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Tim Heubach
"Ich komme auf jeden Fall nach Neuss zurück"

Neuss. Der Fußballprofi aus Weckhoven spricht über seinen Wechsel zum israelischen Erstliga-Klub Maccabi Netanya, loyale Fans und seine Heimat. Von Julius Hayner

Neuss Nach insgesamt 91 Spielen in der 2. Bundesliga für den FSV Frankfurt und den 1. FC Kaiserslautern machte Fußball-Profi Tim Heubach (29) den kompletten Schnitt, wollte "einfach raus aus Deutschland." Seine neue Herausforderung fand der Weckhovener jedoch nicht in England, Spanien oder Italien, sondern in Israel - beim Erstliga-Klub Maccabi Netanya. Ein Verein, der einem hierzulande, wenn überhaupt, nur wegen des erfolglosen Trainer-Engagements von Lothar Matthäus in der Saison 2008/2009 in den Sinn kommt.

Herr Heubach, was waren Ihre Beweggründe, den Sprung nach Israel zu wagen und Deutschland vorerst hinter sich zu lassen?

Tim HEUBACH Letztendlich geht es immer um Angebot und Nachfrage; und die letztendliche Entscheidung erfolgte aus dem Bauch heraus. Ich bin gerade in einem guten Alter um Erfahrungen im Ausland zu sammeln und ein vermeintliches Abenteuer zu wagen. Bisher fühle ich mich mit dieser Entscheidung sehr wohl.

In ihrer Laufbahn waren Sie immer wieder von Verletzungen geplagt, wodurch Ihre Entwicklung immer wieder unterbrochen wurde. War das auch ein ausschlaggebender Punkt, noch mal etwas ganz Neues zu probieren?

Heubach Die Verletzungsphase ist zum Glück länger her, aber so etwas gehört im Profisport dazu. Selbst nach meiner schweren Leistenverletzung beim FSV Frankfurt, wegen der ich fast ein ganzes Jahr ausgefallen bin, habe ich keinen Moment daran gedacht, mit dem Fußball aufzuhören.

Ihre ersten Schritte in Fußballschuhen haben Sie als kleiner Junge in Neuss beim BV Weckhoven gemacht und sind auch danach lange Zeit in der Nähe ihres Heimatorts geblieben. Wie ist es jetzt, so weit weg von zu Hause zu spielen?

HEUBACH Das ist schon eine neue Situation für mich. Heimatbesuche am Wochenende sind nicht mehr so leicht realisierbar. Aber natürlich bin ich täglich in Kontakt mit meiner Familie und meinen Freunden.

Was verbinden Sie noch mit ihrer Geburtsstadt Neuss?

HEUBACH Neuss ist meine Heimat, und es ist immer wieder schön, nach Hause zu kommen. Beim Schützenfest schaue ich gerne vorbei und freue mich, die Leute aus meinem Grenadierzug "Immer flüssig" zu sehen.

Ihr jetziger Verein Maccabi Netanya wurde 2006 vom deutschen Geschäftsmann Christoph Jammer übernommen und in der Saison 2008/09 von Lothar Matthäus trainiert. Spürt man im Verein etwas vom deutschen Einfluss?

HEUBACH Noch habe ich davon nicht allzu viel mitbekommen. Ab und zu wird das ein oder andere Wort in der Kabine aber auch über Lothar Matthäus gesprochen.

Hin -und wieder taucht ein israelischer Fußballverein in einer Champions-League- oder Europa-League-Qualifikationsrunde auf, sonst hört man jedoch vergleichsweise wenig von israelischen Profifußball. Wie spielt es sich fernab von der ganz großen medialen Präsenz?

HEUBACH In den nationalen Medien dreht sich in Israel sehr viel um den Fußball. Es ist aber ganz angenehm, die Sprache noch nicht verstehen und lesen zu können, dadurch kann ich mich besser auf den Fußball konzentrieren. Ich brauche die große mediale Aufmerksamkeit nicht.

Israel ist momentan auf Platz 22 des UEFA-Fünf-Jahresrankings. Wo würden Sie das Spielniveau der ersten israelischen Liga verglichen zu den deutschen Spielklassen einordnen?

HEUBACH Es gibt ein bis zwei Mannschaften, die schon deutsches Erstliga-Niveau haben. Der Rest der Mannschaften pendelt auf dem Niveau zwischen 2. und 3. Liga.

Welchen Stellenwert hat der Fußball für die Menschen in Israel auch im Vergleich zu Deutschland?

HEUBACH Genau wie in Deutschland ist in Israel Fußball sehr beliebt.

Kann man die deutsche Fankultur mit der israelischen vergleichen oder bestehen da große Unterschiede?

HEUBACH Ich würde sagen, dass die israelischen Fans loyaler sind. Sie sind echte Vollblutfans und stehen hinter der Mannschaft auch in schlechten Phasen. Die deutschen Fans sind kritischer, buhen wesentlich früher.

Laut Liga-Reglement dürfen pro Team nur fünf ausländische Profis im Kader stehen. Ist da die Wertschätzung für Sie bei den heimischen Fans eine andere im Gegensatz zu heimischen Spielern?

HEUBACH Ich genieße schon eine andere Wertschätzung. Es ist eine schöne Erfahrung, auf der Straße von den heimischen Fans erkannt und freundlich begrüßt zu werden.

Gibt es als einziger aktiver deutscher Profi in der israelischen Liga und ihrem Team Probleme in der Kommunikation?

HEUBACH Es ist zwar eine Umstellung, auf Englisch zu kommunizieren, aber das sind keine Kommunikationsprobleme. Ich bin gerade dabei, mir die hebräische Sprache anzueignen, zumindest die Basics.

Was ist oder war bis jetzt die größte Umstellung für Sie im neuen Land?

HEUBACH Definitiv das Klima. In den ersten Tagen hatte ich echt zu kämpfen mit der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit. Mittlerweile genieße ich es aber, in kurzer Hose zu trainieren und die freie Zeit am Strand zu verbringen.

Sie sind erst seit wenigen Monaten in Israel. Kam es schon einmal vor, dass Sie aufgrund Ihrer Herkunft und der deutschen Geschichte in Verbindung mit Israel offen angefeindet wurden oder bestehen da gar keine Probleme?

HEuBACH Nein, überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil, ich wurde sehr herzlich aufgenommen, das Volk ist sehr gastfreundlich und wir Deutschen haben in Israel einen erstklassigen Ruf.

Hatten Sie bei den Vertragsverhandlungen jemals Sicherheitsbedenken?

HEUBACh Anfangs schon. Ich habe mir Informationen von ehemaligen Israel-Legionären eingeholt, diese haben mir die Angst genommen und ausschließlich von positiven Erfahrungen berichtet. Mittlerweile habe ich überhaupt keine Angst mehr um meine Sicherheit.

Sie stehen mit Maccabi Netanya als Aufsteiger auf Platz drei, zählen zur Stammelf. Was ist das angepeilte Ziel des Vereins und Ihre persönlichen Ziele für diese Saison?

HEUBACH Als Aufsteiger ist unser Ziel natürlich zunächst der Klassenerhalt. Wenn wir für Überraschungen sorgen können, nehmen wir diese gerne an. In den bisherigen Spielen war phasenweise das große Potenzial unserer Mannschaft zu erkennen, wir haben sogar Punkte verschenkt. Das ärgert mich sehr. Ich persönlich möchte jedes Spiel spielen und mit meinen Leistungen zu einer guten mannschaftlichen Leistung und Entwicklung beitragen.

Kehren Sie mit Ihrem Wechsel nach Israel den deutschen Ligen für immer den Rücken oder wollen Sie in Zukunft noch mal in Deutschland professionell Fußball spielen?

HEUBACH Zunächst habe ich für zwei Jahre unterschrieben. Fußball ist sehr schnelllebig, ich werde auf jeden Fall nach Neuss zurückkehren. Ob ich in den deutschen Profi Fußball zurückkehre, kann ich nicht sagen, das wird man sehen.

Quelle: NGZ
 
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