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Lokalsport
Drama in Kapellen ohne Happy End

Kapellen. Aber trotz 3:4-Niederlage gegen Fischeln glaubt der Oberligist an seine Chance. Von Dirk Sitterle

So weh die 3:4-Niederlage (Halbzeit 0:2) gegen Fischeln dem SC Kapellen im Abstiegskampf der Oberliga Niederrhein auch tat, Trainer Oliver Seibert zeigte sich schwer angetan von dem unfassbar dramatischen Abend im Erftstadion: "Wegen solcher Spiele haben sich Menschen in den Fußball verliebt. Mehr kriegst du in ein Spiel nicht rein." Bereits in der dritten Minute scheiterte der ansonsten starke Robert Wilschrey mit einem schwach getretenen Foulelfmeter an Fischelns Keeper Halil Özcelik. Auch danach hatten die Gastgeber mehr vom Spiel, mussten bis zur Pause indes Treffer von Kevin Breuer (19.) und Alexander Lipinski (39.) hinnehmen. Die Partie schien damit früh entschieden. In Hälfte zwei startete das Kellerkind indes ein spektakuläres Comeback: Andrej Hildenberg verkürzte kurz nach Wiederanstoß auf 1:2 (49.), Manou Ioannidis glich nach einem Blackout Özceliks mit einem Kunstschuss aus (56.). Kurz darauf touchierte der Ball nach einem wuchtigen Kopfstoß von Marcel Koch den Querbalken (61.). Dann der Schock für Kapellen: Nach einer Großchance stieg SCK-Torhüter Christopher Möllering Fischelns am Boden liegenden Alexander Lipinski absichtlich auf den Fuß und sah dafür zu Recht "Rot" (79.). Seinen Posten im Kasten übernahm der 18-jährige Benedict Ruckes aus der A-Jugend des SCK. Trotzdem verzagten die Hausherren nicht, Marcel Koch gelang nach einem Freistoß von Robert Wilschrey das 3:2 (82.). Im Gegenzug traf Alexander Lipinski zum 3:3 (83.), kurz vor dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Alexander Schuh stürzte Philipp Reichardt die Jungs von der Erft mit dem 4:3 (90.) ins Tal der Tränen.

Vor dem Heimspiel am Sonntag gegen den SC Düsseldorf-West ist der SC Kapellen damit hinter Cronenberg (schlug Hilden mit 3:0) auf einen Abstiegsplatz gerutscht. Dennoch will der Coach das turbulente Match nicht als K.o.-Schlag verstanden wissen. Ganz im Gegenteil sogar: "Die Jungs haben ein absolutes Feuerwerk abgebrannt. Wie sie eine Mannschaft mit derartig viel Qualität wie Fischeln nach der Pause mit brutalem Powerfußball unter Druck gesetzt haben, ist der Wahnsinn. Das war die Initialzündung, auf die wir gewartet haben, auch wenn wir akzeptieren müssen, dass das unter Umständen zu spät kommt ..."

Zumal er im Saisonendspurt auf seinen zuverlässigen Stammkeeper verzichten muss. Die ausgesprochen blöde Aktion Möllerings passe indes ins Bild, stellt der junge Coach mit besorgtem Blick auf die drei Roten, vier Gelb-Roten und 78 Gelben Karten nüchtern fest: "Ich habe nicht zu Unrecht die undisziplinierteste Mannschaft der Liga übernommen." Wer am Sonntag im Tor stehen wird, ist darum noch völlig offen. Der im Abiturstress steckende Benedict Ruckes, dem Seibert "nullkommanull Vorwurf" an den beiden Gegentoren in der Schlussphase macht, wird es wohl nicht sein, Nils Mahlstedt ist beruflich sehr stark eingespannt und Dennis Esser strotzt nach einer üblen Saison in der Zweitvertretung (steigt gerade aus der Bezirksliga ab) nicht unbedingt vor Selbstvertrauen. "Die Torwartfrage ist in alle Richtungen offen", sagt der Trainer, der in dieser Saison selbst schon zweimal für den angeschlagenen Möllering eingesprungen ist.

Unabhängig vom Kampf um den Klassenverbleib plant der SCK natürlich schon jetzt die neue Saison: Nach Kapitän Tim Rubink, Robert Wilschrey und Christopher Möllering hat nun auch Marco Czempik zugesagt. "Dazu stoßen die aufrückenden A-Jugendlichen wie Mark Schiffer", kündigt Seibert an, "und natürlich folgen jetzt die Gespräche mit allen anderen Spielern, die wir gerne halten würden."

Quelle: NGZ
 
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