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"Die Mannschaft muss das selbst lösen"

Tsvbayerdo: "Die Mannschaft muss das selbst lösen"
Der Trainer kann nur die Richtung anzeigen, den Weg aus der Krise müssen die Spieler selber finden, meint Jörg Bohrmann. FOTO: Heinz J. Zaunbrecher
Neuss. Dormagens Trainer Jörg Bohrmann über die Gründe für die Krise beim Handball-Zweitligisten und seine Lösungsansätze. Von Volker Koch

Dormagen Sein Zorn, der sich am Freitagabend nach der 21:28-Pleite bei Eintracht Hagen in harscher Kritik - "was wir hier teilweise abgeliefert haben, hatte mit Bundesliga-Handball nichts mehr zu tun" - entlud, ist noch lange nicht verraucht. Dennoch ist Jörg Bohrmann in der ersten Übungseinheit nach dem Debakel wieder zur gewohnten Sachlichkeit zurückgekehrt: "Wir haben sehr viele Gespräche geführt, die Mannschaft hat viel Selbstkritik geübt", sagt der Trainer des TSV Bayer Dormagen im Rückblick auf Montagabend. Im Gespräch mit unserer Redaktion sucht der 47-Jährige nach Gründen für die Krise beim Handball-Zweitligisten und verrät, wie er sie meistern will.

Herr Bohrmann, wie ist es mit ein paar Tagen Abstand zu der 21:28-Niederlage in Hagen um Ihren Gemütszustand bestellt?

Jörg Bohrmann Ich war und bin auch immer noch ziemlich enttäuscht, vor allem darüber, dass wir das Spiel am Ende komplett aus der Hand gegeben haben. Und das gegen einen Gegner, der an diesem Abend auch nicht gut war - aber wir waren noch schlechter,

Haben sich Ihre Spieler nach den zwei Siegen zum Saisonauftakt und dem vielen Lob, dass sie anschließend für die knappen Niederlagen "auf Augenhöhe" bekommen haben, vielleicht zu sicher gefühlt?

Bohrmann Ganz bestimmt nicht. Wenn Sie mit "sicher fühlen" meinen, dass irgendwer aus meiner Mannschaft gedacht hat, wir könnten Hagen mal eben so wegputzen - also, das schließe ich ganz klar aus, daran hat es am Freitagabend ganz bestimmt nicht gelegen.

Aber irgendwo müssen die Gründe dafür, dass Ihre Spieler innerhalb von sechs Tagen mit dem 25:30 gegen den TV Emsdetten und dem 21:28 in Hagen ihre beiden schwächsten Saisonspiele abgeliefert haben, ja liegen.

Bohrmann Wir machen einfach zu viele Fehler, und das vor allem im Angriff. Wir geben die Bälle aus der Hand oder werfen sie einfach neben das Tor - das war schon gegen Emsdetten so, und das war in Hagen noch schlimmer. Das verunsichert dann auch die Abwehr, die ja eigentlich gar nicht so schlecht gestanden hat. Das Problem ist aber, dass wir nachher gar nicht mehr dazu gekommen sind, die Deckung zu formieren, sondern durch die Fehler vorne immer wieder einfache Tore aus der ersten oder zweiten Welle kassiert haben.

Wie wollen Sie das Problem lösen?

Bohrmann Die Mannschaft muss das selbst lösen. Deshalb haben wir am Montag auch lange zusammen gesessen und viel miteinander gesprochen. Es geht darum, Lösungen zu finden, die wir zusammen umsetzen, damit wir im Angriff wieder zu einer gewissen Sicherheit finden. Ich habe den Jungs gesagt, dass sie selbst auch solche Lösungen aufzeigen sollen, und ich hatte den Eindruck, dass sie sich wirklich bemühen, das zu tun.

Glauben Sie wirklich, dass das funktioniert? Sie haben ja auch vor den beiden letzten Spielen immer von "gutem Training" und "guter Stimmung" gesprochen.

Bohrmann Glauben Sie mir, das ist auch so. Die Jungs schaffen es momentan aber nicht mehr, das gute Training auf die Platte zu bringen. Das ist so ähnlich wie in der Hinrunde der vergangenen Saison. Ganz ehrlich, ich hatte gedacht, dass wir in dieser Hinsicht etwas weiter sind, aber das scheint leider nicht der Fall zu sein.

Der Ausfall von Dennis Marquardt als Ihrem "verlängertem Arm" auf dem Spielfeld macht die Sache nicht einfacher. Haben Sie Ihren Kapitän für den Rest der Saison bereits abgeschrieben?

Bohrmann Das weiß ich nicht, da müssen wir erst noch weitere ärztliche Untersuchungen seiner Schulter abwarten. Heute in Rostock wird er auf keinen Fall dabei sein.

Gesetzt den Fall, Dennis Marquardt fällt für Monate oder gar für die gesamte Saison aus - müssen Sie da nicht personell nachlegen? Oder glauben Sie, Ihre Mannschaft ist in der Lage, einen solchen Ausfall als Kollektiv zu kompensieren?

Bohrmann Egal, wie lange Dennis ausfällt - ich hoffe, die Mannschaft rückt dadurch noch weiter zusammen. Und was eine eventuelle Nachverpflichtung anbelangt - die Frage ist doch: Finden wir jemand, der zu uns passt und uns wirklich weiterhilft, jemand, der in der Lage ist, Ruhe in unser Spiel zu bringen? Wenn ich mich auf dem Spielermarkt umschaue, sehe ich da auf Anhieb keinen. Wir sind ja nicht der einzige Verein mit Verletzungssorgen. Allerdings, das soll jetzt keine Ausrede sein, habe ich so viel Pech und Probleme mit Verletzungen und Krankheiten wie in dieser Saison in meiner ganzen Karriere noch nicht erlebt.

Was erwarten Sie unter diesen Vorzeichen von der heutigen Partie?

Bohrmann Dass wir zumindest eine ansprechendere Leistung bringen als zuletzt. Wozu das bei der Rostocker Heimstärke dann reicht, das müssen wir abwarten.

Quelle: NGZ
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