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Sportlerwahl
Der Basketball-Gigant aus Butzheim

Sportlerwahl: Der Basketball-Gigant aus Butzheim
Einer gegen alle: Hat Marvin Kruchen das Ziel erst mal ausgemacht, ist der Center des Basketball-Regionalligisten Elephants Grevenbroich nur noch ganz schwer zu stoppen. FOTO: Lothar Berns
Neuss. 2,10 Meter und 120 Kilogramm - der Center des Regionalligisten NEW' Energie Elephants ist unter den Körben eine Macht. Doch der 24-Jährige kann auch anders. In Grevenbroich zählt der "Koloss von Rommerskirchen" zu den Publikumslieblingen. Von Dirk Sitterle

Grevenbroich Auf der Homepage der NEW' Energie Elephants (www. elephants.de) ist die Größe von Marvin Kruchen mit 2,20 Meter angegeben. Ein Gigant! Dass der Center des Basketball-Regionalligisten tatsächlich "nur" 2,10 Meter misst, fällt da weiter kaum ins Gewicht. Zumal er sich trotz seiner amtlichen 120 Kilogramm fast gazellenhaft zu bewegen weiß. Wer es nicht glauben mag und nicht das Glück hatte, Augenzeuge des mitreißenden Heimsieges der Grevenbroicher Korbjäger über Schalke 04 gewesen zu sein, dem sei die erstklassige Internetseite der Königsblauen (http://basketball.schalke04.de) empfohlen. Dort ist in der Highlight-Ecke zu bestaunen, wie Kruchen in Höhe der Mittellinie mit einem Dribbling hinter seinem Rücken zwei Gegenspieler aussteigen lässt und den Ball mit der Schlusssirene des ersten Viertels ins Netz zirkelt. Eine kolossale Aktion.

Die Wahl zum "NGZ-Sportler des Monats" war danach natürlich reine Formsache. Freilich nicht für den Sieger: "Ich war schon von der Nominierung überrascht, dass ich es jetzt geworden bin, überrascht mich noch mehr. Cool." Die Schaueinlage gegen S04 beurteilt er im Rückblick eher nüchtern. "Ich hatte die Wahl: Entweder ich laufe voll in die beiden Schalker rein oder ich versuche was anderes. Und dann haben sich im Gehirn eben die richtigen Synapsen gemeldet ..." Wenn es läuft, läuft es halt. Nach beeindruckenden sieben Liga-Siegen in Folge ist die Spitze vor dem Showdown heute Abend beim Tabellenführer UBC Münster plötzlich nur noch vier Punkte entfernt. "Wir sind wieder im Geschäft", weiß Kruchen. Dass er und seine Kollegen, von denen fast jeder über Erst- oder Zweitliga-Erfahrung verfügt, mit dem Aufstieg nichts im Sinn hätten, hält er für ein böses Gerücht. "Jeder hat Bock aufzusteigen. Ob das dann realisierbar ist, steht auf einem anderen Blatt."

Mit Mitte 20 kommt der in Leverkusen ausgebildete Center gerade erst ins beste Alter - und denkt trotzdem schon ans Karriereende. Die chronisch entzündete Achillessehne sorgt für schmerzhaften Verdruss, könnte, wenn es ganz dumm kommt, sogar reißen. Der Prognose der Ärzte begegnet der Basketballer jedoch mit einer gehörigen Portion Fatalismus. "Wenn sie reißt, dann reißt sie eben ..." Keine Frage, die Pro B würde er sich noch gönnen. "Ein Jahr hänge ich auf jeden Fall dran. Wenn du einmal Blut geleckt hast, willst du auch mehr." Das hören die treuen "Ele(f)ants" sicher gerne, gehört Kruchen doch gemeinsam mit Eigengewächs und Schützenkumpel Basti Becker sowie Kapitän Simon Bennett zu den Publikumslieblingen im "Elephants-Dome". Dieses Trio führt auch die Party-Fraktion an. Zwar ist Köln sein bevorzugtes Jagdrevier, aber seinem geliebten Butzheim auf Dauer den Rücken zu kehren, käme ihm nie ernsthaft in den Sinn. "Butzheim ist cool", findet der Schütze im Hubertuszug "För de Freud" in Widdeshoven-Hoeningen. Gut, dass er davon auch seine bei den Elephants als Physiotherapeutin tätige Freundin Lea überzeugen konnte. Die beiden beziehen im zu Rommerskirchen gehörenden Dörfchen direkt an der B 477 demnächst eine gemeinsame Wohnung. Wie sein mittlerweile in Neuss lebender Bruder David - übrigens einst ein herausragender Säbelfechter des TSV Bayer Dormagen - bleibt er damit dem Rhein-Kreis erhalten. Wenn er im März 2016 sein BWL-Studium in Köln beendet hat, wird aus seinem 30-Stunden-Job als Controller bei der in Neuss ansässigen Firma Pierburg eine Vollzeitstelle.

Bis dahin ist büffeln angesagt. Am Mittwoch zum Beispiel steht an der Uni eine Klausur mit Fragen zum prickelnden Thema "Investment" auf dem Stundenplan. Gut möglich also, dass die Elephants heute - den Sieg im Topspiel vorausgesetzt - bei der Heimfahrt aus Münster auf eines ihrer größten Partybiester verzichten müssen. "Ich weiß nicht, ob ich da so eskalieren werde", sagt Kruchen grinsend. Schließlich sagt eine alte Volksweisheit: "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps."

Quelle: NGZ
 
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