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Ngz-Sportlerin des Monats Mai Alexandra Höffgen
Die Powerfrau im Maschinenraum

Ngz-Sportlerin des Monats Mai Alexandra Höffgen: Die Powerfrau im Maschinenraum
Trainingseinheit auf dem Dortmund-Ems-Kanal: Alexandra Höffgen (Vierte v.r.) sitzt im Frauenachter auf Position drei. FOTO: privat
Neuss. Die 21 Jahre alte Ruderin des Neusser RV managt in souveräner Manier die sportliche Karriere und ihr Vollzeitstudium. Von Dirk Sitterle

Neuss Freizeit, das ist für Alexandra Höffgen im Moment kaum mehr als eine süße Erinnerung. Selbst ihre Mittagspausen verbringt die 21-Jährige im Auto. "Und so sieht es darin auch aus", sagt sie entschuldigend. Geschenkt. Wer Leistungssport mit einem Vollzeitstudium verbindet, hat wichtigere Dinge im Kopf. Finden wohl auch die Leser der Neuß-Grevenbroicher Zeitung, jedenfalls wählten sie die Ruderin des Neusser RV nach Platz vier im Frauenachter bei den Europameisterschaften in Posen zu ihrer "Sportlerin des Monats Mai". Das wiederum freut Alexandra Höffgen: "Cool, dass es geklappt hat."

Trotzdem. Glamourös ist das Leben der Kleinenbroicherin gerade gar nicht: Bereits um 7.15 Uhr steht auf dem Dortmund-Ems-Kanal direkt am Bundesleistungszentrum in Dortmund das erste Training auf dem Programm. Nach dem Powerfrühstück in der Stützpunkt-Mensa (9.15 bis 10 Uhr) geht es mit dem Auto weiter zur einer Viertelstunde entfernten Uni Dortmund, wo ihr im Maschinenbaustudium zurzeit unter anderem die Grundlagen der Wärmeübertragung vermittelt werden. Ab 14.15 Uhr ist sie wieder auf dem Wasser - und oft folgt darauf noch eine dritte Trainingseinheit mit Kraftübungen und Aerobic. Vor 19 Uhr ist an Feierabend eigentlich nicht zu denken. Ach ja, für die Uni pauken muss sie danach auch noch. "Oder einkaufen, und ab und zu muss ich auch mal mein soziales Leben pflegen", fügt sie lächelnd an. Sie wirkt dabei ganz entspannt, versichert: "So megastressig ist das jetzt nicht. Natürlich werde ich nicht in der Regelstudienzeit fertig, aber ich bin schon recht ambitioniert. Das klappt ganz gut."

Auch sportlich passt im Augenblick vieles zusammen. Der Kader für die Ruderweltmeisterschaften vom 30. August bis 6. September auf dem Lac d'Aiguebelette in den französischen Savoyen steht. "Ich sitze da schon relativ fest drin", bestätigt die ehemalige Zweitliga-Basketballerin. Auf der Position drei im DRV-Boot ist sie integraler Bestandteil des sogenannten Maschinenraums. Da rudern die für den Antrieb zuständigen Mädels - die Powerfrauen. Doch über den Erfolg einer Crew entscheiden alle. Aus diesem Grund fordert Bundestrainer Thomas Affeldt stets: "Alle sollten die gleiche Idee vom Rudern haben." Und auch Alexandra Höffgen hat längst erkannt: "Wenn man nicht zusammen rudert, bremst man extrem ab. Es nützt gar nichts, wenn du nur auf dem Ergometer stark bist."

Das große Ziel sind selbstverständlich die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016, doch bis dahin steht noch jede Menge Arbeit - sowohl im Sport (vom 19. bis 21. Juni trifft sich beim Weltcup in Varese/Italien die komplette Weltelite zu einer Standortbestimmung) als auch im Studium. Selbst in den beiden Trainingslagern in Dortmund und Ratzeburg werden die Studenten im Team die wenigen freien Stunden nutzen, um in die Bücher zu gucken. Für die 21-Jährige stehen Klausuren in den Fächern Physik und Mechanik an, die letzte Prüfung legt sie erst am Tag der Abreise zu den Weltmeisterschaften ab. In Frankreich könnte dann der Traum von Olympia schon in Erfüllung gehen. Für die direkte Qualifikation müsste der deutsche Frauenachter mindestens auf Rang fünf fahren. Eine Mammutaufgabe.

Erst nach der WM ist Erholung angesagt. "Drei Wochen frei - keine Uni, kein Training ..." So in etwa sieht für Alexandra Höffgen das Paradies aus.

Quelle: NGZ
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