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Sportgeschichten (105)
Der nette Junge von der Sportschau

Sportgeschichten (105): Der nette Junge von der Sportschau
FOTO: Heinz J. Zaunbrecher
Neuss. Alexander Bommes ist ein Fernsehstar - doch der 41-Jährige wirkt noch genau so wie zu der Zeit, als er bei Bayer Dormagen Handball spielte. Von Volker Koch

Dormagen Thiel, Kurth, Nowakowski, Bedzikowski, Kottwitz, Boeriths, Sighvatsson, Mast, Hafthorsson, Bernau, Gilsson, Rigault. Alexander Bommes spult die Namen ab, als habe er sie für seine nächste Moderation in der "Sportschau" auswendig gelernt.

Dabei handelt es sich keineswegs um die Mannschaftsaufstellung eines aktuellen Fußball-Bundesligisten. Sondern um die Namen derjenigen, mit denen Alexander Bommes in seiner ersten Saison beim TSV Bayer Dormagen Handball spielte.

Das ist 18 Jahre her. Doch Alexander Bommes hat alles so präsent, als wäre es vorgestern gewesen. Sein erstes Spiel im Bayer-Trikot zum Beispiel: "Das war am vierten Spieltag. Bis dahin hatte ich nur auf der Bank gesessen, außerdem war ich in der Woche krank. Am Freitag riefen sie mich an, dass ich trotzdem zum Training kommen müsste, Robert Nowakowski habe sich verletzt." Bommes kam zum Training, Bommes lief tags darauf gegen den ThSV Eisenach auf - und sicherte sich seinen Platz in der Dormagener Handballgeschichte, denn in der Schlussminute erzielte er das entscheidende Tor zum ersten Sieg nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga.

Alexander Bommes weiß noch, wie: "Ich kam von der Bank, habe einen Pass von Karsten Wöhler abgefangen und das Ding reingemacht." Der Rest war Jubel in der Dreifachhalle an der Konrad-Adenauer-Straße, von Martin Schwalb ein paar Jahre zuvor liebevoll "Schweinehalle" getauft.

Alexander Bommes hätte sie gerne besichtigt bei seinem Kurzbesuch in Dormagen am vergangenen Freitag, als Gast von Detlev Zenk und Wolfgang Link in der "Tork-Show". Doch die Eingangstür war verschlossen. "Vielleicht war das ganz gut so", sinniert Bommes, "ich habe hinterher erfahren, dass sie komplett umgebaut worden ist. Und ich komme langsam in ein Alter, wo man sich mit Veränderungen schwer tut."

Bommes wird im Januar 42 Jahre alt. Doch er sieht noch genau so aus wie in seinen besten Handballjahren. Zwei davon verbrachte er in der "Schweinehalle", und sie "haben mich geprägt", sagt er heute, "mit 23 war ich ja eigentlich ein Späteinsteiger, aber die anderen Spieler waren schon respekteinflößend." Vor allem Andreas Thiel, damals als 39-Jähriger auf der Zielgeraden seiner langen Torhüterkarriere. Der "Hexer" habe seinen Wechsel nach Dormagen eingefädelt, sagt Bommes, "damit er einen hatte, mit dem er über Jura sprechen konnte und der all die Geschichten über seine Heldentaten noch nicht kannte."

Andreas Thiel war mal der bekannteste deutsche Handballer. Alexander Bommes dürfte heute der bekannteste deutsche Ex-Handballer sein. Zumindest, was die Einschaltquoten betrifft. Da hat er Stefan Kretzschmar spätestens mit seiner Berufung zum Sportschau-Moderator vor zwei Jahren überholt. Außerdem ist er Gastgeber im "Sportschau-Club", moderiert die inzwischen auch im Ersten laufende Quizsendung "Gefragt, gejagt" und hat mit Bettina Tietjen seine eigene Talkshow "Bettina und Bommes".

Der 41-Jährige ist der Liebling der Publikumszeitschriften. HörZu, Gala und Bild der Frau berichten seitenweise über ihn, die Trennung von Julia Westlake, mit der er zwei Söhne namens Jonathan und Benjamin hat, sorgte im vergangenen Jahr für Schlagzeilen wie bei einem Popstar. Doch Alexander Bommes ist völlig "normal" geblieben. In Dormagen schüttelt er jedem die Hand, an den er sich aus seinen Handballtagen erinnert, hält mit jedem ein Schwätzchen. Seinen kometenhaften Aufstieg binnen eines Jahrzehnts vom Volontär des "Hamburg Journals" bis zum Sportschau-Moderator kommentiert er mit den Worten: "Man muss sagen, dass ich sehr viel Glück gehabt habe."

Glück, dass er im Moment "einfach nur genießen" möchte: "Ich bin maximal happy momentan", sagt er - man ist geneigt, ihm zu glauben. Dann kommt wieder so ein typischer Bommes-Satz: "Manchmal muss man sich auch mit dem Guten abfinden." Den hat er nicht fürs Fernsehen einstudiert, so war Alexander Bommes schon immer. "Früher hat er auf den Auswärtsfahrten immer die Videos live kommentiert und wir haben uns krank gelacht", erinnert sich Joachim Kurth. Heute moderiert er die Sportschau, sieht sich aber nicht als "Star", sondern als Teil eines Teams: "Das muss funktionieren, das habe ich im Handball gelernt." Von 1999 bis 2001 auch in Dormagen.

Quelle: NGZ
 
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