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Lokalsport
Der erste "Derbysieg" für den großen Bruder

Grevenbroich. Hausherr Frederic Tillmann drückt Gut Neuhaus Indoors seinen Stempel auf, doch Marc Boes gewinnt den Großen Preis Von Mareike Roszinsky

"Ich glaube ja, der Sieg bleibt heute Abend nicht im Rheinland." Diese Prognose stellte ausgerechnet Derbysieger Gilbert Tillmann zum 2. Hallenderby am Samstagabend bei den Gut Neuhaus Indoors. Doch wie so oft im Sport: Unverhofft kommt oft und auch die besten Experten liegen daher mal falsch.

Denn der Sieg in dem S** mit Stechen blieb sogar auf Gut Neuhaus. Allerdings nicht beim Derby-Spezialisten, sondern bei seinem Bruder. Frederic Tillmann holte sich in einem hoch spannenden Springen seinen ersten Derbysieg überhaupt. Und das bei seinem ersten Turnier nach mehrmonatiger Reitpause wegen einer Knieoperation. Auf dem elfjährigen Schimmel Oreal Des Etains Z gelang dem 36-Jährigen direkt als erster Reiter eine Nullrunde. Dann mussten die rund 2000 Zuschauer allerdings lange auf den nächsten "Nuller" warten.

Der Kurs, dem Hamburger Derby nachempfunden, bot viele Tücken, an denen Reiter und Pferde scheiterten. Nur einem weiteren Paar gelang das Kunststück, fehlerfrei zu bleiben: Jaqueline Hintzen (RC Gut Neuhaus) auf dem Schimmelwallach Claus Dieter. Die Amazone, auf Gut Neuhaus als Bereiterin tätig und Freitagabend mit dem Goldenen Reitabzeichen dekoriert, lieferte eine geniale Runde auf dem sprunggewaltigen Holsteiner aus dem Besitz des Zuchthof Claren ab - damit war das Stechen sicher. Tillmann musste zuerst in den Parcours. Er schlug fast den falschen Weg auf Sprung sechs ein, rettete den Patzer zwar gekonnt, kassierte aber einen Abwurf. Damit hatte Jaqueline Hintzen es in der Hand. Sie wollte den mächtigen Schimmel auf Nummer sicher reiten und unbedingt fehlerfrei bleiben, doch am vorletzten Hindernis berührte Claus Dieter mit den Vorderhufen leicht eine Stange. Die fiel, und weil das Paar langsamer war als Frederic Tillmann, gab es Silber. "Wahnsinn, das ist mal ein toller Einstand nach meiner Verletzungspause", freute sich der Sieger, der erst seit kurzem im Sattel von Oreal Des Etains Z sitzt, der bereits unter der Schwedin Linn Zakariasson internationale Erfolge sammelte. "Bei dem Springen war eine tolle Stimmung, als ich geritten bin, hätte man eine Stecknadel fallen hören können, so gespannt haben alle zugeschaut", so der Sieger. Dass ausgerechnet Gilbert Tillmann im Hallenderby leer ausging, störte ihn selbst wohl am wenigsten. Zwei Abwürfe hatte er mit seinem Hadjib kassiert, "das passiert eben", nahm er es gelassen. Konnte er auch, immerhin hatte er auf dem Schimmel AB 19 Mahabone bereits das Mächtigkeitsspringen am Freitagabend gewonnen.

Stattdessen waren die 12. Gut Neuhaus Indoors das Turnier des Frederic Tillmann. Er gewann schon am Freitag das Zeit-S* auf AB 19 Beter, einem elfjährigen niederländischen Wallach. Und auch im S* mit Stechen am Samstagnachmittag triumphierte das Paar, das damit in die Favoritenrolle für den Großen Preis galoppierte. Doch ausgerechnet im schwersten Springen des Turniers am Sonntagnachmittag (S** mit Siegerrunde) lief es für den Pferdewirtschaftsmeister nicht optimal. Stattdessen lieferte Marc Boes ein Meisterstück ab. Der gebürtige Belgier, seit vielen Jahren schon im Rhein-Kreis zuhause und für den RFV Liedberg im Sattel, ist derzeit hocherfolgreich. Ihm gelang das Kunststück, gleich mit zwei Pferden in die Siegerrunde zu kommen: Sowohl auf dem zehnjährigen Braunen Gucci van de Grenshoeve als auch auf Bocelli bleib er im Umlauf fehlerfrei. In der Siegerrunde schlug sich der erfahrene wie stilistisch fein reitende Belgier dann selbst. Wieder blieb er mit beiden Pferden ohne Abwurf. Mit Gucci war er allerdings fast fünf Sekunden schneller als mit Bocelli. Die Konkurrenz kam an diese Zeiten nicht heran: Boes siegte auf Gucci und wurde Zweiter auf Bocelli. "Beide Pferde sind sehr gut gelaufen - ich bin zufrieden", konstatierte der Liedberger. "Der Große Preis war ein toller Abschluss der Indoors", konstatierte Hofherr Friedhelm Tillmann.

Quelle: NGZ
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