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Lokalsport
Dem Abstieg zwei Schritte näher gekommen

Springe. Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen dürfte nach der 23:30-Niederlage beim Tabellenvorletzten Springe kaum noch zu retten sein. Von Volker Koch

Robin Doetsch hockte auf einem hölzernen Kasten und ließ seinen Tränen freien Lauf. Alexander Kübler suchte Trost auf der Tribüne bei seinen eigens aus Potsdam angereisten Eltern. Die Handvoll Fans, die die 270 Kilometer lange Reise zum Schicksalsspiel in Springe auf sich genommen hatten, packten schweigend ihre Trommeln ein.

Sie alle wussten: Spätestens mit der 23:30-Niederlage (Halbzeit 9:15) beim Tabellenvorletzten HF Springe hat die Abschiedstournee begonnen, kann wohl nur noch ein mittleres Handballwunder den TSV Bayer Dormagen vor dem Abstieg aus der Zweiten Bundesliga retten.

Derweil stand Björn Barthel blass und mit versteinerter Miene im Gang der mit 633 Zuschauern so gut wie ausverkauften Schulturnhalle an der Harmsmühlenstraße. Während die gastgebenden Handballfreunde ihr sechstes Spiel in Folge ohne Niederlage zu rheinischen Humba-Klängen feierten, suchte der Handball-Geschäftsführer des TSV Bayer verzweifelt nach einem Weg, wie dieses Wunder vielleicht aus eigenen Kräften noch in Gang zu setzen wäre in den verbleibenden 13 Partien bis zum Saisonende.

Eins dürfte auch ihm klar sein nach den sechzig deprimierenden Minuten, die gar nicht so schlecht begannen aus Sicht der Gäste, aber spätestens, als Springe sich von 10:8 (23.) auf 14:8 (29.) absetzte, den mittlerweile gewohnten Verlauf nahmen: Mit "business as usual" wird keine Wende mehr kommen. Nicht, dass die Mannschaft nicht wollte: "Die Jungs haben gekämpft, da kann ich ihnen keinen Vorwurf machen", sagte Trainer Jörg Bohrmann, dem im Gegensatz zur voraufgegangenen Heimpleite gegen Saarlouis keine groben taktischen Schnitzer anzukreiden waren.

Doch die "Jungs" sind verunsichert, wirken verkrampft und ohne eine Spur von Selbstvertrauen. Da reichen drei, vier Fehler, um sie aus der Spur zu bringen - und Fehler machen sie reichlich in der Offensive. "Wir haben in der ersten Halbzeit zwei Drittel aller Gegentreffer aus der ersten und zweiten Welle kassiert", analysierte Bohrmann - sprich: nach eigenen Fehlern im Angriff, häufig nach Fehlpässen, mindestens ebenso häufig nach Paraden von Robert Wetzel, den sie mit 17 gehaltenen Bällen zum gefeierten Helden der Partie machten.

Das Fatale: Es gibt keine Ausnahme in den Bayer-Reihen, keinen, der sich mit Macht dem drohenden Untergang entgegen stemmt - vom seit Wochen schwächelnden Sven Bartmann zwischen den Torpfosten angefangen bis zu Alexander Kübler am Kreis. Die Regieposition ist immer noch verwaist, der mit hohen Erwartungen vom HSV Hamburg geholte Alexander Feld hat diese bislang noch nicht annähernd erfüllt, auch wenn er am Samstagabend sichtlich bemüht war, Verantwortung zu übernehmen und das Tempo anzukurbeln.

In der letzten Viertelstunde blieb er nach einem Foul, das dem Ex-Dormagener Oliver Tesch die Rote Karte einbrachte, angeschlagen draußen. Und es dürfte kein Zufall sein, dass die Einwechslung von Ian Hüter auf die Mittelposition den in Richtung zweistelliger Schlappe dümpelnden Dormagenern (14:23, 41.) noch einmal so etwas wie Leben einhauchte., Hätten sie sich nur etwas geschickter angestellt, hätten sie sogar noch näher herankommen können als bis auf 20:25 (53.), ja wie in Ferndorf die Partie vielleicht sogar komplett gedreht.

Doch dazu fehlt allen Beteiligten der Mut. Auch dem Trainer, der vielleicht noch mehr auf die A-Jugendlichen setzen sollte, die wenigstens noch den Hauch handballerischen Draufgängertums zeigen, der einst Bayers Markenzeichen war. Und der vielleicht die Deckung offensiver ausrichten sollte, um ihr die einstmals vorhandene Aggressivität - auch mal ein Markenzeichen - wieder zu geben. Dass allein Johnny Eisenkrätzer zwei Zeitstrafen und obendrein noch eine Rote Karte kassierte, alle anderen aber in dieser Hinsicht mit blütenreiner Weste das Parkett verließen, spricht nicht gerade dafür, dass hier um jeden Zentimeter Boden im Abstiegskampf gerungen wurde.

Bayer hilft wohl nur ein Wunder, auch wenn der Rückstand zum rettenden 17. Tabellenplatz immer noch nicht unüberbrückbar erscheint. Um das aus eigener Kraft zu schaffen, muss freilich ein Ruck durch die wie gelähmt wirkenden Akteure gehen. Der unter der Woche ins Kalkül gezogene, aber nicht in die Tat umgesetzte Wechsel auf der Position des Cheftrainers scheint nach dem Springe-Debakel wieder eine Option - es sei denn, am Höhenberg haben die Planungen für einen Neustart in Liga drei bereits begonnen.

Quelle: NGZ
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