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Drei Tage Vollgas-Handball am Pfingstfest

Lokalsport: Drei Tage Vollgas-Handball am Pfingstfest
Im Schwitzkasten: Wer beim Quirinus-Cup ins Finale will, darf nicht zimperlich sein. Handballer aus knapp 200 Mannschaften sind heiß auf die Endrunde am Sonntag in Neuss. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Heute Abend beginnt in 13 Hallen der 34. Quirinus-Cup des Neusser HV mit knapp 3000 Nachwuchssportlern aus 13 Nationen. Von Dirk Sitterle

Ein Blick in die seit 1983 fortgeführten Siegerlisten des Quirinus-Cups verschlägt selbst Freunden der gehobenen Handball-Unterhaltung die Sprache: Lugi Lund (Schweden), SKA Minsk (Weißrussland), Nationalteam Algerien, RK Celje (Slowenien), Badel Zagreb (Kroatien), Dukla Prag (Tschechien), RM Valcia (Rumänien), SMS Gliwice (Polen), KSOR Krasnodar (Russland), USS Lugansk (Ukraine), Bækkelagets SK Oslo (Norwegen), Olimpus Chisinau (Moldawien), Fotex Veszprém KC (Ungarn), TuSEM Essen, Bayer Dormagen, Dynamo Berlin, SC Magdeburg und der VfL Gummersbach brachten in den vergangenen 33 Jahren ihren Nachwuchs schon auf Platz eins. Das Turnier des Neusser HV hat sie alle gehabt. Als Superstar Stefan Kretzschmar 1990 mit der A-Jugend des SC Dynamo Berlin am Rhein triumphierte, stand die Mauer noch. Der 218 Mal für Deutschland tätige Linksaußen ist nur der bekannteste von ungezählten Nationalspielern, die sich zu Beginn ihrer Karriere als Jugendspieler beim Cup ihre ersten Sporen verdienten.

Ihrem exzellenten Ruf bleibt die spektakuläre Leistungsschau des europäischen Nachwuchs-Handballs selbstverständlich auch in der 34. Auflage treu: Unter den knapp 200 Mannschaften aus 13 Nationen, die sich ab heute Abend in fünf Altersklassen (A- bis E-Jugend) um einen Platz in der Endrunde (Pfingstsonntag ab 13 Uhr in der Humboldt-Sporthalle an der Bergheimer Straße in Neuss) bewerben, befinden sich rund 60 Teams aus dem befreundeten Ausland. "Erg lekker", richtig gut finden das Turnier vor allem die Handballer aus den nahen Niederlanden, die mit mehr als 20 Mannschaften antreten.

Ihr Alleinstellungsmerkmal erhält die ausschließlich von Ehrenamtlern gestemmte Veranstaltung indes durch die wieder 25 Teams aus dem Osten Europas. "Das kann sonst keiner bieten", sagt Wolfgang Spangenberger, der 1998 nach dem Ausscheiden von "Quirinus-Cup-Vater" Manfred Büschgens in die Rolle des Cheforganisators geschlüpft war. Tschechien ist aktuell mit sieben Mannschaften vertreten, die Ungarn, die neben Pick Szeged im MKB Veszprém sogar einen Champions-League-Halbfinalisten ins Rennen schicken, mit fünf. Auch die Neusser Partnerstädte Châlons-en-Champagne (Frankreich), Rijeka (Kroatien) und Pskow (Russland) sind mit von der Partie, die Talente aus dem slowenischen Celje sind traditionell Gäste des TuS Grevenbroich, der den NHV wie der TSV Bayer Dormagen, TSV Norf, die HG Kaarst/Büttgen, ART Düsseldorf und der Förderverein Druschba Neuss-Pskow als Co-Veranstalter unterstützt. Die deutsche Handball-Elite wird durch Vereine wie den VfL Gummersbach, Bergischen HC, SC Magdeburg und den TBV Lemgo repräsentiert. Eine noch bessere Ausstattung verhindert nur der Terminplan des DHB, der um Pfingsten herum die nationalen Titelträger ermittelt. Darum fehlt in diesem Jahr zum Beispiel die männliche A-Jugend des TSV Bayer Dormagen, die gegen den SC Magdeburg um den Einzug ins DM-Finale spielt. Die Handballer vom Höhenberg sind beim Cup trotzdem prominent vertreten. Für TSV-Jugendkoordinator Erik Wudtke ist der internationale Vergleich nämlich aus mehreren Gründen interessant: "Das der Saison nachgelagerte Turnier ist mit seinem beachtlichen Niveau ein schöner Abschluss für unsere Mannschaften. Dazu kommt die soziale Komponente. Und dann siehst du hier vielleicht noch den ein oder anderen Spieler, den du bislang nicht auf dem Radar hattest." Der Besuch diene jedoch nicht dazu, in fremden Revieren zu wildern, stellt er klar. "Das ist keine Abwerbe-Börse, grundsätzlich kennen wir schon ab der C-Jugend alle Spieler, die in den Topvereinen Nordrhein-Westfalens spielen."

Äußerst reizvoll findet der Co-Trainer der Deutschen Junioren-Nationalmannschaft vor allem die internationalen Duelle: "Denn kein Land gibt seine Trainingsmethoden preis - die sind immer ein großes Geheimnis." Einen Unterschied kann der ausgewiesene Fachmann jedoch sofort benennen: "Es wird überall härter gespielt als bei uns. Die Handballer aus Slowenien und Frankreich wundern sich oft, was in Deutschland alles gepfiffen wird." Eine Feststellung, die er freilich nicht als Kritik an den Unparteiischen gewertet sehen will. Ganz im Gegenteil sogar: "Gerade im Jugendbereich finde ich die strengere Regelauslegung sehr gut - sie hält das Spiel attraktiv und schützt die Akteure."

Wie das ab heute in der Praxis aussieht, kann Annika Holzke am eigenen Leib testen. Die B-Jugendliche des Neusser HV trifft mir ihrer Truppe schon in der Vorrunde auf CJF Fleury Loiret aus Frankreich, später vielleicht auf Celje, Magdeburg oder Pisek. Sie erwartet einfach "eine richtig geile Stimmung."

Quelle: NGZ
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