| 00.00 Uhr

Lokalsport
Die Vorfreude auf Rio ist bei allen riesengroß

Ob Zika-Virus oder hohe Kriminalitätsrate - in den Augen der für Olympia qualifizierten Sportler steht vom 5. bis 21. August in Rio de Janeiro der Sport eindeutig im Vordergrund. "Bis zu dem Tag, an dem wir auf der Planche stehen, blenden wir alles aus", sagt der Dormagener Säbelfechter Matyas Szabo, der in Rio seine ersten olympischen Spiele erlebt. Von Volker Koch

Das bedeutet freilich nicht, dass er und seine Kollegen blauäugig an die Sache herangehen: "Natürlich hat Brasilien große Probleme", sagt Max Hartung, der als Siebter von London bereits über Olympia-Erfahrung verfügt. Doch der letztjährige WM-Dritte im Säbelfechten, der auch Aktivensprecher des Deutschen Fechterbundes ist und in der Athletenkommision des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sitzt, stellt gleichzeitig fest: "Das hatte Brasilien vor zwei Jahren auch. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass darüber im Vorfeld der Fußball-WM so viel berichtet worden ist wie jetzt vor den Olympischen Spielen." Für ihn ein weiterer Beleg, "dass der Fußball irgendwie über allem steht. Kritische Stimmen haben da keine Chance." Auch nicht die von Sportlern wie ihm, der angesichts der medialen Dauerpräsenz des Fußballs gerade während dieser EM-Tage sagt: "Ich gucke auch gerne Fußball und drücke Deutschland gleich die Daumen. Aber diese einseitige Fokussierung auf den Fußball nervt uns andere Athleten schon."

Hartung und Co. hoffen, mit guten Leistungen in der brasilianischen Metropole die anderen Sportarten wieder mehr in den Fokus zu rücken. "Zum Glück ist dann noch keine Bundesliga", sagt Säbel-Bundestrainer Vilmos Szabo mit Blick auf deren späten Saisonbeginn am 26. August. Vielleicht schaffen es seine Schützlinge bei einem Medaillengewinn dann auch ins "Aktuelle Sportstudio". Dort sollten die Dormagener Säbelfechter nach ihrem Weltmeistertitel 2014 auftreten - aber nur, falls einer der Fußball-Gäste abgesagt hätte. Was das Quartett dankend ablehnte ...

"Willy" Szabo hofft inständig auf eine Medaille. "Es wäre meine erste als Trainer", sagt der Dormagener, der in Rio seine achten (!) Olympischen Spiele als Aktiver, Obmann und Trainer erlebt. Dass "seine Jungs" diesmal nur chancenreiche Außenseiter sind - Max Hartung ist Achter, Matyas Szabo 25. - sieht der Bundestrainer als Vorteil an: "Nach Peking und London sind wir mit dem Weltranglistenersten gefahren und dann hat es nicht gereicht", sagt er über die Plätze neun und fünf des diesmal schon früh aus dem Rennen um einen Startplatz ausgeschiedenen Nicolas Limbach. Und wenn es nicht reichen sollte zu Edelmetall, ist der Weg nach Tokio auch nicht so lang: "Die Jungs sind ja alle noch jung", sagt Szabo, "und wir haben auch noch ein paar erstklassige Talente in der Hinterhand." Außerdem gehört 2020 im Gegensatz zu Rio der Säbel-Mannschaftswettbewerb wieder zum olympischen Programm.

So ein bisschen in die Zukunft schielt auch Nils Schomber. Der Grevenbroicher, "der im Herzen immer noch das Trikot des VfR Büttgen trägt", ist mit 22 Jahren der jüngste im Olympia-Quintett des Kreises. Die anderen, die in Rio die lange Durststrecke des deutschen Bahnvierers beenden sollen, sind im gleichen Alter. Deshalb will Schomber die aktuellen Erwartungen nicht zu hoch ansetzen: "Ich wäre schon zufrieden, wenn wir im Finale um Platz fünf ständen. Wenn es das um Platz drei würde, um so besser - das nehmen wir gerne mit."

Für ihn beginnt am Montag in Frankfurt/Oder der "Feinschliff", um am 11. und 12. August die optimale Form auf die Bahn des olympischen Velodroms bringen zu können. Die kennt Nils Schomber noch nicht. Die Säbelfechter, die sich ab Montag zwei Wochen in der Sportschule Hennef fitmachen, konnten bei der Team-WM Ende April die Bedingungen vor Ort schon einmal testen: "Die Wettkampfstätten sind super, an den Trainingsstätten und der übrigen Infrastruktur ist seither hoffentlich gearbeitet worden", schildert Max Hartung seine Eindrücke. Die kann Michael Faller nur bestätigen. Der Kampfrichter und einstige Bundesliga-Ringer des KSK Konkordia Neuss war im Frühjahr ebenfalls schon in Rio im Einsatz: "Ich denke, die Begeisterungsfähigkeit der Leute vor Ort wird einiges überspielen und dafür sorgen, dass die Spiele ein nachhaltiges Erlebnis werden." Für ihn auf jeden Fall. Denn mit seiner ersten Olympiateilnahme ist für ihn "ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich freue mich genauso darauf, wie ich mich als Aktiver darüber gefreut hätte." Weil er erst am 10. August anreist, kann er die Fechter nicht live erleben, hofft aber, "ich treffe euch tags darauf mit einer Medaille um den Hals im Olympischen Dorf." So sieht Teamgeist à la Rhein-Kreis aus.

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Lokalsport: Die Vorfreude auf Rio ist bei allen riesengroß


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.