| 15.24 Uhr

Korschenbroich
Für Pfingstrosen ist es zu kalt

Korschenbroich: Für Pfingstrosen ist es zu kalt
Cordula und Stephan Tetzlaff aus Pesch warten auf Sonne: Nur frühblühende Pfingstrosen zeigen sich aktuell in voller Blüte. FOTO: Reuter
Korschenbroich. Wuchtige Fülle und leichte Eleganz stehen für die Pfingstrose: Kaum einer Pflanze gelingt es besser, diese Gegensätze so harmonisch zu vereinen. Stephan Tetzlaff zählt fast 500 verschiedene Sorten zu seiner Zucht in Pesch. Von Ruth Wiedner und Daniela Buschkamp

Pfingstrosen sind eine Rarität. "Außer Mohn gibt es keine andere Blume mit so kräftiger roter Farbe", sagt Thomas Seiler. Der Biologe ist Chef der Fachgruppe Päonien in der bundesweiten Gesellschaft der Staudenfreunde. Auch ihre Liebhaber sind – anders als bei Rosen – eher spärlich gesät.

Der Pfingstrosen-Zauber dauert nicht lange an: Etwa acht bis neun Wochen darf sich der Gartenfreund in der Regel über die Blütenpracht freuen. In diesem Jahr wird es allerdings eine "extrem kurze Saison". "Die wachsen in dieser Kälte nicht weiter", beklagt Stephan Tetzlaff (47) die Temperaturen und blickt auf ein riesiges Feld.

Auf seinem 2,5 Hektar großen Freigelände stehen die Pfingstrosen aufgereiht – wie bei einem Gemüsebauern die Kartoffelpflanzen. Geschlossene Blütenknospen bestimmen ausschließlich das Bild. "Diese Trommelstöcke – wie sie im Fachjargon etwas salopp genannt werden – verweigern selbst in der warmen Wohnung die volle Blütenbildung."

Damit schreibt Tetzlaff für diese Saison den Schnittblumenverkauf so gut wie ab. "Nach dem Pfingstfest wird diese Blume in Deutschland von den Kunden kaum noch verlangt." Er nimmt's gelassen hin, sein Hauptgeschäft erstreckt sich schließlich auf den Herbst, wenn sein Staudenverkauf erblüht. Fast 500 verschiedene Sorten kann der Gartenbau-Ingenieur mittlerweile sein Eigen nennen.

Als Zwölfjähriger wurde seine Sammelleidenschaft mit einer riesigen Pfingstrosenstaude geweckt. Aus dem emsigen Sammler wurde ein erfolgreicher Züchter. "Die Pfingstrosen sind langlebig und treu", versichert Stephan Tetzlaff. Und er weiß auch: "Für Pfingstrosen braucht man viel Geduld."

Sein großzügig angelegter Garten an der Kleinenbroicher Straße dient dem Pfingstrosennarr dabei als Ausstellungsfläche. Auf jedem Quadratmeter ist eine andere Kostbarkeit zu finden. Nicht nur Seltenheiten aus den USA, Japan und China sind auf dem Privatgelände von Stephan und Cordula Tetzlaff (47) zu bewundern. Neuerdings kommen Exemplare aus Australien und Neuseeland dazu.

Ganz so preiswert sind die Stauden nicht: Für so genannte Baumpäonien werden zwischen 30 und 275 Dollar verlangt. Doch damit befasst sich Tetzlaff aktuell weniger. Er baut zurzeit ein provisorisches Kühlhaus, um seine Pfingstrosen über die Feiertage zu retten. "Ich schätze, sie blühen fast alle zeitgleich am Samstag auf."

Thomas Seiler schätzt dagegen nicht nur die Pfingstrosen im Garten: "Auch in der Kunst oder in der Literatur finden sich Hinweise – etwa bei von Eichendorff oder – weniger bekannt – bei Paul Celan."

Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Korschenbroich: Für Pfingstrosen ist es zu kalt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.