71-Heimsieg. Von Dirk Sitterle

In einem Satz fasste Janina Pils 40 faszinierende Basketball-Minuten zusammen: "Das sind die Play-offs!" Und noch etwas rieb die Trainerin des Damen-Zweitligisten TG Neuss Tigers allen Kritikern direkt nach dem atemberaubend spannenden 74:71-Heimsieg (Halbzeit 27:36) in Spiel 1 der Halbfinalserie über das Wolfpack Wolfenbüttel fast schon genüsslich unter die Nase: "Ob wir das Schlusslicht Recklinghausen nur mit sieben Punkten Differenz schlagen oder in Wolfenbüttel mit knapp 30 verlieren, ist doch total egal. Jetzt zählt's - und wir sind da!"

Eindruck machte, wie die Tigers während des herrlich intensiv geführten Duells geschmeidig den Schalter umzulegen wussten. Denn in der ersten Hälfte führten die Wölfe das Kommando, standen vor allem Christine Hyde (zehn Punkte), Brianna Rollerson (10) und Theresa Simon (9) für pure Dominanz. Zur Halbzeitpause fragte Janina Pils ihre Schützlinge darum: "Haben wir die ganze Saison hart um Platz zwei gekämpft, um jetzt zu Hause zu verlieren?" Die Reaktion ihrer an der Ehre gepackten Mädels, die das dritte Viertel noch mit 12:23 abgegeben hatten, war genial: Zunächst brachen sie das Monopol der Wölfe am Brett - ging das Rebound-Duell in den ersten 20 Minuten noch klar an die Gäste (28:13), drehte Neuss den Spieß nach dem Seitenwechsel um (21:16). Ihr Herz in beide Hände nahm dabei Centerin Julia Duggan, die den Zweikampf mit Brianna Rollerson (unglaubliche 17 Rebounds im Schnitt) um die Hoheit am Korb mit 16:12 für sich entschied. Ihrer größten Stärke beraubt, wirkte das Wolfpack erstaunlich fragil. Gerade noch komfortabel mit 44:32 (24.) vorne, registrierten Hyde & Co. mit wachsendem Unbehagen, wie sich die selbstbewussten Tigers die Führung, unterstützt durch Dreier von Jana Heinrich (2) und Franzi Worthmann, binnen fünf Minuten zurückholten (52:51/29.).

Entscheidend für den Sieg der Tigers war indes, dass sie im letzten Viertel trotz größter Dramatik kühlen Kopf bewahrten: Auf das frühe Ausscheiden von Jana Heinrich mit dem fünften Foul (33.) und den folgenden 54:61-Rückstand antworteten sie mit einem erfolgreichen Wurf von jenseits der Drei-Punkte-Linie durch Karo Tzokov zum 57:61 (34.). Aus der Ferndistanz verkürzte die U18-B-Europameisterin kurz darauf auch auf 62:64 (37.).

Nach einer Auszeit der Gastgeberinnen traf Briana Williams zum 69:70 (39.), und als im Gegenzug Christine Hyde nur einen ihrer beiden Freiwürfe zum 71:69 nutzte, waren die eiskalten Tigers endgültig am Drücker.

Die Entscheidung: Nach einem Wurf von Briana Williams pflückte Julia Duggan den vom Ring zurückspringenden Ball herunter, wurde gefoult und verwandelte 43,1 Sekunden vor Schluss nervenstark beide Freiwürfe zum 71:71-Ausgleich. Dass Briana Williams, die 16 ihrer 27 Punkte in Hälfte zwei erzielte, nach einer Auszeit Wolfenbüttels den folgenden Einwurf abfing und die grandiose Aktion 35 Sekunden vor dem Ende mit dem Führungstreffer krönte (73:71), war kein Zufall, verriet Janina Pils. "Wir wussten genau, was der Gegner macht."

Auf der anderen Seite verloren die konsternierten Wölfe den Ball, weil sich Rollerson, für die in den Vierteln drei und vier nur noch zwei Punkte und drei Rebounds zu notieren waren, länger als die erlaubten drei Sekunden in der Zone unter dem Korb aufhielt. Neuss ließ den ersten Elfmeter indes aus, die an die Freiwurflinie gebrachte Sera Asuamah-Kofoh ging leer aus. Damit blieben dem Wolfpack noch 25 Sekunden für einen letzten Angriff. Hyde zog aus der Distanz für den siegbringenden Korb ab - zwar ohne Erfolg, doch noch hatte Wolfenbüttel lange 9,7 Sekunden. Franzi Worthmann verteidigte die in Position gebrachte Hyde (21 Punkte, 13 Rebounds) jedoch so gut, dass das Spielgerät ins Aus sprang. Noch 2,8 Sekunden, Einwurf Neuss. Wertvolle 1,9 Sekunden vergingen, bis die Gäste Franzi Worthmann per Foul an die Freiwurflinie schickten. Die mit 17,1 Zählern im Schnitt beste deutsche Korbjägerin der Liga ließ zwar den ersten Versuch aus, traf aber mit dem zweiten zum 74:71. Für einen seriösen Drive übers ganze Feld fehlte Wolfenbüttel danach einfach die Zeit. Aus!

Nach der erlösenden Schlusssirene benötigte die Neusser Trainerin ungewöhnlich lange, um einen klaren Gedanken zu fassen, sagt dann: "Was richtig Schlaues kann ich im Moment gar nicht sagen. Dazu bin ich einfach zu kaputt. Das war unfassbar anstrengend heute."

Quelle: NGZ
 
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