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Eishockey
Dem NEV laufen die Spieler davon

Neuss. Gleich ein halbes Dutzend Routiniers hat dem Eishockey-Oberligisten aus Neuss den Rücken gekehrt. Von Kurt Kestner

Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten: Der vom Landesverband als Nachrücker zum Aufstieg in die Eishockey-Oberliga gezwungene Neusser EV verkommt in der dritthöchsten Spielklasse zur bedauernswerten Schießbudenfigur. Das dokumentieren die zweistelligen Niederlagen zum Saisonauftakt: 3:12 gegen den JEC Königsborn und 1:19 (0:5, 1:7, 0:7) am Sonntag gegen den EV Duisburg.

Die enttäuschten Fans bleiben schon jetzt fort. Knapp 100 Zuschauer braucht der Neusser EV aber, um bei Heimspielen die 400 bis 500 Euro hohen Schiedsrichter-Kosten zu stemmen. Am Freitagabend gegen Königsborn waren 112 Zahlende in der Halle und am Sonntag 175, von denen über 100 Fans aus Duisburg waren. Auch finanziell bahnt sich also ein Desaster an. Schlimmer jedoch ist der Zustand der Mannschaft, die schon jetzt auseinanderzufallen droht. Vor zwei Jahren begann nach einer desaströsen Oberliga-Saison Uwe Malz als neuer sportlicher Leiter einen erfolgreichen Wiederaufbau mit einem Durchmarsch durch die NRW-Liga und dem Aufstieg in die Regionalliga. Mit dem Motto "Bei uns in Neuss bekommen die Spieler kein Geld, aber viel Spaß" gelang es ihm, etliche Routiniers zu ködern und zusammen mit einigen talentierten Junioren eine achtbare Regionalliga-Mannschaft zu formen. Die Marschrichtung schien zukunftsträchtig. Doch der erzwungene Sprung in die Oberliga war verfrüht. Manche jungen Spieler wechselten mehr oder minder freiwillig in die Ib-Mannschaft des NEV, andere schafften die gestiegenen Anforderungen nicht mehr. Und nun platzte die Bombe: Gleich ein halbes Dutzend Routiniers, die bislang aus "Spaß an der Freud" gespielt haben – wie es Trainer Malz immer ausdrückte – machen nicht mehr mit. Sie wollen sich nicht Woche für Woche schinden und sich dabei auch noch blamieren. Verständlich. Aber heikel ist, dass sie ihre Absicht erst wenige Tage vor den ersten Punktspielen kundgetan haben. Dem impulsiven und in seiner Wortwahl vielleicht nicht immer geschicktesten Trainer einen entscheidenden Anteil an Schuld zuzuweisen, ist unangebracht. Die Hauptschuld der Misere trägt der auf seine Satzungsmöglichkeiten pochende Eishockey-Landesverband, der einen finanzschwachen Amateurverein in die mit Halb- und Vollprofis gespickte Liga gezwungen hat.

Malz sagt dazu erst mal gar nichts, auch NEV-Präsident Werner Link hielt sich am Rande des Debakels gegen Duisburg mit Antworten zur Zukunft sehr zurück. Er scheint ratlos zu sein, denn vernünftige Alternativen bieten sich nicht an. Zunächst einmal muss diese trostlos Oberligarunde bis Mitte Dezember zu Ende gespielt werden. Spielabsagen oder ein Zurückziehen der Rumpfmannschaft kämen dem NEV teuer zu stehen (Verlust der beim Verband hinterlegten Kaution, Regressansprüche der Konkurrenz für ausgefallene Heimspiele). Irgendwie durchhalten und auf die im Januar beginnende Relegationsrunde gegen vier schlagbare Regionalligisten hoffen, das scheint Präsident Link zurzeit der einzig gangbare Weg zu sein. Von personellen Veränderungen rund um die Mannschaft scheint Link nichts zu halten. Denn mit einer solchen Maßnahme kann man das leckgeschlagene Schiff in der Tat nicht reparieren.

Quelle: NGZ
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