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Für Lob gibt's leider keine Punkte

Dormagen. Dormagenern droht trotz guter Leistung in Erlangen der letzte Tabellenplatz. Von Volker Koch

Erfolg ist im Sport oft nur eine Frage des richtigen Timings. Die Handballer des TSV Bayer Dormagen scheinen in dieser Hinsicht nicht unbedingt das richtige Händchen zu haben. Hätten sie in den Wochen zuvor eine ähnlich gute Leistung geboten wie am Freitagabend vor allem im zweiten Durchgang der Partie bei Bundesliga-Absteiger HC Erlangen, drohte ihnen im Laufe dieser Woche nicht das Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz.

Doch weil sie mit dem 25:28 (Halbzeit 11:18) die zehnte (sportliche) Niederlage in Folge kassierten, können sie am - für sie spielfreien - Freitagabend vom bisherigen Schlusslicht HF Springe im Falle eines Sieges über den ASV Hamm überholt werden und somit zwei Tage später als Tabellenletzter zum Gastspiel beim VfL Bad Schwartau (Sonntag, 16.30 Uhr, Hansehalle Lübeck) reisen. Die Schwartauer waren zuletzt noch in Reichweite, feierten am Samstag aber mit dem 28:27 über Eintracht Hagen den dritten Sieg in Folge - aus Dormagener Sicht erneut ein schlechtes Timing.

Bayer droht auf einem Abstiegsplatz zu überwintern, denn vom rettenden 17. Tabellenplatz trennen die Dormagener jetzt schon fünf Punkte. Und die dürften in den vier noch ausstehenden Begegnungen bis zur sechswöchigen EM-Pause - weiter geht es am 6. Februar - in Schwartau, gegen Hamm (12. Dezember), in Friesenheim (19. Dezember) und dem ersten Rückrundenspiel in Ferndorf (26. Dezember) kaum wettzumachen sein. Auch wenn Jörg Bohrmann glaubt, dass die beherzte Vorstellung in der Arena Nürnberg seinen Schützlingen endlich das lang vermisste Selbstvertrauen gegeben haben sollte: "Wir haben diszipliniert gespielt und uns beim vernünftig beim klaren Favoriten verkauft, letztlich waren Kleinigkeiten ausschlaggebend", fasste der Dormagener Trainer die sechzig Minuten zusammen, die angesichts eines 18:11-Vorsprungs der Hausherren zur Halbzeit schon "gelaufen" schienen.

Doch es kam anders, sehr zur Verwunderung der 2376 Zuschauer und zur Verärgerung von Erlangens Trainer Robert Andersson: "Wir sind enttäuscht und müssen uns ein wenig schämen für das, was wir heute teilweise gezeigt haben", sagte der Schwede, der als Spieler von 1992 bis 1995 in Dormagener Diensten gestanden hatte, nach dem mühevollen Sieg über seinen Ex-Klub. "In der Kabine hat es laut gescheppert, trotzdem ist die zweite Halbzeit noch schlechter geworden", bekannte Erlangens Geschäftsführer Stefan Adam, zuvor in gleicher Funktion beim Bergischen HC und beim THW Kiel tätig.

Der 42-Jährige, der den lange als "graue Maus" in der Zweiten Liga herum dümpelnden Erlangern professionelle Strukturen und ein neues Image verpasst hat, war nach dem Spiel voll des Lobes für den TSV Bayer, bei dem er selbst als Spieler in der Saison 97/98 nicht über ein paar Kurzeinsätze hinaus gekommen war: "Dormagen macht viel aus dem Reservoir der vielen, überdurchschnittlichen Jugendspieler. Es ist sehr wichtig für den deutschen Handball, was da passiert. Großer Respekt."

Ein Lob, das sie sich am Höhenberg gerahmt an die Wand hängen, für das sie sich aber nichts kaufen können. Denn dass die "vielen, überdurchschnittlichen Jugendspieler", die nach ihrem 41:26-Sieg in Bremen weiter ungeschlagen die Tabelle der A-Jugend-Bundesliga anführen, den Weg zurück in die Dritte Liga mitgehen, ist eher unwahrscheinlich. Doch genau da scheint der Weg des Dormagener Handballs im Augenblick hin zu führen.

Quelle: NGZ
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