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Die 15. Tour de Neuss ist ein echter Höhepunkt

Lokalsport: Die 15. Tour de Neuss ist ein echter Höhepunkt
Das Siegerbild der 15. Tour de Neuss: (v.l.) NRV-Geschäftsführer Heinz-Josef Hegger, "Schatzmeister" Peter Ritters, Nikias Arndt (Zweiter in Neuss), Dominik Bauer (1.), Fränk Schleck (3.), NRV-Vorsitzender Stephan Hilgers und der 2. Vorsitzender Barthel Winands. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Gemeinsam mit rund 12.000 begeisterten Zuschauern feiert der Neusser Radfahrerverein von 1888/09 ein faszinierendes Sportfest. Von Dirk Sitterle

Fränk Schleck war ehrlich. Nach drei Wochen und 3519 Kilometern Tour de France hätte der Luxemburger am Sonntag nach der letzten der insgesamt 21 Etappen auf dem Pariser Prachtboulevard Champs-Elysées die müden Beine am liebsten hochgelegt. Stattdessen setzte sich der 36-Jährige, der die Frankreich-Rundfahrt 2011 als Dritter auf dem Treppchen abgeschlossen hatte, ins Auto und folgte der "freundlichen Einladung" des bei der Tour de Neuss für die Verpflichtung der Fahrer zuständigen Andreas Kappes, um sich auf einem insgesamt 80 Kilometer langen Rundkurs mit Start und Ziel auf der Kaiser-Friedrich-Straße gemeinsam mit 44 Kollegen mächtig ins Zeug zu legen.

Eine gute Entscheidung. Zum einen schaffte Schleck als Dritter den Sprung aufs Siegerpodest, zum anderen war er mit seinem kraftvollen Auftritt Teil eines energiegeladenen Abends, den die 12.000 Zuschauer an der Strecke so schnell nicht mehr vergessen dürften. Und genau daraus schöpfte selbst ein erfahrener Profi wie der Luxemburger neue Motivation. "Mögen die Beine auch schwer sein, wir fühlen uns den vielen Radsportfans verpflichtet. Ich möchte das Publikum nicht missen und ihm Freude bereiten."

Stolz: Trainer Hans-Peter Nilges mit seinem Schützling Dominik Bauer, dessen Husarenstreich er schon knapp zwei Wochen vor dem Rennen angekündigt hatte. FOTO: Woitschützke Andreas

Dass es für ihn nach einem rasanten Rennen - auf kurvigem Kurs benötigten die knackigen Pedaleure lediglich 1:40,27 Stunde für die geforderten 80 Runden -, nicht zum Sieg reichte, grämte Schleck darum nicht sonderlich. Ganz im Gegenteil: "Ich bin sehr zufrieden, auch weil wir hier vor einem super Publikum fahren durften." Das hatte natürlich seinen Spaß am Husarenritt von Dominik Bauer. Das 18 Jahre alte Talent aus Rosellerheide trotzte mit seinem Triumph rotzfrech allen Prognosen der staunenden Experten. Der von Trainer Hans-Peter Nilges beim VfR Büttgen ausgebildete und nun unter ihm auch für den RSC Rheinbach tätige Nachwuchsmann war in Neuss in den entscheidenden Phasen des von Anfang an enorm temporeichen Rennens zur Stelle: Er bildete ab Runde 36 gemeinsam mit den gestandenen Profis Christian Knees, Emanuel Buchmann, Ben Gastauer und Robert Wagner eine Ausreißergruppe, die ab Runde 49 von Fränk Schleck, Philipp Mamos, Jasha Sütterlin und Nikias Arndt vervollständigt wurde. Damit blieben für Vorjahressieger Paul Voss (Bora-Argon 18), am Vorabend beim Rundstreckenrennen "Die neue Nacht von Hannover" hinter André Greipel, Marcel Kittel, und Nikias Arndt noch guter Vierter, seinem Stallkollegen Andreas Schillinger (siegte 2014 in Neuss) und dem ehemaligen Büttgener Sven Thurau (jetzt RSC Rheinbach), der vor einem Jahr in Neuss als Vierter zum kämpferischsten Fahrer gekürt worden war, diesmal nur Nebenrollen. Zunächst nahmen die kurzzeitig auf bis zu 46 Sekunden enteilten Nikias Arndt und Christian Knees dem Hauptfeld eine Runde ab, wenig später folgten ihre Mitausreißer.

Zehn Runden vor Schluss nahm die Jury alle überrundeten Fahrer aus dem Rennen, den Spurt des Hauptfeldes gewann der alte Fuchs Stefan Parinussa (42) vom Dauner Cycling-Team. Die Bühne gehörte nun ganz den neun Ausreißern. Die unterhielten das verzückte Publikum fortan mit fiebrigen Attacken: Mal sprangen Bauer und Gastauer beherzt davon, dann versuchten Schleck und Mamos ihr Glück. Die beiden gingen schließlich auch mit Emanuel Buchmann, als 21. bester Deutscher bei der Tour der France, Dominik Bauer und Nikias Arndt zu einer Führungscrew, die den Sieg unter sich ausmachte.

Die beiden aktivsten Fahrer bei der Arbeit: Dominik Bauer (r.) und Routinier Christian Knees, der in Neuss zum 13. Mal am Start war, an der Spitze des Feldes. FOTO: Woitschützke Andreas

Dass Dominik Bauer die versammelte Profi-Elite in der letzten Kurve mit einer halsbrecherischen Aktion auf dem falschen Fuß erwischte, überraschte alle - bis auf Nilges. Der 62-Jährige hatten seinem vierköpfigen Team nämlich schon vor knapp zwei Wochen die klare Order erteilt, entweder Sven Thurau oder Dominik Bauer aufs Podium zu bringen. Der Angriff des 18-Jährigen war darum ganz nach seinem Geschmack: "Der frisst Dreck und ist unglaublich hart gegen sich selbst." Auch Arndt, der am Ende wie im Vorjahr Rang zwei belegte, zollte dem Überraschungssieger großen Respekt: "Unfassbar, mit welchem Tempo er in die letzte Kurve hineingefahren ist. Natürlich kann niemand sagen, wie es mit ihm weitergeht, aber er ist auf einem guten Weg." Gleichzeitig blickt er schon jetzt hoffnungsfroh auf die nächsten Auflagen der Tour de Neuss: "Heute bin ich erstmal ein bisschen enttäuscht, aber ich kann ja noch ein paar Jahre kommen." Knees, der bei seinem 13. Auftritt in Neuss zum kämpferischsten Fahrer gekürt wurde, haderte als Einzelkämpfer ein wenig mit seinen Kollegen: "Die Zusammenarbeit im Feld war nicht immer die beste. Jeder hat halt seine eigenen Interessen."

Derweil bewahrt Bauer, Auszubildender im Vermessungsbüro Neuenhausen in Gnadental, trotz des noch frischen Ruhms Bodenhaftung: "Beruf und Ausbildung gehen vor." Ein guter Junge.

Quelle: NGZ
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