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Lokalsport
Die Tour ist ein Glücksfall für die Region

Rhein-Kreis. Radsportexperten, Olympiasieger und aktive Radrennfahrer sind sich einig: Wenn der Rhein-Kreis Neuss seine Chance nutzt, lohnt sich das Abenteuer für die Menschen an Rhein, Erft und Kaarster See. Von Dirk Sitterle

Geburtstag hat Udo Hempel zwar erst am 3. November, doch sein Geschenk zum "70." bekam der Goldmedaillengewinner in der Vierer-Mannschaftsverfolgung bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München schon gestern. Bereits während der offiziellen Präsentation des Streckenplans in Paris erhielt der Büttgener "per SMS die verlässliche Information", dass die Tour de France 2017 auf dem Weg zur ersten Sprintwertung in Mönchengladbach auch die Stadt Kaarst passiert. "Das wird sich nachhaltig auf unsere Region auswirken und auch dafür sorgen, dass die Jugend wieder verstärkt den Weg zum Radsport findet", ist er überzeugt.

Ganz ähnlich sieht das Günther Schumacher, in München Teamkollege Hempels im deutschen Goldvierer auf der Bahn: "Was Besseres kann der Region doch gar nicht passieren - jetzt müssen wir nur was draus machen." Genau das haben die Kaarster, wo sich Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus neben den beiden heimischen Olympiasiegern in Franz-Josef Kallen, Vorsitzender des VfR Büttgen und des Trägervereins Sportforum Kaarst-Büttgen, sowie dem viermaligen Tour-de-France-Teilnehmer Markus Fothen absolutes Fachpersonal in ihr Kompetenzteam geholt hat, auch vor. "Wir wollen den Leuten einen Mehrwert bieten", sagt Hempel, der im vergangenen Jahr die Frankreich-Rundfahrt gemeinsam mit seinem Enkel über zwölf Tage vom Mont Ventoux bis Morzine begleitet hatte.

Wenn das größte Sportereignis der Welt jenseits von Olympia und Fußball-WM den Weg in seine Heimatstadt Neuss findet, lässt das natürlich, selbst im fernen Bogota/Kolumbien, auch Christoph Leuchtenberg, Radsportexperte des Sportinformationsdienstes (sid), nicht kalt. "Denn die Tour de France begleitet mich seit mehr als 30 Jahren durch meine Sommer. Zunächst als staunender Steppke vor dem Fernseher, dann als Fan in l'Alpe d'Huez oder am Mont Ventoux und schließlich als mitreisender und mitgerissener Schreiber." Er warnt jedoch vor unrealistischen Erwartungen: "Neuss wird nur eine Randnotiz im großen Ganzen der Tour 2017 werden, eine rund 15 Minuten lange Randnotiz. Neuss wird dadurch keinen Weltruhm erlangen, keine weltbewegenden Erlöse auf wie auch immer geartete Weise generieren."

Bei aller Freude, bei allem Stolz, auch Radsportler wie der beim VfR Büttgen ausgebildete Nils Schomber begegnen dem Besuch der großen Jungs nicht blauäugig. "Als ich die Summen gehört habe, die da im Raum stehen, musste ich schlucken. Dieses Event ist für eine so kleine Stadt wie Kaarst schon schwer zu stemmen." Der 22-Jährige, Starter bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro, wo er mit dem Bahnvierer des BDR in deutscher Rekordzeit Platz fünf belegte, setzt indes auf die Radsportbegeisterung im Rhein-Kreis: "Das Publikum wird da sein. Das wird super!" Da es für ihn nach dem unfassbaren Highlight Olympia in den nächsten Monaten nicht ganz so stressig zugehen dürfte - am Dienstag tritt er erstmal für acht Wochen bei der Bundeswehr an, bis zum nächsten Großeinsatz, der Bahnrad-WM in Hongkong (12. bis 16. April 2017) ist es noch eine ganze Weile hin - , könnte die Tour durch Kaarst für ihn durchaus zum Live-Erlebnis werden. "Ich habe schon vor, dann zu Hause zu sein, um mir das anzugucken."

Udo Hempel & Co. haben selbstverständlich ganz konkrete Pläne, welchen Weg das Peloton im nächsten Sommer nehmen soll. Dem offiziellen Tour-Beauftragten der Stadt Düsseldorf, Ex-Profi Sven Teutenberg, dessen Vater die Radsportler der SG Kaarst trainiert, ist längst ein priorisierter Streckenplan zugegangen. In dem kommt natürlich das Kaarster Rathaus vor."Und wenn es geht, wäre es ganz gut, wenn das Feld auch durch Büttgen kommt", sagt Hempel. "Und wenn dann noch ein kleiner Schlenker vorbei am Radsportzentrum möglich ist, wäre das natürlich der Hit."

Christoph Leuchtenberg empfiehlt Neuss, "den Tag zu genießen, sich herauszuputzen und ein buntes Radsport-Fest zu feiern. 2014 in England standen die Zuschauer auf nahezu den kompletten 550 Kilometern zwischen Leeds und London in Viererreihen am Straßenrand. Sollte Neuss nur ansatzweise diese Begeisterung transportieren, hat sich das Abenteuer gelohnt." Darüber hinaus hegt Günther Schumacher nur noch einen Wunsch: Der Tour-Tross möge doch an seinem Radsportgeschäft in Vorst vorbeifahren. "Dann gibt's für jeden einen Kaffee", verspricht er lachend.

Quelle: NGZ
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