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Lokalsport
Handballer testen Leidensfähigkeit ihrer Fans

Korschenbroich. Erst überrollt der TSV Bayer Dormagen den TV Korschenbroich, dann spielt er eine Halbzeit zum Vergessen und siegt im Derby 33:24 Von Volker Koch

Man muss schon über eine gewisse Leidensfähigkeit verfügen, wenn man in dieser Spielzeit Fan eines Handball-Drittligisten aus dem Rhein-Kreis ist. Beim TV Korschenbroich ist diese Eigenschaft neben dem Besitz einer gültigen Eintrittskarte Grundvoraussetzung, um überhaupt die Waldsporthalle betreten zu dürfen - dort hat der TVK auch im fünften Anlauf noch keinen Zähler geschweige denn ein Spiel gewonnen.

Doch auch der TSV Bayer Dormagen verwöhnt seine Anhänger nicht regelmäßig mit solch souveränen Auftritten, wie sie einem Aufstiegsanwärter gut zu Gesicht ständen. Dass das direkte Aufeinandertreffen kein handballerisches Freudenfest werden würde, war deshalb zu erwarten - zumal Lokalduelle selten das halten, was sie versprechen.

Das von Samstagabend vor der für Derbyverhältnisse bescheidenen Kulisse von 475 Zuschauern wird trotzdem in die Annalen eingehen - freilich nicht unter der Rubrik Leckerbissen und Feuerwerk. Ein solches brannten die Gäste gerade mal dreißig Minuten lang ab. Nur um angesichts einer 20:8-Pausenführung in eine Art Dämmerzustand zu verfallen, eine Mischung aus Lethargie und Schonhaltung, gegenüber sich selbst und gegenüber dem befreundeten Kontrahenten und Kooperationspartner.

Das führte zu dreierlei: Erstens gähnender Langeweile auf der Tribüne. Zweitens einer Aufhol-, nun ja nennen wir es einmal -jagd der Hausherren, die dem TV Korschenbroich gestattete, den zweiten Durchgang mit 16:13 für sich zu entscheiden, was sich zu einem Endergebnis von 33:24 aus Sicht der Dormagener addierte. Und drittens mächtig Ärger mit ihrem Trainer. "Klar ist es schwierig, nach einer 14-Tore-Führung zur Pause die Konzentration bis zum Ende hoch zu halten", konstatierte Ulli Kriebel, "aber eine solche zweite Halbzeit möchte in von meiner Mannschaft nicht noch einmal sehen." Hört sich an, als gäbe es unter der Woche Redebedarf am Höhenberg.

Den hatte es auch nach der 21:25-Pleite im Gipfeltreffen mit dem TuS Ferndorf gegeben. Weshalb Handball-Geschäftsführer Björn Barthel feststellte: "Zumindest eine Halbzeit lang hat die Mannschaft die richtige Antwort auf die Kritik nach dem Ferndorf-Spiel gegeben." Die in deren Mittelpunkt stehenden Daniel Eggert und Nuno Carvalhais durften deshalb wohl in der Startformation auflaufen - und während der dänische Linkshänder mit sechs Toren andeutete, zu was der 29-Jährige in der Lage sein könnte, fand sich Carvalhais nach einer Viertelstunde auf der Bank wieder. Dass die Dormagener zu diesem Zeitpunkt 11:5 führten, lag freilich nicht an dem Portugiesen, sondern eher an den gut aufgelegten Lukas Stutzke und Patrick Hüter.

Und an einem absolut hilflosen TV Korschenbroich. "Wir sind in der ersten Halbzeit von Dormagen förmlich überrollt worden", sagte Kai Faltin, der den an der Nase operierten Ronny Rogawska als Cheftrainer vertrat. Der Sportliche Leiter vermisste in dieser Phase so ziemlich alles, was ein funktionierendes Handballteam ausmacht: "Wir waren in der Deckung viel zu passiv, und vorne gehen die Jungs nicht genug in die Tiefe." Was dazu führte, dass die Hausherren zwischen der 13. und der 27. Minute ein einziges Tor erzielten - und zehn kassierten.

Mit Redebedarf ist es beim TV Korschenbroich nicht mehr getan. "Im Training arbeiten die Jungs ja hart", sagt Faltin. Nur nach dem Anwurf scheint die junge Truppe alles zu vergessen. Drei, vier Spielzüge sieht ihr Handball durchaus gefällig aus, doch dann fehlt der tödliche Pass, die letzte Konsequenz im Abschluss und vor allem, von Philip Schneider abgesehen, der Drang, dahin zu gehen, wo es wehtut.

Reden hilft da nicht mehr weiter, da hilft wohl nur noch eine Verstärkung. Ein Routinier, der hinten zupackt, vorne Räume für seine Nebenleute schafft und daran denkt, dass Handball auch über Außen gespielt werden kann. Ob ein solcher auf dem Markt verfügbar ist, ist die eine Frage. Ob sich der TVK einen solchen Mann leisten kann, die andere. "Wir haben Anfang November Gesellschafterversammlung. Danach schauen wir, was wir tun können", sagt Peter Irmen, Geschäftsführer der Spielbetriebs GmbH. Er steckt in einer Zwickmühle, weiß er doch: "Einen Abstieg müssen wir auf alle Fälle vermeiden, der hätte fatale Konsequenzen."

(Ausleih-) Hilfe vom kadermäßig gut bestückten Kooperationspartner ist eher keine zu erwarten, auch wenn sich dessen Edel-Reservisten Jonny Eisenkrätzer und Lars Jagieniak nicht unbedingt für weitere Einsätze empfahlen. Doch da (noch) keiner weiß, wie es mit Daniel Eggert (Entzündung am Fuß) und Eloy Morante Maldonado, der wegen seiner Patellasehnen-Reizung erneut geschont wurde, in den kommenden Wochen weitergeht, ist den Dormagenern das eigene Hemd näher als der Korschenbroicher Rock. Die Leidensfähigkeit ihrer Anhänger könnte deshalb schon bald auf neue Proben gestellt werden - und das auf beiden Seiten.

Quelle: NGZ
 
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