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Jüchen
Fundgrube für Archäologen
Jüchen. Der Neuwerker Hof ist 200 Jahre älter, als bisher angenommen wurde. Das haben Archäologen in detektivischer Arbeit rekonstruiert. Noch über ein Jahr graben Forscher im Braunkohletagebaurevier nach verborgenen Schätzen. Von Karin Verhoeven

Otzenrath Vom Mammutzahn aus der Eiszeit bis zum Ringofen aus der Zeit der Industrialisierung: Das Gebiet der umgesiedelten Orte Otzenrath, Spenrath und Holz hat aus archäologischer Sicht einiges zu bieten. "Unsere Arbeit ist oft vergleichbar mit der der Kripo," erzählen Joseph Franzen und sein sechs Jahre jüngerer Bruder Denis, die ganz enge Mitarbeiter im Team von Dr. Alfred Schuler, wissenschaftlicher Referent der Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), sind. Der Archäologe erklärt: "Das Umfeld der Kirche hat uns bezüglich der Gründung Otzenraths zurück geführt ins elfte Jahrhundert."

Seit dem Frühsommer beschäftigen sich die Archäologen mit dem ursprünglichen Neuwerker Hof, der vermutlich 1302 erstmals erwähnt wurde. Schuler erklärt: "Durch unsere Grabungen können wir nun sagen, dass er gut 200 Jahre älter war." Größenmäßig habe dieser Hof dem Kapitelshof kaum nachgestanden, von dem er nur einige hundert Meter weit entfernt lag. Für Schuler gibt es ein vorstellbares Denkmodell: "Es hat möglicherweise eine Erbteilung stattgefunden."

Das ursprüngliche Hofareal lag nördlich des Standortes der zuletzt bestehenden Gebäude des Neuwerkerhofes im Gebiet um den "Fischweiher". Dieser teilte zwei verschiedene große Bauplätze, die umgeben waren von rechteckigen Grabenkonstruktionen. "Im Hochmittelalter war es trocken, und die Nähe der Quelle war wohl der Gründergrund," erklärt Joseph Franzen. Später sei der Hof möglicherweise auf das trockenere Gebiet weiter südlich verlagert worden. "Dort, wo früher der Fischweiher lag, ist der "Otzenrather Sprung" im Befund greifbar geworden. Im Süden des Bauplatzes fanden die Archäologen Spuren eines größeren, erhöht gelegenen hochmittelalterlichen Pfostenbaues aus dem zwölften Jahrhundert mit Erdkeller. Nördlich der Wasseraustritte gab es einen Ständerbau mit tiefem Erdkeller. Darin stellten die Wissenschaftler den Einstieg in einen engen Kriechgang fest, an den sich eine Kammer zum Aufenthalt anschloss. Von dort aus gab es eine zweite Fluchtmöglichkeit. Joseph und Denis Franzen erklären: "Kriechgänge hatten den Vorteil, dass man den Gang verschließen konnte, falls er ausgeräuchert wurde." Angelegt wurden die Gänge im 14. Jahrhundert und aufgegeben etwa 200 Jahre später. Interessant für das Grabungsteam war auch: "Zwischen den beiden Bauplätzen gab es eine Landbrücke, auf der in früher Neuzeit ein Torhaus stand."

Dadurch wurde der Zugang zum Hof auf dem nördlichen Bauplatz kontrolliert. Im 18. und 19. Jahrhundert schließlich wurde das Torhaus zweckentfremdet und als Viehstall genutzt. Noch ein Jahr werden sich die Archäologen im Raum der umgesiedelten Dörfer Alt-Otzenrath, Spenrath und Holz betätigen können und nach verborgenen Schätzen suchen, dann müssen auch sie dem Braunkohlentagebau weichen.

Quelle: RP
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