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Lokalsport
Einer freut sich auf Fahrt nach Fredenbeck

Rhein-Kreis. Korschenbroichs Rechtsaußen Mathias Deppisch begann seine Laufbahn beim morgigen Gegner. Von Volker Koch

Es gibt viele schöne Geschichten rund um den VfL Fredenbeck. Zum Beispiel die, dass zu Erstligazeiten des Klubs (1988 bis 1994 und noch einmal 1996/97) mehr Zuschauer in der Geestlandhalle waren als der dazugehörige Ort Einwohner hatte. Oder die, dass der Berichterstatter ein Mal 800 Kilometer dorthin zurücklegte, nur um eine Bockwurst zu essen - das Heimspiel des VfL gegen den TSV Bayer Dormagen fiel aus, weil die Schiedsrichter im Schneechaos vor Hamburg steckengeblieben waren.

Ansonsten ist der VfL Fredenbeck für die meisten Vereine der Dritten Liga West ein unbeschriebenes Blatt. Denn nach dem Abstieg aus der Zweiten Liga (Nord) im Jahre 2006 fristete der Klub, der einst so prominente Spieler wie Christian Schwarzer, Roger Kjendalen, Zbigniew Tluczynski (Bundesliga-Torschützenkönig 1988/89) oder Hedin Gilsson auf seiner Gehaltsliste hatte, sein Dasein in der Regionalliga Nord. Bis ihn im Sommer die Staffeleinteilung der Dritten Liga aus unerfindlichen und in Fredenbeck auch mit wenig Freude zur Kenntnis genommenen Gründen in den Westen verschlug. Was den rheinischen Klubs eine gut 400 Kilometer lange Anreise beschert, von denen es die letzte Dreiviertelstunde über Land- und Dorfstraßen geht. Dass Gastspiele in der Geestlandhalle es in sich haben, bekam die HSG Krefeld bereits zu spüren - der Mit-Favorit auf den Aufstieg ging am ersten Spieltag dort mit 20:29 regelrecht baden. Zwei weitere Siege - 32:27 über den ATSV Habenhausen, 31:27 in Schalksmühle - ließen die Norddeutschen erst einmal an die Tabellenspitze klettern.

Trotz allem freut sich ein Spieler des TV Korschenbroich mächtig auf die beschwerliche Tour, die dem Drittligisten morgen bevorsteht. Denn für Mathias Deppisch bedeutet sie eine Rückkehr in die eigene Vergangenheit. Der Linkshänder, mit 36 Lebensjahren und elf Spielzeiten ältester und dienstältester Spieler zugleich im Kader des TVK, trug von 1998 bis 2000 das Trikot des VfL Fredenbeck, belegte mit ihm in der Zweiten Liga Nord die Plätze acht und vier.

"Natürlich bringt dieses Spiel für mich eine besondere Note mit sich", sagt Deppisch, "die Rückkehr nach Fredenbeck ist eine Reise in die Vergangenheit und die Geestlandhalle der Ort, an dem für mich damals alles begann. Letztlich habe ich dort den Grundstein für meine Karriere gelegt." Und das unter erschwerten Bedingungen, denn der gebürtige Eutiner ging damals in Lübeck zur Schule: "Ich wollte es unbedingt schaffen und sowohl in der Zweiten Liga beim VfL Fuß fassen und gleichzeitig mein Abitur durchziehen", erinnert sich Deppisch. Was täglich knapp 300 Kilometer Hin- und Rückfahrt zum Training für ihn bedeutete. "Heute bin ich froh und stolz, wie es letztlich gelaufen ist. Für mich war dieses erste Jahr auch für den Charakter eine sehr prägende Zeit. Seitdem weiß ich, dass man, wenn man unbedingt etwas will, auch Opfer bringen muss" - eine Einstellung, die er als Jugendkoordinator beim TVK an jüngere Spieler weiterzugeben versucht.

Für Mathias Deppisch wird das morgige Spiel deshalb ein besonderes sein, auch wenn "sich Mannschaft und fast das gesamte Umfeld verändert haben und ich sicher nur noch wenige Leute von damals treffen werde." Bis auf Hajo Klintworth - mit dem aktuellen Manager des Drittligisten spielte er damals in einer Mannschaft. Vielleicht treffen sich beide ja nach dem Spiel am Stand mit den Bockwürsten - die sind in Fredenbeck nämlich lecker.

Quelle: NGZ
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