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Lokalsport
In Neuss wird weiter galoppiert - zumindest bis Jahresende

Neuss. Das Präsidium des Galopper-Dachverbandes setzt weiter auf Winterrenntage in Neuss und Dortmund mit Finanzierung aus Frankreich. Von Klaus Göntzsche

Auf der Galopprennbahn in Neuss werden zumindest in diesem Jahr weiter Rennen stattfinden. Diese Entscheidung fällte am Donnerstag das Präsidium des Galopper-Dachverbandes in Köln - sogar einstimmig.

Jan-Antony Vogel, in Personalunion Präsident des Neusser Reiter-und Rennvereins und Chefmanager des Dachverbandes gegenüber der NGZ: "Es gibt derzeit überhaupt keine Alternative für Neuss und Dortmund als Austragungsort der Winterrennen. Wir sind unseren französischen Partnern gegenüber verpflichtet und diese Zusage werden wir auch einhalten." Basis der Rennen sind die Live-Übertragungen nach Frankreich, über die Provisionen werden die Rennen finanziert. An Rennpreisen und Züchterprämien sind pro Renntag rund 50.000 Euro aufzubringen. Bei einer Provision von drei Prozent müsste der Wettumsatz in Frankreich dann bei 1,5 Millionen Euro liegen. Normalerweise ist das dort kein Problem, aber einige Renntage mit kleinen Feldern und deshalb weniger Umsatz schafften diese Hürde nicht. Vogel: "Es wird mit den Franzosen auch noch Gespräche über Termin-Verbesserungen geben. Bei uns war es aber im Grunde kein Thema, die Rennen in Neuss und Dortmund nicht durchzuführen."

Als neuer Standort für eine Winterbahn war Köln im Gespräch. Das Trainingsgelände in Weidenpesch ist das größte in Deutschland, dort sind die meisten Trainer der Spitzenklasse angesiedelt. Aber: Auch der Kölner Rennverein hat kein Geld, die vor einigen Jahren von der Stadt gezahlten Millionen sind fast aufgebraucht und trotz großem Jubeln mit Schulterklopfen und der Verkündung von atemberaubenden Besucherzahlen von bis zu 14.000 ist auch die Sponsorenlage in der Domstadt überschaubar.

Die Zusage für die Rennen in Neuss und Dortmund gilt bis Ende des Jahres 2016. So wird man in Neuss wohl am Freitag des 11.11. beginnen. Die weiteren Termine sind Dienstag, 22. November, Freitag, 3. Dezember und Donnerstag, 22. Dezember. Vogel: "Über 2017 wird im Herbst entschieden. Aber auch hielt gilt: Es gibt keine Alternative." Im Grunde wären auch solche Wochentage erträglich, wenn es der Neusser Rennverein endlich schaffen würde, die Events für die Besucher angenehmer zu gestalten. Präsident Vogel hat das Problem auch gegenüber der NGZ stets eingeräumt und Gespräche mit der Stadt Neuss und Neuss Marketing angekündigt, doch es fehlen erkennbare Veränderungen. Im Vorstand ist Peter Ritters ein einsamer Arbeiter an vielen Fronten und Vogel mit seiner hauptberuflichen Tätigkeit in Köln für Neuss kaum einsatzfähig.

Trotz aller Mängel und Unzulänglichkeiten bietet der Standort Neuss immer noch eine Chance. In Frankfurt am Main hat der Renn-Klub zwar durch eine Entscheidung des Oberlandesgerichts den Abriss der Tribüne durch die Stadt vorläufig verhindert und es wird geprüft, ob der Vertrag zwischen der Stadt und dem Deutschen Fußball-Bund für den Bau des geplanten Trainingszentrum gegen geltendes EU-Recht verstößt, aber eine Zukunft hat diese Bahn in der Bankenmetropole ebenso wenig wie die in Bremen, wo der Senat dem Rennverein das Ende für spätestens 2018 signalisiert hat. Es kriselt auch in Bad Harzburg (Aufgabe des Gestüts durch die Nord LB), Bad Doberan (kein Geld) und die Bahnen von Halle an der Saale und am Boxberg in Gotha befinden sich in einer Art Wachkoma.

Eines der Grundprobleme des deutschen Galopprennsports ist der Hang zum verzeihlichen Umgang mit den eigenen Schwächen und nicht selten muss man schmerzhafte Verletzungen befürchten, wenn sich Gliedmaßen beim Verrenken zum Schulterklopfen verändern.

Quelle: NGZ
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