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Lokalsport
Die beste Mannschaft der (Fecht-)Welt

Lokalsport: Die beste Mannschaft der (Fecht-)Welt
Goldjungs aus Dormagen: (v.l.) Matyas Szabo, Richard Hübers, Benedikt "Peter" Wagner und Max Hartung präsentieren nach dem Sieg im Finale über Italien lachend ihre EM-Medaillen. FOTO: JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Dormagen. Die deutschen Fußballer mögen Weltmeister sein, aber die Säbelfechter des TSV Bayer Dormagen sind sogar noch einen Schritt weiter: Mit ihrem Titelgewinn bei den Europameisterschaften in Montreux machten sie das Double perfekt. Von Dirk Sitterle

Am Dienstagabend traf sich die "Fechterfamilie" des TSV Bayer Dormagen im Vereinsrestaurant "Zeitlos" am Höhenberg, um in kleinem Kreis eine Europameisterschaft Revue passieren zu lassen, wie sie erfolgreicher hätte fast gar nicht laufen können: Gold mit der Mannschaft, Silber im Einzelwettbewerb durch Max Hartung, dazu drei weitere Plätze in den Top 12. Eine traumhafte Ausbeute und für den daran ebenso wie die Bundestrainer Vilmos Szabo, Dan Costache und Eero Lehmann maßgeblich beteiligten TSV-Fechtkoordinator Olaf Kawald die Bestätigung, "dass wir mit dem Herren-Säbel im Moment die Paradedisziplin im Deutschen Fechter-Bund sind."

Max Hartung, Matyas Szabo, Benedikt Wagner, Richard Hübers und der in Montreux nur im Einzel eingesetzte ehemalige Weltmeister Nicolas Limbach sind als Team aktuell das Nonplusultra auf der Welt, was Kawald freilich auch ein wenig wehmütig stimmt. Denn im nächsten Jahr bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro werden in der Säbelkonkurrenz keine Medaillen vergeben. 2012 in London hatten seine Jungs, die sich vor knapp zwölf Monaten im russischen Kasan die WM-Krone aufsetzten, nur Rang fünf belegt, "aber ich habe immer gesagt, dass diese Spiele vor allem für Max Hartung und Benedikt Wagner einfach zwei Jahre zu früh gekommen sind - sie sind jetzt erst im Zenit ihres Könnens." Nimmt er die Qualifikationsrangliste zur Hand, weist die aktuell Hartung (Rang vier) und Matyas Szabo (5.) als Olympia-Fahrer aus. Relativ sicher können sich am Ende nur die besten 14 der Weltrangliste sein. Für Deutschland stehen im Säbel lediglich zwei Plätze zur Verfügung - selbst dann, wenn am Ende drei Fechter des DFB unter den Top 14 zu finden wären. "Aber jammern bringt nichts, es muss ja weitergehen", sagt Kawald.

Und das geht es: Bereits am Sonntag brechen Richard Hübers, Robin Schrödter, Anna Limbach (alle Dormagen) sowie der ebenfalls am Höhenberg trainierende Maximilian Kindler (TSG Eislingen) gemeinsam mit Björn Hübner (FC Tauberbischofsheim) zu den Europaspielen in Baku/Aserbaidschan auf. Am 3. Juli beginnt im südkoreanischen Gwangju die 28. Sommer-Universiade. Unter den 120 vom Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband (adh) nominierten studentischen Spitzenathleten befinden sich in Tom Möller, Benno Schneider und Frederik Koch auch drei Fechter des TSV. Die Olympiakandidaten um Nico Limbach (zurzeit in den USA) und Benedikt Wagner, der in Montreux beim 45:44-Sieg im letzten Gefecht des Finales gegen den Italiener Aldo Montano 15 Sekunden vor Ende der reinen Kampfzeit noch mit 42:44 zurückgelegen hatte, machen sich am 10. Juli nach Moskau auf, wo vom 15. bis 22. Juli die Weltmeisterschaften auf dem Programm stehen. Nicht ganz leicht, da den Überblick zu behalten. "Wir beschäftigen uns im Moment fast nur noch mit der Koordination", stöhnt Kawald, "ich weiß manchmal echt nicht mehr, wo unsere Fechter gerade sind."

In Moskau geht es nicht nur um Titel, sondern auch um viele Qualifikationspunkte für Rio. Die tolle EM ist dann schon fast wieder vergessen, wenngleich sie "für unser Image und unser Auftreten natürlich wichtig war", sagt Kawald. Und selbstbewusst hat sie ebenfalls gemacht: "Wir sind die Nummer eins der Welt", stellt Wagner klar.

Quelle: NGZ
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