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Lokalsport
Das Olympia-Gefühl hält bis heute

Neuss. Elke Sprink, Günther Schumacher und Victor Hendrix schauen zurück. Von Dirk Sitterle

Diese Erinnerung schmerzt bis heute: Hätte Victor Hendrix 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom im Vierer ohne Steuermann mit Manfred Kluth (beide Neusser Ruderverein) sowie Günter Schroers und Manfred Uellner (beide Germania Düsseldorf) starten dürfen - gut ein Jahr zuvor hatte dieses junge Quartett bei den Europameisterschaften im französischen Mâcon auf Anhieb Platz zwei belegt -, wäre dort eine Medaille möglich gewesen. Jedoch: Das erst 14 Tage vor den Weltspielen zusammengestellte Boot, in dem nun die Bremer Albrecht Wehselau und Georg Niermann saßen, musste nach verpatztem Start in den Hoffnungslauf und unterlag dort dem späteren Goldmedaillen-Gewinner USA.

Olympia, da ist eben Platz für die ganz großen Gefühle. Auch 56 Jahre später berühren den mittlerweile 80-Jährigen die Tage in der "Ewigen Stadt" - vor allem die Eröffnungsfeier mit dem Einmarsch der Sportler aller beteiligten Nationen. "Das war ein wahnsinniges Erlebnis." Genauso empfindet Günther Schumacher, der bei seiner Olympia-Premiere 1972 in München mit dem Bahnvierer gleich die Goldmedaille holte. In einer Mannschaft mit Jürgen Colombo, Günter Haritz und dem zweiten Büttgener Udo Hempel bezwang er im Finale das Team der DDR. Für ihn bis heute ein prägendes Ereignis: "Wir mussten gewinnen - verlieren war nicht gestattet. Außerdem ist das erste Mal immer das schönste ..." Dabei hatte der heute 66-Jährige oft Grund zum Feiern: 1976 bei Olympia in Montreal fuhr er in der Mannschaftsverfolgung über 4000 Meter noch mal zu Gold, von 1973 bis 1975 wurde er mit dem Aushängeschild des deutschen Radsports dreimal in Folge Weltmeister. Erfolge, die seine zahlreichen Deutschen Meisterschaften fast in Vergessenheit geraten lassen. Dabei weiß Günther Schumacher sehr genau um seine herausragende Bedeutung. "Ich bin der erfolgreichste Sportler im Rhein-Kreis Neuss", bestätigt er. Der Träger des Silbernen Lorbeerblatts ist damit ein Vorbild für Nils Schomber. Der seit Dienstag 22-Jährige hat nach Platz sechs bei der Bahn-WM in London beste Aussichten auf einen Startplatz im Vierer für die Olympischen Spiele in Rio. Obwohl die endgültige Nominierung noch aussteht, wagt der ebenfalls beim VfR Büttgen ausgebildete Grevenbroicher sogar eine Prognose: "Nach der WM sehe ich meine Chancen ganz gut: Ich denke, dass ich dabei bin."

Wie schnell so ein Traum platzen kann, erlebte Elke Sprink (geborene Drüll) 1980. Aus Protest am Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan gehörte die Bundesrepublik Deutschland damals zu den weltweit insgesamt 42 Verbänden, die die in Moskau ausgetragenen Sommerspiele boykottierten. Bitter für alle betroffenen Sportler. "Man hat uns die Olympischen Spiele geklaut", sagt Elke Sprink, die mit den Deutschen Hockey-Damen ein sicherer Medaillenkandidat gewesen wäre. Doch die damals 24-Jährige verzagte nicht. "Ich habe trotzdem noch mal reingehauen." Der Lohn: 1984 in Los Angeles stand sie wie die zweite Neusserin Birgit Hagen (jetzt Blasberg) abermals im deutschen Kader und belegte letztlich den zweiten Platz. Ein Finale gab es in Kalifornien übrigens noch nicht, das Turnier wurde nach dem Modus jeder gegen jeden ausgespielt. Und weil Deutschland im Match gegen Weltmeister Niederlande "eine Riesenpackung" (Sprink) bekommen hatte, war Gold eben futsch.

Auch aktuell ist das Olympische Hockey-Turnier ein Thema im Hause Sprink. Denn die beim Düsseldorfer HC spielende Tochter Annika steht wie die erfahrene Luisa Steindor (früher HTC SW Neuss) im für Rio qualifizierten deutschen Team. Mitte Mai nominiert Coach Jamilon Mülders seine Mannschaft, doch als Expertin prophezeit die stolze Mutter: "Als Küken muss Annika noch ein bisschen Gas geben. Aber ihre Chancen stehen sehr, sehr gut."

Quelle: NGZ
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