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Lokalsport
Ein Marathon-Match an der Jahnstraße

Neuss. Nach mehr als zehn Stunden stand er endlich fest - der erste Punktgewinn des TC BW Neuss in der Tennis-Bundesliga. Obwohl dem Abstieg nahe, zeigten die Hausherren beim 3:3 gegen den TC Bruckmühl-Feldkirchen ihr Kämpferherz. Von Dirk Sitterle

Blau-Weiß Neuss lebt noch. Und darum blickte der Vorsitzende Abraam Savvidis schon während des 3:3 im packenden Kellerduell mit dem TC Bruckmühl-Feldkirchen voller Zuversicht in die Zukunft. "Es geht weiter! Die Signale, die wir von unseren Sponsoren erhalten haben, sind positiv - auch für die 2. Liga. Wir würden in der nächsten Saison alles dafür tun, direkt wieder aufzusteigen." Wie zum Beweis bot die gestern Abend erst um 21.22 Uhr beendete Partie mit den Oberbayern vor knapp 500 Zuschauern noch einmal Drama pur.

Dabei wurde auch die Ausdauer der Tennisfreunde arg strapaziert: Denn den von einer 40-minütigen Regenunterbrechung (13 bis 13.40 Uhr) eh schon stark in Mitleidenschaft gezogenen Aschenplätzen an der Jahnstraße hatte ein Gewitter gegen 16 Uhr den Knockout versetzt. So sahen das jedenfalls die Gäste aus Bayern, die den weichen Untergrund von Anfang an für suspekt gehalten hatten. Dieser Auffassung schloss sich nach genauer Begutachtung der rasch entstandenen Seenlandschaft zunächst auch Oberschiedsrichter Dietrich Fietkau an: "Ich bin immer ein Freund davon, draußen zu spielen, aber wenn die Gesundheit der Spieler gefährdet ist, bleibt mir keine andere Wahl." Darum entschied er um 17.30 Uhr: "Da es nicht mehr gelingen wird, zwei Plätze spielfähig zu bekommen, wird das Match in der Halle fortgesetzt." Das wiederum sahen die Gastgeber nicht ein. "Die Plätze sind nicht schlechter als heute Morgen", stellte Clinton Thomson aus dem Trainerteam der Blau-Weißen fest. Und Fietkau ließ sich, sehr zum Unwillen der sichtlich entsetzten Gäste, tatsächlich umstimmen: Aber erst nach 18 Uhr ging es mit der vom Platz direkt neben dem von vornherein gesperrten Centercourt in die "Löwengrube ganz am Ende der Anlage verlegten Partie von Adrian Ungur gegen Pablo Carreño Busta weiter, das Match von Jeremy Jahn gegen Mohamed Safwat wurde auf Platz vier fortgesetzt.

Dass das Kellerduell einen derartig dramatischen Verlauf nehmen würde, damit hatten nach der niederschmetterenden 2:4-Niederlage am Freitag bei Rot-Weiß Köln nicht mal die Hausherren gerechnet. Weil damit der Klassenverbleib in weite Ferne gerückt war - da der zur Verfügung stehende Etat mehr als ausgeschöpft ist, ist Blau-Weiß einfach nicht mehr in der Lage, in den abschließenden Spielen in Mannheim und Krefeld eine Top-Mannschaft zu stellen -, ging der zehnmalige Deutsche Meister schon gestern personell nicht mehr ans absolute Limit. Und machte trotzdem Werbung in eigener Sache: Nach der ganz ohne Zweifel enttäuschenden Zwei-Satz-Niederlage von Filippo Volandri an Position zwei gegen den Spanier Roberto Carballes Baena (4:6, 2:6) packten die Neusser ihr Kämpferherz aus: An Position vier zwang Tom Schönenberg den Portugiesen Frederico Ferreira Silva nach mit 1:6 verlorenem ersten Satz noch in den Champions-Tie-Break. Den gewann er deutlich mit 10:2. "Das war stark", lobte Teamchef Marius Zay seinen mutig auftretenden Schützling. Auch Ungur ließ im Spitzeneinzel den Spanier Pablo Carreño Busta, immerhin die Nummer 55 der Weltrangliste, nach gewonnenem Tie-Break im zweiten Satz nicht mehr vom Haken. Obwohl das Gewitter den Champions-Tie-Break zur Unzeit jäh unterbrach - Ungur lag da mit 5:2 vorne -, entschied der Rumäne die Begegnung mit 10:5 zu seinen Gunsten. Jeremy Jahn warf gegen den Ägypter Mohamed Safwat beim 6:7 (10:12), 6:2 und 3:10 wahrlich alles in die Waagschale, allein dem unermüdlichen Kämpfer fehlte in den entscheidenden Phasen des Duells schlichtweg das Glück. "Und das nervt", sagte er ziemlich enttäuscht.

Im Doppel begeisterten Adrian Ungur und Filippo Volandri vor immer noch 150 total entrückten Enthusiasten mit einem 6:4-, 6:0-Erfolg über Pablo Carreno Busta und Roberto Carballes Baena. Savvidis: "Das war unglaublich. Sie haben ihre Gegner deklassiert." Jeremy Jahn und Tom Schönenberg unterlagen Mohamed Safwat und Mateusz Kowalczyk in zwei Sätzen sehr unglücklich jeweils im Tie-Break.

Quelle: NGZ
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