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Lokalsport
Handball: Immer mehr Klubs verweigern den Aufstieg

Rhein-Kreis. Eigentlich gibt es im Mannschaftssport nichts schöneres als eine zünftige Aufstiegsfeier. Nur im Westdeutschen Handball-Verband (WHV) scheint man nicht dieser Meinung zu sein - hier weigern sich immer mehr Klubs, ein tatsächliches oder mögliches Aufstiegsrecht auch wahrzunehmen. Von Volker Koch

Aus der Dritten Liga West traut sich gleich keines der drei Teams, die drei Spieltage vor Saisonende noch für den Meistertitel in Frage kommen, den Sprung in die Zweite Liga zu. Hatten die lange Zeit dominierende, zuletzt aber schwächelnde HSG Krefeld und Tabellenführer Leichlinger TV (gastiert morgen um 20 Uhr beim Neusser HV in der Hammfeldhalle) schon länger ihren Aufstiegsverzicht erklärt, zog der VfL Fredenbeck in der vergangenen Woche nach. Zunächst hatten die Norddeutschen eine Lizenz beantragt, reichten dann aber die Unterlagen für die Prüfung der Wirtschaftlichkeit nicht mehr ein.

Wirtschaftliche Gründe sind es hauptsächlich, die zum Verzicht führen - allein die organisatorischen Mehrkosten zwischen Dritter und Zweiter Liga betragen mindestens 50.000 Euro. Bei der HSG Krefeld kam die Hallenfrage hinzu - die von ihr favorisierte Glockenspitzhalle ist auf unbestimmte Zeit mit Flüchtlingen belegt.

Aus der Dritten Liga West will keiner aufsteigen, aber in die Dritte Liga West möchte auch kaum ein Oberligist hinein. Der bereits als Mittelrhein-Meister feststehende TuS Opladen hatte schon vor Wochen den Verzicht auf die Relegationsspiele gegen den Niederrhein-Meister erklärt, die als Nachrücker in Frage kommenden TV Jahn Wahn und Pulheimer SC lehnten ebenfalls dankend ab.

Am Niederrhein hat Tabellenführer SG Langenfeld eine Lizenz beantragt, die Bergischen Panther als Zweiter wollen nur dann aufsteigen, wenn sie auch Meister werden - zwei Spieltage vor Saisonende beträgt ihr Rückstand einen Punkt. In Westfalen kämpfen VfL Gladbeck und die einen Zähler zurück liegende Ahlener SG um den Aufstieg.

Die Region an Rhein und Ruhr droht damit zur handballerischen Diaspora zu werden. In der Zweiten Liga sind TSV Bayer Dormagen und Eintracht Hagen akut abstiegsgefährdet, der TuS Ferndorf ebenfalls noch nicht gerettet. Möglicherweise gibt es drei Absteiger aus NRW, aber keinen Aufsteiger, so dass die einstige Handball-Hochburg künftig nur noch mit vier Erstligisten (Gummersbach, Lemgo, Bergischer HC, Minden), die bestenfalls im (unteren) Mittelfeld, eher in der Abstiegszone zuhause sein werden, und ebenso vielen Zweitligisten (Hamm, Emsdetten, Essen und der designierte Erstliga-Absteiger TuS N-Lübbecke) in den beiden höchsten Ligen vertreten sein könnte.

In anderen Ball-Sportarten stellt sich die Situation ähnlich dar: Das einstige "Sportland NRW" droht immer mehr zum reinen "Fußball-Land" zu werden.

Quelle: NGZ
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