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Der VfR 06 Neuss lebt

Lokalsport: Der VfR 06 Neuss lebt
FOTO: Woitschützke Andreas
Neuss. 300 Zuschauer sehen in Reuschenberg ein Fußballspiel der Kreisliga C. Sportlich denkt der Neusser Traditionsverein in ganz kleinen Schritten. Von Christos Pasvantis

Es ist Sonntag und die Sonne beschert den Zuschauern im Neusser Südpark einen goldenen Herbstnachmittag. Gut 300 von ihnen haben sich zusammengefunden, um in der niedrigsten Spielklasse das Kreisliga-C-Spiel zwischen dem TuS Reuschenberg und dem VfR 06 Neuss anzuschauen. Die meisten sind freilich wegen der Gäste gekommen. Ab und zu schlägt eine Trommel, dann ertönt ein langgezogenes "VfR!". Der Traditionsverein, dessen jüngere Geschichte wie die weniger anderer Klubs von Insolvenzen, Unregelmäßigkeiten, Präsidenten-Alleingängen und totalem Misserfolg auf allen Ebenen geprägt ist und der den Spielbetrieb eigentlich eingestellt hatte, lebt noch. Und nach dem 4:1-Sieg im "Spitzenspiel" befindet er sich auf dem besten Weg zum Aufstieg.

"Wir versuchen hier, langsam etwas aufzubauen", sagt Yildirim Yilmaz, der als Vorsitzender seit Beginn dieses Jahres die Geschicke des VfR leitet. Der 36-jährige freut sich über die positive Resonanz der Zuschauer: "Das sieht im Moment immer besser aus. Die Leute kommen wieder und unterstützen uns." An dieser Stelle muss man natürlich klar trennen zwischen dem Verein, der sich in der jüngst mal wieder neu aufgestellt hatte, und seinen Zuschauern. Einige von ihnen sind Hartgesottene, die ihrem VfR 06 seit den glorreichen Regionalligazeiten die Treue gehalten haben, ein Großteil ist sicherlich auch Eventpublikum, das auf der Suche nach einem unterhaltsamen, kurzweiligen Fußballnachmittag ist. Den bekommt es auch: Es wird gelacht, getrunken, geschrien, diskutiert, Stimmung und Spiel sind hitzig. Genau das ist es, was den Reiz dieses Vereins immer noch ausmacht - und genau das ist es auch, was aktuell kein anderer Fußballklub in der Umgebung bieten kann.

"Der Name ,VfR' ist der einzige, der hier im Rhein-Kreis wirklich noch Zuschauer anziehen kann", sagt der Fußballkreisvorsitzende Dirk Gärtner, der ebenfalls gekommen ist. Nun sind 300 Zuschauer nicht die Welt und liegen immer noch deutlich unter den im Vorfeld angepeilten 500. Trotzdem sind sie ein Vielfaches von dem, was alle anderen Vereine des Rhein-Kreises bis hinauf in die Landes- und Oberliga zuletztmobilisieren konnten - und das bei einem Hinrundenspiel der Kreisliga C.

Vorwärts VfR: Die Unterstützung der treuen Anhänger ist den Neussern auch in der Kreisliga C sicher. Rund 300 Zuschauer kamen vor allem der Gäste wegen in den Reuschenberger Südpark. Die Mannschaft um Musa Yesilbag (oben) dominierte die Partie, gewann mit 4:1 und befindet sich schon jetzt ganz klar auf Aufstiegskurs in Richtung Kreisliga B. FOTO: A. Woitschützke

Die Mannschaft des VfR ist zwangsläufig ein zusammengewürfelter Haufen, zusammengebracht durch die Kontakte von Yilmaz. Fast alle Spieler haben schon in der Bezirksliga oder höher gekickt. Justin Akhtar, Senol und Selcuk Eren spielten beim SV Uedesheim genauso auf Oberliga-Niveau wie Ferhat Yildiz beim SC Kapellen. Dementsprechend dominieren die Neusser die Liga, in der Vorwoche haben sie Stürzelberg mit 21:2 vom Platz gefegt. Würden all diese Spieler in der kommenden Saison woanders auf Torejagd gehen, würde das aber wohl auch niemanden überraschen.

Was dem VfR fehlt, um wirklich etwas aufzubauen, ist eine Heimat. Seit dem Abriss des altehrwürdigen Stadions an der Hammer Landstraße kommt man beim BV Weckhoven unter. Aktuell besteht der Verein nur aus einer ersten und einer zweiten Mannschaft, die auf der Vereinshomepage - hoffentlich mit einer gesunden Portion Selbstironie - als "Perspektivmannschaft" bezeichnet wird. Eine Jugendabteilung und damit ein richtiges Vereinsleben gibt es nicht. Weil der Verein in der Stadtpolitik - zu Recht - längst sämtlichen Kredit verspielt hat, gestaltet sich die Suche nach einem neuen Zuhause schwierig. Aktuell schiele man laut Yildirim auf das Jahnstadion und sei sich mit der dort ansässigen DJK Novesia über eine Kooperation einig. Dieser VfR ist einfach nicht kaputtzukriegen.

Quelle: NGZ
 
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