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Lokalsport
Dormagenern fehlt Routine und Cleverness

Dormagen. Im Drittliga-Spitzenspiel gegen Eintracht Hagen (24:28) ist der TSV Bayer ebenbürtig, scheitert aber an zu vielen Flüchtigkeitsfehlern. Von Volker Koch

Handball ist mitunter ein paradoxer Sport. Genau in dem Moment, als der TSV Bayer Dormagen dem Spitzenspiel der Dritten Liga West seinen Stempel hätte aufdrücken können, verlor er die Partie. Am Ende stand mit dem 24:28 (Halbzeit 9:12) gegen Zweitliga-Mitabsteiger Eintracht Hagen die erste Saisonniederlage auf dem Ergebniszettel - und die keineswegs neue Erkenntnis, dass den Dormagenern Routine, Cleverness und eine diese beiden Eigenschaften ausstrahlende Führungspersönlichkeit auf dem Parkett fehlen.

Vielleicht wäre alles ganz anders gekommen, hätte sich Alexander Koke wegen seiner lädierten Bauchmuskulatur nicht allein auf seine Trainerrolle auf der Bank konzentrieren müssen. "Ich bin heilfroh, dass er nicht mitwirken konnte", bekannte sein Kollege Lars Hepp in sympathischer Offenheit, "wenn er dabei gewesen wäre, hätten wir heute wohl kaum gewonnen."

Denn auch so, gab der Eintracht-Trainer zu, mussten seine Schützlinge ihre "bisher mit Abstand beste Saisonleistung" aufbieten, um die Bayer-Handballer vor der stattlichen Kulisse von 1244 Zuschauern in Schach zu halten. Wozu die Hausherren allerdings ihr gehöriges Scherflein beitrugen: "Wir haben zu viele Fehler gemacht", stellte Koke klipp und klar fest. Und die bevorzugt in der Vorwärtsbewegung: Mehr als zwei Dutzend Dormagener Angriffe endeten torlos. Allein 16 Mal scheiterten die TSV-Angreifer an Tobias Mahncke, dem sein Trainer eine "überragende Leistung" zwischen den Torpfosten bescheinigte. Für gut die Hälfte dieser Fehlwürfe zeichnete der gesundheitlich angeschlagene Kevin-Christopher Brüren verantwortlich.

Nun hätten 13 Paraden von Sven Bartmann trotzdem fast zu einem Patt auf der Torhüterposition geführt. Als wesentlich gravierender erwiesen sich denn auch die vielen Flüchtigkeitsfehler, die den Dormagenern in der Offensive unterliefen: Ballverluste, schlecht getimte Abspiele, vermeintliche oder tatsächliche Stürmerfouls. Und das vor allem in jener eingangs erwähnten Phase, als die Hausherren mit 6:5 in Führung lagen (15.) und diese leicht auf drei, vier Tore hätten ausbauen können. Stattdessen nahm Hagen diese Geschenke dankend an und verwandelte sie oft genug als Gegenstoß in eigene Treffer. Neun Minuten später lag die Eintracht ihrerseits mit 12:7 (26.) vorne - ein Vorsprung, den eine so abgezockte und clevere Mannschaft kaum noch aus der Hand gibt.

Aus dem gebundenen Angriffsspiel heraus waren die Gäste erst in der Schlussphase erfolgreich, als der TSV im verzweifelten Bemühen, den zeitweise nur einen oder zwei Tore betragenden Abstand zu verkürzen, seine Deckung entblößte. Ein gefundenes Fressen für einen Routinier wie Jens Reinarz, der seine Anspiele geschickt in die sich auftuenden Lücken platzierte.

Genau so ein Mann fehlte den Dormagenern am Freitagabend. "Auf diese Mannschaft, die ja keineswegs enttäuscht hat, noch Robin Doetsch, Dennis Marquardt und Alex Koke, mit denen wir ja in dieser Saison geplant haben, obendrauf", sinnierte Geschäftsführer Björn Barthel, "und wir könnten tatsächlich um den Aufstieg mitspielen." Lars Hepp ist davon überzeugt, dass der TSV Bayer dies auch trotz der ersten Saisonniederlage tut: "Ich bin froh über die Punkte, denn die werden nicht viele gegen Dormagen holen", sagt der Eintracht-Trainer. Er erwartet einen Dreikampf um den Titel zwischen seiner eigenen Truppe, dem nicht minder routinierten Neusser HV und den Bayer-Handballern: "Für Dormagen spricht die Perspektive, die diese junge Mannschaft hat."

Fragt sich nur, wo die hinzeigt. Dass Max Bettin, mit 11/4 Treffern im dritten Spiel zum dritten Mal mit Abstand bester Werfer, tags darauf dem Bergischen HC nachreiste, um beim 26:26-Remis des Erstligisten in Göppingen auf der Bank zu sitzen, nährt den Verdacht, dass Bayer spätestens am Saisonende den nächsten Leistungsträger ziehen lassen muss - egal, in welcher Liga die Dormagener in der neuen Spielzeit auflaufen. Bis dahin werden sie jene Rolle spielen, die der TSV schon unter Kai Wandschneider eine oder zwei Ligen höher bis zur Perfektion beherrschte - der lebende Beweis, dass nicht immer der punktet, der den schöneren Handball spielt. Ein paradoxer Sport.

Quelle: NGZ
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