| 00.00 Uhr

Lokalsport
Kehrmann genießt sein "Heimspiel"

Lokalsport: Kehrmann genießt sein "Heimspiel"
Solche Übungen, wie sie hier Linksaußen Patrick Zieker macht, kennt Florian Kehrmann (l.) aus seiner aktiven Zeit genau. Jetzt hat der Handball-Weltmeister von 2007 mit dem TBV Lemgo das erste Trainingslager unter seiner Verantwortung in seiner alten Heimat Kaarst und Büttgen aufgeschlagen. FOTO: A. Woitschützke
Kaarst. Seit Dienstag hat Handball-Bundesligist TBV Lemgo sein Trainingslager in Kaarst aufgeschlagen. Trainer Florian Kehrmann freut sich über den Heimatbesuch und das morgige Testspiel gegen seinen Stammverein HG Kaarst/Büttgen. Von Volker Koch

Während des Gesprächs trifft eine SMS von Mutter Marlies ein: "Soll ich für heute Nachmittag wieder Kuchen backen?" - "Klar", schreibt Florian Kehrmann zurück und freut sich: "Das sind die Annehmlichkeiten, die man sonst nicht in einem Trainingslager hat."

Fitnesstrainer Meinolf Krome und Florian Kehrmann (v.l.) schauen dem 2011 aus Dormagen nach Lemgo gewechselten Valentin Schmidt beim Hanteltraining zu. FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)

Der Handball-Weltmeister von 2007 ist in der Heimat angekommen. Seit Dienstag hat er mit dem TBV Lemgo, dessen Cheftrainer er seit Dezember vergangenen Jahres ist, ein Trainingslager dort aufgeschlagen, wo der gerade 38 Jahre alt gewordene Linkshänder aufgewachsen ist: in Büttgen und Kaarst. Trainiert wird abwechselnd im Sportforum an der Olympiastraße und im Fitness-Studio der SG Kaarst an der Pestalozzistraße, geschlafen und gegessen wird ebenfalls im Sportforum.

"Wir sind ja keine Fußballprofis, die es nicht unter einem Vier-Sterne-Hotel tun", sagt Kehrmann, "die Bedingungen sind ideal. Und alle sind total hilfsbereit." Bei Mutter Marlies angefangen, die nicht nur Kuchen für die ganze Truppe backt, sondern für Freitag auch 18 Fahrräder besorgt hat. "Sie hat überall in der Nachbarschaft 'rumgefragt", sagt "Flo" lachend. Am Freitag ist nämlich "Teambuilding" angesagt, wozu ein Ausflug in den Kletterpark der Skihalle und eine Fahrradrallye durch Büttgen und Umgebung beitragen sollen, bevor um 19.30 Uhr (um 18 Uhr spielen bereits die HG-Damen gegen ART Düsseldorf) in der Stadtparkhalle das erste Testspiel gegen die HG Kaarst/Büttgen auf dem Programm steht.

Dass der Vergleich zwischen dem Bundesligisten und der Bezirksliga-Truppe seines Stammvereins ein eher ungleicher sein wird, ist nebensächlich: "An diesem Tag steht eindeutig der Spaß im Vordergrund", sagt Kehrmann, "ich hoffe, es kommen trotz Ferienzeit auch ein paar Zuschauer." Vor dem "Spaßtag" hat der 38-Jährige seinen Schützlingen jedoch ein knallhartes Arbeitspensum in den Trainingsplan geschrieben: Um 7.30 Uhr steht die erste Handball-Einheit in der Halle des Sportforums an, danach geht es ins Fitnessstudio an der Pestalozzistraße. Nach dem Mittagessen ist für die Spieler Bettruhe angesagt, bevor um 16.30 Uhr noch einmal mit dem Handball trainiert wird.

Kehrmanns Arbeitstag ist noch ein bisschen länger. Abends gibt's noch Besprechungen "oder auch schon mal das eine oder andere Einzelgespräch, dafür sind Trainingslager ja da", sagt der Linkshänder, der es in seiner aktiven Karriere auf 223 Spiele und 820 Tore im Nationaltrikot sowie 460 Bundesliga-Spiele für den TBV Lemgo brachte, in denen er vornehmlich von Rechtsaußen 1846 Tore erzielte. Und wenn die Spieler zur ersten Trainingseinheit kommen, hat Kehrmann schon ab 6.30 Uhr sein persönliches Lauftraining durch die Felder rund um Büttgen hinter sich gebracht. "Du musst dich fit halten, denn Handballtrainer ist ein knallharter Job", das hat er in seinem ersten halben Jahr in voller Verantwortung bereits gemerkt.

Dass ihn der TBV im Dezember angesichts einer verheerenden Bilanz von 6:28 Punkten ins kalte Wasser geworfen und er "Ja" gesagt hat, hat er nicht bereut: "Das tue ich nie, denn ich stehe zu meinen Entscheidungen", sagt der zweifache Familienvater. Obwohl er die Lemgoer mit einer tollen Serie noch zum kaum für möglich gehaltenen Klassenerhalt führte, "habe ich bestimmt nicht alles richtig gemacht", sagt Kehrmann selbstkritisch. Probleme mit der Autorität habe es freilich nie gegeben, auch wenn mit einem Großteil der Mannschaft noch selbst zusammen gespielt hat: "Das ist eine Frage des Respekts. Und den hatten die anderen ja schon als Spieler vor mir." Künftig stellt sich diese Frage ohnehin nicht mehr, denn der TBV steht vor einem Neuaufbau: Acht neue Spieler sind zu integrieren. Die in Kehrmanns Augen alle über eine ganz wichtige Eigenschaft verfügen sollten: "Sie müssen hungrig sein. Dann ist es ganz egal, woher sie kommen."

Weil Neue ins Mannschaftsgefüge einzubinden am besten im Trainingslager funktioniert und die Zeit für eine Planung recht kurz war, kam Florian Kehrmann auf die Idee mit Kaarst - auch so eine Entscheidung, die er nicht bereut hat. Und das nicht nur wegen des Kuchens.

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Lokalsport: Kehrmann genießt sein "Heimspiel"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.