| 21.28 Uhr

Lampefier
Die wahre Heimat ist die Sprache

Lampefier. War früher alles besser? Sicherlich nicht, sondern anders, einfacher, vielleicht auch gemütlicher. Fernsehen gab es noch nicht, Radios waren auch nicht überall vorhanden und überhaupt wurde häufig "jeder Fenne drei Mol ömjedrieht", bevor er ausgegeben wurde. Trugen ihren ganz erheblichen Teil zum guten Gelingen der gutbesuchten Glehner "Lampefier" in der Gaststätte "Alt Glehn" bei: (von links) Hans-Peter Menzen, Marianne Förster, Martha Lipges, Waltraud Delbeck und Andreas Humpesch. NGZ-Foto: H. Jazyk

Im Winter - zumal in der (damals noch tatsächlich stillen) Adventszeit - hockten die Familien in der warmen Küche zusammen, vor dem ordentlich gestochten Ofen, durch dessen leicht geöffnete Luke der Feuerschein flackerndes Licht in den dunklen Raum warf. Fast scheint es, als sei das Gemurmel noch zu hören, als "Papp" oder "Mamm" den lauschenden Kindern leise Geschichten und Märchen erzählten......

Wenn die Heimatfreunde Glehn sich zur traditionellen "Lampefier" versammeln, dann streift ein Hauch dieser längst vergangenen Zeit durch den Raum, als ein Unwort wie "Weihnachtsstress" noch nicht erfunden und der dörfliche Alltag von Originalen und kuriosen Begebenheiten geprägt war. Waltraud Delbeck, engagierte Vorsitzende der Heimatfreunde Glehn, hatte es am Samstagabend einmal mehr übernommen, mit einer wohldosierten Mischung aus rheinischem Mutterwitz und nötiger Ernsthaftigkeit durch ein gleichfalls zwischen humorvoll und besinnlich changierendes Programm zu führen.

Selbst Geschriebenes wechselte mit Rezitiertem, "Verzällches ut dem alde Jlähn" folgten auf Gedichte, und weihnachtliche Lieder, die Konrad Jordan gekonnt auf dem Akkordeon begleitete, rundeten den überaus gut besuchten Abend im liebevoll dekorierten Saal der Gastwirtschaft "Alt Glehn" stilecht ab. Ist zur "Lampefier" geladen, gibt sich natürlich auch die örtliche Prominenz ein Stelldichein. Allen voran Bürgermeister Heinz Josef Dick, der die urige Atmosphäre ebenso zu schätzen wusste wie der ehemalige Verlagsleiter der Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Alfons Kranz, und die überaus zahlreichen Vertreter der katholischen Geistlichkeit, angeführt von Pastor Michael Tewes, um nur einige wenige zu nennen.

Dass bei einer ordentlichen "Lampefier" selbstverständlich auch das heimische "Platt" nicht zu kurz kommen darf, versteht sich von selbst. "Die wahre Heimat ist die Sprache", hatte Waltraud Delbeck, die seit 20 Jahren an der Spitze der Heimatfreunde steht und am Ende der gut zweieinhalbstündigen Veranstaltung entsprechend gewürdigt wurde, zu Beginn vorausgeschickt. Und dass "dat Platt" in Glehn "noch net ongerjejange es", wurde immer wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

So wie beispielsweise in dem Beitrag von Marianne Förster über jene Familie, die sich drei Autos leistete, um einerseits trotz nicht vorhandener Fahrkenntnisse im ruhenden Gefährt täglich ein Stündchen Probe zu sitzen und andererseits den Glehnern damit zu zeigen, dass man geerbt hatte und sich solch scheinbar überflüssigen Luxus somit nun einmal gönnen konnte. Oder die Geschichten und Anmerkungen von Hans Peter Mentzen: Wer bei der "Lampefier" dabei war, weiß nun, warum das Jesuskind in der Krippe lacht.

Wer zu Hause geblieben war, sollte sich ärgern. Denn der versäumte eine rundum gelungene Veranstaltung, bei der neben Marianne Förster und Hans Peter Mentzen auch Andreas Humpesch, Achim Schröder sowie eine stattliche Abordnung Kleinenbroicher ihren Teil zum prächtigen Gelingen der adventlichen Feier bei Kerzenschein beitrugen. Simon Hopf

Quelle: NGZ
 
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