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Die Wanderer zwischen den Hockey-Welten

Lokalsport: Die Wanderer zwischen den Hockey-Welten
Am fehlenden Zusammenhalt liegt es sicher nicht, dass der HTC Schwarz-Weiß Neuss auf dem Feld und in der Halle nur noch geringe Aussichten auf einen Verbleib in der Hockey-Bundesliga besitzt. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Zu schwach für die Erste, zu stark für die Zweite Liga - beim HTC Schwarz-Weiß Neuss droht das zu einem Dauerzustand zu werden.. Von Volker Koch

Eigentlich sollten solche Ergebnisse Mut machen. Weil in Neuss ein Training in der Halle erst am Ende dieser Woche möglich war, vereinbarten die Hockeyspieler des HTC Schwarz-Weiß Neuss ein Testspiel beim Kahlenberger HTC - und setzten sich dort ungefährdet mit 12:8 durch.

"Und die Kahlenberger führen die Tabelle der Zweiten Liga mit fünf Punkten Vorsprung an," sagt HTC-Teammanager Stefan Busse. Er sagt das nicht aus Überheblichkeit. Sondern um das ganze Dilemma des Neusser Herrenhockeys aufzuzeigen: Die Schwarz-Weißen sind, egal ob in der Halle oder auf dem Feld, zu schwach für Liga eins, aber zu stark für das Unterhaus. Mit jeweils nur einem Zähler zieren sie draußen wie drinnen das Tabellenende der Ersten Liga, gegen die Spitzenmannschaften sind sie kaum konkurrenzfähig - aber meist besser als die Aufstiegsanwärter in Liga zwei.

Das Dilemma des HTC Schwarz-Weiss ist das Dilemma des deutschen Hockeys insgesamt. Die Kluft zwischen oben und unten wird immer größer. Schuld ist die Konzentration, die spätestens mit der Eingleisigkeit der Ersten Liga eingesetzt hat. "Eigentlich kannst du nur noch Bundesliga spielen, wenn du einen Mäzen hast oder Leistungszentrum bist", sagt HTC-Vorsitzender Andreas Schwarz. Neuss hat weder das eine noch das andere.

Will heißen: Es fehlt das Geld, um "fertige" Spieler an die Jahnstraße zu locken, es fehlt aber auch das Reservoir an Talenten. Die wirklich guten gehen lieber nach Köln oder Mülheim (führen beide punktgleich die Gruppe West der Hallen-Bundesliga an), nach Krefeld oder Düsseldorf. "Weil sie da ganz andere Möglichkeiten haben, gefördert zu werden", sagt Schwarz. Er hat die letzten finanziellen Ecken ausgefegt, um wenigstens zwei hauptamtliche Trainer an der Jahnstraße beschäftigen zu können, "was eigentlich immer noch zu wenig ist, um mithalten zu können." Erschwerend, sagt der HTC-Chef, komme die "erhöhte Mobilität" unserer Gesellschaft hinzu: "Eltern sind heute doch viel eher bereit, ihr Kind mehrmals in der Woche 30, 40 Kilometer zum Training zu fahren, wenn es da bessere Perspektiven hat."

So droht das Schicksal als "Wanderer zwischen den Hockey-Welten" zum Dauerzustand zu werden beim HTC Schwarz-Weiß Neuss. Während auf dem Feld in der bereits am 19. März (!) mit dem Duell gegen den direkten Konkurrenten TC Blau-Weiss Berlin startenden Rückrunde zumindest theoretisch noch alles drin ist, gibt sich Stefan Busse in Sachen Hallensaison keinen Illusionen hin: "An Wunder glaubt bei uns keiner."

Vier Punkte beträgt der Rückstand auf den Düsseldorfer HC und Schwarz-Weiß Köln auf den (rettenden) Plätzen vier und fünf. Die wären in den noch anstehenden vier Partien unterm Hallendach zwar noch aufzuholen. Nur: Gegen die punktgleichen Tabellenführer RW Köln und Uhlenhorst Mülheim dürfte ein solches Unterfangen illusorisch sein. "Vor allem die Kölner sind uns in allen Belangen haushoch überlegen", sagt Busse mit Blick auf das Gastspiel des Deutschen Meisters morgen Mittag (12 Uhr) in der Stadionhalle und gibt als Ziel vor: "Wir wollen uns deutlich besser verkaufen als im Hinspiel." Was so schwer eigentlich nicht sein sollte, endete es doch mit einem historischen 3:18-Debakel nach 0:11-Pausenstand.

Bleiben also nur die Möglichkeiten gegen Schwarz-Weiß Köln (22. Januar, 19.30 Uhr) und heute Nachmittag (15 Uhr, Sporthalle Kirschenallee in Moers) beim Crefelder HTC. Allerdings setzten sich die Krefelder schon im Hinspiel mit 9:3 durch. Und sie dürfen sich keine Nachlässigkeiten erlauben, wollen sie bei fünf Punkten Rückstand ihre Chance auf die Play-offs noch wahren. "Wir werden jedenfalls alles versuchen und bis zuletzt kämpfen", sagt Busse - was schon ein bisschen nach dem Mut der Verzweiflung klingt.

Quelle: NGZ
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