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Lokalsport
Dirk Gärtner gewinnt Duell um den Vorsitz

Dirk Gärtner neuer Vorsitzender des Fußballkreises Grevenbroich-Neuss
Rhein-Kreis. Kreistag der Fußballer sorgt für klare Verhältnisse: Hermann-Josef Koch muss nach 18 Jahren an der Spitze seinen Stuhl räumen. Von Dirk Sitterle

Als alles vorbei war, suchte Hermann-Josef Koch Trost im Rheinischen Grundgesetz: "Et es wie et es. Et kütt wie et kütt", philosophierte er bei einer Zigarette im gemütlichen Biergarten des Restaurants Bischofshof in Holzbüttgen. Dem 58-Jährigen blieb auch nichts anderes übrig, als den Tatsachen ins Auge zu blicken und sich in das Unabwendbare zu fügen. Der Kreistag der rund 20.000 am linken Niederrhein im Kreis 5 organisierten Kicker hatte entschieden: Von den 231 abgegebenen Stimmen waren nur 72 auf den Amtsinhaber entfallen, 159 gingen an seinen Herausforderer Dirk Gärtner, der damit neuer Vorsitzender im Fußballkreis Grevenbroich/Neuss ist.

Das letztlich doch noch klare Votum der Vertreter von rund 50 Vereinen nahm Gärtner durchaus erleichtert zur Kenntnis. Natürlich war der 50-Jährige als erklärter Favorit in die Kampfabstimmung gegangen, doch während der Sitzung waren dem erfahrenen Öffentlichkeitsarbeiter durchaus Zweifel gekommen. "Ich befürchtete, dass die Stimmung im Saal kippt", gab er zu. Eine berechtigte Sorge. Denn im ersten Teil der spannenden Zusammenkunft machte der Platzhirsch mit der Reputation aus 18 Jahren an der Spitze mächtig Boden gut. Redebeiträge der Kaarster Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus, von Kreisdirektor Dirk Brügge sowie von Jürgen Kreyer, Vizepräsident des Fußball-Verbandes Niederrhein, und FVN-Chef Wolfgang Jades sorgten für eine positive Grundstimmung, die eher Koch zugutekam. Dem hatte indes schon im Vorfeld Böses geschwant: "Ich hatte kein gutes Gefühl." Trotzdem traf ihn das Ergebnis hart. Sogar richtig an die Nieren ging ihm der Abschied von Dorothea Bollrath, die von Beginn an zu verstehen gegeben hatte, dass sie unter Gärtner als Geschäftsführerin nicht weitermachen würde. In seiner Laudatio auf die langjährige Weggefährtin, die im Amt schon seinem 1998 verstorbenen Vorgänger Heribert Cahsor treue Dienst geleistet hatte, kam Koch nur bis: "Jetzt wird es schwer ..." Danach versagte ihm die Stimme, so dass ausgerechnet Gärtner übernehmen musste.

Während Dirk Gärtner nach seiner Wahl zum Vorsitzenden erleichtert wirkt, gucken Hermann-Josef Koch und Dorothea Bollrath ziemlich zerknirscht. FOTO: A. Tinter

Der bot seinem nun ehemaligen Mitstreiter, "der mich auf meinem Weg begleitet und gefördert hat", sogleich einen neuen Job an. "Du weißt, wo ich Dich brauche, lieber Hermann-Josef", warb er. Und zwar in der Auswahl der "Ehrenamtler des Jahres". Kochs Präsentationen beim Fußballverband Niederrhein genießen mittlerweile fast Kultstatus. "Seit 1997 gab es 20 Ausschreibungen - nur dreimal fand unser Kandidat keine Aufnahme in den Club 100 des Deutschen Fußball-Bundes", stellte Koch stolz fest.

Schon im Vorfeld der Abstimmung hatte der nun ehemalige Kreisfußball-Boss allerdings erklärt, dass er dem Kreis nur als Vorsitzender weiter zur Verfügung stehen wolle. Auch nach der bitteren Niederlage auf dem Kreistag stand er zu seiner Aussage: "Werde ich nicht wiedergewählt, gehe ich in den ehrenamtlichen Ruhestand." Somit dürfte der Besuch des Kreispokalfinales heute Abend in Vorst (vorerst) der letzte Auftritt Kochs auf einem Fußballplatz sein. Die Kegeltour am Wochenende will er dazu nutzen, das abrupte Ende seiner langen Dienstzeit zu verarbeiten. "Ich muss das erstmal sacken lassen." Nach 30 Jahren (!) im Kreisvorstand werde er die Sonntage nun ganz entspannt angehen, kündigt er an: "Zu Hause auf der Couch Fußball-Bundesliga gucken." Eine Rückkehr ins Ehrenamt schließt er für den Moment aus, hält es dabei aber wie einst Franz Beckenbauer: "Schau'n mer mal ..."

Dirk Gärtner ließ die emotionale Verfassung seines Kollegen natürlich nicht kalt: "Das ist für ihn nicht einfach und geht mir auch sehr nah. Ich hoffe wirklich, dass wir da über das Ehrenamt, als Ehrenamtsbeauftragter, eine Weg zurück finden. Wir müssen ihm jetzt erstmal etwas Zeit geben, dass er seine Gedanken ordnen kann. Ich denke, das hat er einfach verdient."

Quelle: NGZ
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