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Lokalsport
Handball total - so muss ein Derby sein

Lokalsport: Handball total - so muss ein Derby sein
Die Anspannung des bis zum Schluss packenden Derbys ist an den Gesichtern der Spieler abzulesen: Der Korschenbroicher Michel Mantsch, mit sieben Treffern bester Torschütze der Partie, setzt sich gegen die Neusser Viktor Fütterer (l.) und Niklas Weis durch. FOTO: Lothar Berns
Neuss. Mit einem Siebenmeter nach Ablauf der Spielzeit wirft Michel Mantsch Gastgeber TV Korschenbroich vor tobenden 580 Zuschauern zum 23:22-Erfolg über den Neusser HV. Der NHV legt allerdings sofort Protest gegen die Spielwertung ein. Von Dirk Sitterle

Der TV Korschenbroich hat es schon wieder getan. Wie schon in den Partien bei Handball Sport Gummersbach/Derschlag II (28:28) und der HSG Varel-Friesland (30:30) legte der Drittligist auch im Lokalderby gegen den Neusser HV eine mitreißende Aufholjagd hin - und die wurde am Samstag vor restlos entrückten 580 Zuschauern von einem 23:22-Sieg (Halbzeit 7:11) gekrönt. Statt einer ausgefeilten Analyse ließ TVK-Trainer Ronny Rogawska darum seinen Emotionen freien Lauf und krähte: "Das war ein affengeiles Spiel!"

Das womöglich einen Nachschlag erhält, denn die aufgebrachten Gäste legten umgehend Protest gegen die Spielwertung ein. Und dies war geschehen: 41 Sekunden vor dem Ende wird der in den Kreis eingedrungene Korschenbroicher Gerrit Stassen gefoult. Den fälligen Siebenmeter nutzt Michel Mantsch, um den TVK mit 22:21 in Führung zu schießen. In der folgenden Auszeit nimmt NHV-Coach Ceven Klatt seinen Torhüter Mikkel Moldrup von der Platte, bringt in Philip Schneider einen siebten Feldspieler. Der mit einem grünen Leibchen ausgestattete Kreisläufer trifft sieben Sekunden vor Schluss zum Ausgleich, schafft es dann aber nicht mehr rechtzeitig zurück auf die Bank, um mit Moldrup zu wechseln.

Der TVK reagiert rasch, Kapitän Mathias Deppisch wirft den Ball nach schneller Mitte aufs noch leere Gehäuse. Der zurückgeeilte Neusser Niklas Weis schlägt die Kugel mit kühnem Sprung geistesgegenwärtig ins Aus - ob er dabei im Kreis steht, spielt keine Rolle, denn die beiden Schiedsrichter Henning Bargmann und Daniel Stein haben zuvor ein Foul von Viktor Fütterer an Deppisch erkannt. Nach minutenlanger Beratung zeigen sie dem Neusser "wegen Vereitelung einer klaren Torchance" die Rote Karte und entscheiden auf Siebenmeter für Korschenbroich. Den nutzt Michel Mantsch im Duell mit Torhüter-Oldie Mathias Reckzeh (42) zum Siegtreffer.

Während beim TVK danach alle Dämme brechen, formiert sich bei den fassungslosen Gästen sofort Widerstand. Ceven Klatt ist sich sicher: "Die Rote Karte ist wohl okay, aber statt mit Siebenmeter hätte das Spiel mit einem Freiwurf fortgesetzt werden müssen." Vorsorglich legte der NHV darum Protest ein.

Allerdings wollte Klatt den Unparteiischen nicht die alleinige Verantwortung für die bittere Niederlage zuschieben. "Wir hätten schon vor der Pause mit sechs, sieben Toren führen müssen", durfte er unwidersprochen feststellen. Komplett gegen den Strich ging ihm aber der Auftritt in der mit 11:16 verlorenen zweiten Hälfte. "So eine Leistung kann nicht unser Anspruch sein. Das war definitiv zu wenig." Vor dem Seitenwechsel waren die Neusser in der Tat Herr in der Waldsporthalle. Gestützt auf einen bärenstarken Mikkel Moldrup (13 Paraden im ersten Abschnitt), dem sein dänischer Landsmann Ronny Rogawska "ein Riesenspiel" bescheinigte, gestattete der NHV seinem Gegner in der ersten halben Stunde nur fünf Tore aus dem Feld.

Die Hoffnung verlor der TVK indes nie. "Wir wussten, Neuss hat eher Angst vor uns, weil wir einfach niemals aufgeben", sagte Gerrit Stassen. Prompt starteten die Gastgeber mit einem 4:0-Lauf in die zweite Hälfte, glichen nach Treffern von Justin Müller, Nicolai Zidorn (2) und Mathias Deppisch aus (11:11/34.) Klatt reagierte, ließ Spielmacher Justin Müller durch Viktor Fütterer in Manndeckung nehmen. Eine Maßnahme, die Rogawska in die Karten spielte, "denn dadurch hatten unsere wendigen Rückraumspieler Michel Mantsch und Gerrit Stassen mehr Platz." Der Abwehr verlieh Markus Neukirchen, "der in den vergangenen zwei Monaten vielleicht zweieinhalbmal trainiert hat" (Rogawska), Halt. Im Schulterschluss mit den eigenen Zuschauern und mit einem erstklassigen Paul Keutmann (16 gehaltene Bälle), der sich mit Moldrup (20) ein spektakuläres Duell auf der Linie lieferte, agierte der TVK nun auf Augenhöhe mit den nachlassenden Neussern.

Die gingen in der 58. Minute nach Felix Handschkes Treffer noch mal mit 21:19 in Führung, doch Stassen und Max Zimmermann (nach vorheriger Parade Keutmanns gegen Handschke) sorgten für den erneuten Gleichstand (21:21/59.). Dass seine Jungs im hektischen Finale die Oberhand behielten, überraschte Rogawska nicht: "Unser Teamgeist ist eben einfach überragend."

Quelle: NGZ
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