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Lokalsport
Galopp: Ein Weltenbummler startet morgen in Neuss

Neuss. Als der Uhrmachergeselle Ralf Suerland in den frühen 60er- Jahren des alten Jahrhunderts bei der Berufsberatung in Castrop-Rauxel vorstellig wurde und nach einer eher lustlosen Uhrmacherlehre den Wunsch äußerte, den Beruf eines Jockeys zu erlernen, da ereilte den Beamten in der Bindestrich-Stadt buchstäblich eine Schnappatmung. Er befürchtete eine Tätigkeit als Discojockey und warnte die Mutter: "Dann muss ihr Sohn doch meist nachts arbeiten und atmet ständig schlechte Luft ein." Von Klaus Göntzsche

Ralf Suerland ist mittlerweile 65 Jahre. Er war nach seiner Ausbildung beim legendären Trainer Sven von Mitzlaff in Köln mit über 700 Siegen viele Jahre ein Jockey der Spitzenklasse, gewann 1976 mit Stuyvesant das Derby und war auch als Trainer eine Zeitlang erfolgreich. Er lebt als Pensionär in Köln, sein Sohn Marvin reitet erfolgreich in Katar und auch er hat keine Schallplatten aufgelegt, wie es der besorgte Berufsberater befürchtete. Immerhin gab es in Castrop-Rauxel damals noch eine kleine Rennbahn.

Wenn morgen um 16.55 Uhr auf der Neusser Galopprennbahn das erste der acht Rennen bis 19.55 Uhr gestartet wird, dann kann sich Bürgermeister Reiner Breuer im fünften Rennen um den Preis der Stadt Neuss schnell einen Eindruck davon verschaffen, wie international dieser in Neuss angebotene Sport ist. Es reiten die Belgierin Anna van den Troost, der Italiener Michael Cadeddu, der Slowake Jozef Bojko und der Malaye Bayarsaikhan Ganbat. Mit Rene Piechulek, Vinzenz Schiergen, André Best und dem in Saarbrücken geborenen Maxim Pecheur sitzen in diesem Rennen immerhin noch vier Jockeys deutscher Herkunft in den Sätteln. Klarer Favorit ist der zuletzt in Neuss siegreiche Hengst Manchurian mit dem 18 Jahre alten Amateur-Champion Vinzenz Schiergen. Zu schlagen ist vor allem der Wallach Kreuz As mit dem in seiner italienischen Heimat durch eine TV-Familien-Serie sehr populären Michael Cadeddu.

In Neuss steigt in fünf der acht nach Frankreich übertragenen Rennen ein Jockey in den Sattel, dessen internationale Vita selbst für diesen weltumspannenden Beruf ungewöhnlich ist. Es ist der gebürtige Brasilianer Francisco Franco Da Silva. Der 37-Jährige, der mehr als 200 Sieger in Brasilien ritt, war nach dem Verlassen seiner Heimat bereits in England, Irland, in den Emiraten, im Bahrain und in Katar beschäftigt. Im Jahre 2011 ging es nach Indien, wo ihm von 2012 bis 2014 beachtliche 38 Siege gelangen. Trotzdem hat er Indien leichten Herzens wieder verlassen. Da Silva: "Der indische Rennsport ist in vielerlei Hinsicht sehr speziell ", und meinte damit eine zwölfmonatige Sperre aus eher nichtigem Grund.

Quelle: NGZ
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