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Lokalsport
Ein Volksfest mit Rekord als Sahnehäubchen

Neuss. 34. Auflage des Neusser Sommernachtslaufs stellt vor knapp 10.000 Zuschauern mit 4067 Teilnehmern im Ziel eine neue Bestmarke auf. Von Dirk Sitterle

Wenige Meter vor dem Ziel ereilte Mailinda Ceka der Super-GAU: Die Starterin des Janusz-Korczak-Gesamtschule (JKG) Neuss verlor ihr Smartphone. Weil es ohne nun mal keine Sekunde geht, machte die Schülerin auf dem Absatz kehrt und barg den kostbaren Mini-Rechner. Dass sie damit wertvolle Zeit im Hobby-Lauf über fünf Kilometer einbüßte - in 31:23 Minuten belegte sie schließlich Platz 127 bei den Frauen - störte sie freilich nicht. Es gibt Wichtigeres im Leben als Bestzeiten und Rekorde.

Das galt am Samstag auch für die 34. Auflage des 1983 zum ersten Mal veranstalteten Neusser Sommernachtslaufs - der trotzdem zur Rekordshow wurde: 4067 Läufer und Läuferinnen im Ziel gab es noch nie, die alte Marke stand seit 2013 bei 4009. Für Marc Hillen, der sich mit seiner Agentur h1 seit 2009 im Auftrag der Turngemeinde Neuss um die Organisation kümmert, die Bestätigung, dass er mit seinem Konzept die Menschen im Rhein-Kreis erreicht: "Wir machen einen sauberen, ehrlichen Vereinslauf. Das ist ein Volkslauf für die ganze Familie."

Konsequenterweise geriet in dem rund sechseinhalbstündigen Laufspektakel das Duell um die Spitze fast zur Nebensache. Zumal es in den beiden Hauptläufen überlegene Sieger gab: Über 10.000 Meter fand sich in Abwesenheit von Toni Riediger - der fixe Erfurter, der in Neuss im Vorjahr sowohl über zehn und fünf Kilometer als auch mit der Staffel (Team Firmenplus) triumphiert hatte, begnügte sich eine Woche vor den Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten in Kassel mit der Rolle des Zuschauers - keine Konkurrenz für Marcel Bischoff (TSV Bayer 04 Leverkusen). Obwohl in dieser Saison von einer Achillessehnenreizung formmäßig zurückgeworfen, gewann er in 33:31 Minuten deutlich vor Matthias Rück (TG Neuss) in 34:35 und Wolfgang Lenz (Rhein-Marathon Düsseldorf) in 34:46 Minuten. "Dass ich so klar vorne liege, war mit zuerst gar nicht bewusst", verriet er im Ziel, seinem Vergnügen tat der "Sololauf" durch die Massen indes keinen Abbruch: "Er hat Spaß gemacht, vor so vielen Zuschauern läufst du ja sonst eher selten."

Für den Geschmack von Vielstarter Matthias Rück, der sich mit seinem späteren Treppchenpartner aus Düsseldorf lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Rang zwei geliefert hatte, hätten es an der Strecke sogar ruhig noch ein wenig voller sein können, "vor allem am Marienbildchen an der Neustraße." Im Gegensatz dazu fühlte sich der promovierte Apotheker Wolfgang Lenz vom Trubel an und auf der Strecke, wo die Bands Quasi Samba aus Dormagen und Dweilorkest de Joekels aus dem niederländischen Boxmeer für Stimmung sorgten, fast schon gestört: "Das war echt zu laut, wenn du da vorbeigelaufen bist. Richtig schwer waren auch die Überholmanöver auf dem engen und kurvigen Kurs."

Das alles interessierte Petra Maak (TSV Bayer Dormagen) bei ihrem ersten Sieg über zehn Kilometer in Neuss nicht die Bohne. Die "ewige Petra", Altersklasse W50, verwies ihre durchweg jüngeren Rivalinnen in 38:45 Minuten deutlich auf die Plätze. Rang zwei ging an Katja Kanditt (W35) vom OSC Waldniel in 41:45 Minuten. Maak, die sich zudem die Pole Position im Kreiscup sicherte, empfand diebische Freude dabei, möglichst viele männliche Laufkollegen einzufangen. Weil ihr das vortrefflich gelang, im Gesamtergebnis belegte sie unter 349 Teilnehmern Platz 16, stellte sie mit einem schelmischen Lächeln fest: "Das hat richtig Spaß gemacht."

Ähnlich empfand der amtierende Neusser Schützenkönig Gerd Sassenrath. Der Rechtsanwalt, der als Gerd Philipp I. im Königsregister der Bürgerschützen geführt wird, belegte im von Daniel Laps (ASC Düsseldorf) in 16:35 Minuten gewonnenen Hobby-Lauf über fünf Kilometer in 23:25 Minuten Rang 95 im Gesamteinlauf (89. Männer) und resümierte beseelt: "Herrlich! Luft habe ich keine mehr, aber zum Glück ist die Sprache wieder da. Das ist ein tolles Event, an dem auch immer meine ganze Familie teilnimmt. Hart war die kleine Steigung zwischendurch, da bewundere ich alle Marathonläufer."

Quelle: NGZ
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