| 00.00 Uhr

Lokalsport
Eine Kooperation macht Schule

Lokalsport: Eine Kooperation macht Schule
Partner: Peter Soliman, Thomas Nickel und Abraam Savvidis (v.l.). FOTO: privat
Neuss. Die Internationale Schule in Neuss arbeitet bei der sportlichen Ausbildung ihrer Schüler eng mit Vereinen zusammen. Von der Kooperation mit dem TC Blau-Weiss erhofft sich der Tennisbezirk eine Signalwirkung auf andere Schulen. Von Volker Koch

Für Peter Soliman steht fest: Neben der Vermittlung von Bildungsinhalten sollte eine Schule "auch zur Charakterbildung und Charakterformung" ihrer Schüler beitragen. Dafür, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der International School on the Rhine (ISR), sei kaum etwas so gut geeignet wie der Sport.

Nun ist Peter Soliman aber auch ein scharf kalkulierender Rechner. Und weil die ISR schon erhebliche Summen "in Top-Pädagogen, Top-Führungskräfte und Top-Technologie" investiere, müsse sie das nicht auch noch in sportliche Infrastruktur und sportliches Know-how tun: "Davon haben wir doch in der Umgebung genug."

Zeigt den Kindern anschaulich den Umgang mit dem Tennisschläger: Sascha Klör ist einer der drei Vereinstrainer des TC Blau-Weiss Neuss und "hilft" mitunter auch im Neusser Bundesligateam aus. FOTO: A. Woitschützke

Die ISR, in den vergangenen zwölf Monaten um 150 auf aktuell 600 Schüler angewachsen, kooperiert deshalb mit mehreren Sportvereinen. "Und wir haben bisher gute Erfahrungen damit gemacht", sagt Peter Soliman. 80 Kinder spielen beim PSV Neuss, praktischerweise auf der Bezirkssportanlage Am Stadtwald in direkter Nachbarschaft zur ISR beheimatet, Fußball. 20 erhalten Schwimmunterricht beim Neusser Schwimmverein, 60 lernen und spielen Tennis beim TC Blau-Weiss. Ganz frisch, erzählt Marketingleiterin Kerstin Dahmen, sei die Zusammenarbeit mit der Neusser Schachgemeinschaft. Und der TSV Bayer Dormagen schickt künftig den neuverpflichteten estnischen Nationalspieler Mikk Pinnonen zum Handballtraining in die ISR (die NGZ berichtete). Weitere Kooperation strebt Peter Soliman nicht an: "Wir wollen uns nicht verzetteln, sondern lieber die bestehenden richtig mit Leben erfüllen." So wie die mit dem Tennisclub von der Jahnstraße. 60 Kinder werden inzwischen von der Tennisschule der Vereinstrainer Marius Zay, Sascha Klör und Kevin Deden betreut. Dass das Trio auch als "spielende Trainer" im blau-weissen Bundesligateam aktiv ist, sehen die Beteiligten als angenehmen Nebeneffekt: "Das erhöht die Identifikation", ist BW-Vorsitzender Abraam Savvidis überzeugt.

Nicht nur er spricht der Zusammenarbeit Modellcharakter zu. Das tut auch Thomas Nickel. Der Vorsitzende des Tennisbezirks Linker Niederrhein erhofft sich sogar eine Signalwirkung auf andere Vereine und Schulen. Denn in deren Zusammenarbeit erkennt er durchaus Defizite: "Eigentlich ist der Tennissport gut mit den Schulen vernetzt - aber das gilt leider nur für den Bereich der Grundschulen." Was weiterführende Schulen angehe, seien andere Sportarten da deutlich weiter: "Wenn ich in Neuss sehe, was Hockey, Handball oder Rudern in dieser Richtung auf die Beine stellen, frage ich mich, warum das im Tennis nicht klappt."

Dabei führt in Nickels Augen für die Vereine kein Weg an solchen Kooperationen vorbei: "Wir erreichen doch sonst die Kinder gar nicht mehr. Wenn sie bis zum späten Nachmittag in der Schule sitzen, können wir nicht warten, bis sie zu uns kommen - dann muss der Sport eben in die Schulen gehen."

Beim TC Blau-Weiss funktioniert das schon. Bis zur fünften Klasse findet das Tennistraining in der Sporthalle der ISR statt, für die älteren Schüler auf der Anlage an der Jahnstraße. Savvidis glaubt, dass der Klub nicht nur in Sachen Nachwuchs davon profitiert: "Wir sprechen ja nicht nur die Kindern an, sondern auch deren Eltern". Einige seien bereits Vereinsmitglieder geworden. Was wiederum Peter Soliman freut: "Um so besser, wenn wir die ganze Familie mit einbinden." Überhaupt spricht der ISR-Geschäftsführer von einer "Win-win-Situation für beide Seiten".

Von der selbst die Bundesliga bei Blau-Weiss profitiert. Denn wer einmal im Unterricht Tennisluft geschnuppert hat, kann bei deren Spielen "live" erleben, wie der Sport auf höchstem Niveau ausgeübt wird. Und wenn sich mal ein "underdog" gegen einen auf der Weltrangliste ein paar Hundert Plätze höher Postierten durchsetzt, dann hat das auch etwas mit Charakterbildung und -formung zu tun.

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Lokalsport: Eine Kooperation macht Schule


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.