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Lokalsport
Die Tour de France wirft schon ihre Schatten voraus

Büttgen. Beim "Spurt in den Mai" morgen Abend im Sportforum und am 1. Mai beim Straßenrennen stimmt sich Büttgen auf den 2. Juli ein. Von Volker Koch

Am Dienstag soll die "Skulptour de France", die von Dieter Patt geschaffene, mehr als zwei Meter hohe Silhouette eines Radsportlers, vor dem Sportforum an der Olympiastraße aufgestellt werden. Spätestens dann sollte auch der Letzte kapiert haben, dass sich in Büttgen wirklich alles ums Rad dreht in diesem Jahr.

Weshalb die Büttgener ihre Vorfreude auf den 2. Juli kaum noch zügeln können. Dann macht, von Neuss über die L381 kommend, die Tour de France einen Abstecher durchs Dorf. Die anfängliche Enttäuschung, dass es nicht ein paar Kilometer mehr geworden sind auf der zweiten Etappe von Düsseldorf nach Lüttich, ist längst einer Hochstimmung gewichen. "Eine einmalige Sache", sagt Franz-Josef Kallen. Der Vorsitzende des VfR Büttgen hat sich mächtig dafür ins Zeug gelegt, dass die Stadt Kaarst eine Bewerbung als Durchfahrtsort abgegeben hat. "Das Geld haben wir inzwischen beisammen", sagt er mit Blick auf die 50.000 Euro plus x, die dafür nötig waren. Zwar sei noch nicht alles auf dem Konto, "aber die verbindlichen Zusagen liegen vor." Und die zwei Vip-Tribünen auf dem Rathausplatz seien auch schon so gut wie ausgebucht, versichert Udo Hempel, der mächtig Dampf hinter den Kulissen der Initiative "Tour hautnah" macht. "Mehr, als manchem in der Verwaltung lieb ist - aber das ist gut so", meint Friedhelm Kirchhartz.

Der seit Januar im Ruhestand lebende frühere Vorstandsvorsitzende der NEW ist nahtlos in die Rolle seines vor zwei Jahren verstorbenen Vaters Peter Kirchhartz geschlüpft, "ohne den es das 'Radsportdorf Büttgen' nicht gäbe", sagt Kallen: Er hat kein offizielles Amt, zieht aber die Fäden im Hintergrund und sorgt dafür, dass der Laden läuft. "Das ist bei uns Familientradition", sagt der 65-Jährige, der auch als Gesamtleiter der beiden Radsporttage an diesem Wochenende mit dem "Spurt in den Mai" am Sonntagabend und dem Straßenrennen am 1. Mai diese Rolle spielt.

Friedhelm Kirchhartz ist selbst Rennen gefahren, wurde 1969 Deutscher Juniorenmeister mit dem Bahnvierer und ein Jahr später im 500-Meter-Zeitfahren, nahm drei Mal an Junioren-Weltmeisterschaften teil. Das unterscheidet die Büttgener "Tour hautnah"-Initiative von ähnlichen Unterfangen in den Nachbarstädten: Hier veranstalten Radsportler Radsport für Radsportler und Fans, hier geht es nicht um Geld und Geschäfte. Was von Sponsoren kommt, wird ohne Umweg ins Programm gesteckt.

Das gilt auch für den "Spurt in den Mai" und das Straßenrennen, die allen Unkenrufen zum Trotz bis heute überlebt haben. Die Bahnveranstaltung gibt es seit 1980, das Straßenrennen schon seit 1963. "Vom Etat und wegen der terminlichen Konkurrenz können wir mit den Großen der Branche nicht mithalten", gibt Kirchhartz freimütig zu. Dieses vermeintliche Manko wollen die Büttgener durch besondere Familienfreundlichkeit wettmachen: "Spitzensport auf der Bahn, Familienfest auf der Straße", bringt es der Sportliche Leiter Andreas Beikirch, der selbst 15 Mal den "Spurt in den Mai" und sieben Mal das Straßenrennen gewann, auf einen griffigen Nenner. Weshalb es Friedhelm Kirchhartz auch nicht stört, dass sich die größte Kulisse auf dem Rundkurs mit Start und Ziel an der Pampusschule dann einfindet, wenn die jüngsten Teilnehmer in den "Erste-Schritt-Rennen" an der Startlinie stehen - am Montag um 12.35 Uhr (Jahrgänge 2006 bis 2008), 14.15 Uhr (Jahrgänge 2009/10) und um 14.55 Uhr (Jahrgänge 2011 und jünger).

Trotz allem: Eine vollkommen heile Welt ist auch das "Radsportdorf" nicht: "Wir müssen um jeden Cent Sponsorengeld kämpfen", sagt Kirchhartz. Dass auch "Tour hautnah" für ihr Veranstaltungspaket am 2. Juli Sponsoren benötigt, sieht er nicht als Konkurrenz. Im Gegenteil, der Grand Départ in Düsseldorf habe Radsport doch erst recht zum Thema gemacht in der Region.

Da ist es nur selbstverständlich, dass "Tour hautnah" auch morgen und am 1. Mai im Sportforum und entlang der Rennstrecke Flagge zeigt: "Wir bauen Infostände auf und werben für unsere Veranstaltungen", kündigt Udo Hempel an. Schließlich soll am 2. Juli nicht alles vorbei sein, wenn die Tour-Karawane in vielleicht ein bis zwei Minuten durch den Ort gerauscht ist: Von 9 bis 18 Uhr soll das Programm dauern. Trotzdem stellt Andreas Beikirch mit Blick auf den 1. Mai und trockenem Humor fest: "Bei uns sehen sie die Fahrer länger."

Quelle: NGZ
 
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