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Kita trifft mit Herz für ihre Tigers

Lokalsport: Kita trifft mit Herz für ihre Tigers
FOTO: Hammer, Linda (lh)
Neuss. Kita Waller (27) hat ihren Vertrag bei den TG Neuss Tigers um ein Jahr verlängert. Die US-Amerikanerin geht damit in ihre schon dritte Spielzeit beim Basketballzweit-ligisten. Von Dirk Sitterle

Es gibt nicht viele Dinge, die auf dem Basketballcourt im Repertoire von Kita Waller fehlen. Der Dunk, also das ebenso elegante wie effektvolle Stopfen des Leders in den in einer Höhe von stolzen 3,05 Meter über dem Spielfeld hängenden Korb, gehört dazu. "Das gelingt mir nur in meinen Träumen", sagt die 27-Jährige leicht zerknirscht. Trotzdem trägt die US-Amerikanerin aus Georgia die Sonne im Herzen: "Ich bin glücklich, lache viel, denn das ist gut für die Seele."

Gut für TG Neuss Tigers ist, dass die tiefgläubige Christin, die ihre Kraft aus der fast täglichen Beschäftigung mit der Bibel schöpft, zu den besten Basketballerinnen in der 2. Bundesliga Nord gehört. Sie hat sozusagen das ganze Paket, kann scoren (17,4 Punkte im Schnitt), ackert an den Brettern (6,9 Rebounds), setzt ihre Teamkolleginnen ein (4,4 Assists) und verunsichert jede Offensive mit ihren Qualitäten als Balldiebin (4,2 Steals). So ein Ass hätte jeder Coach gerne in seiner Mannschaft. Dass Kita Waller trotzdem in ihre dritte Saison bei den Tigers gehen wird, ist darum eine echte Sensation - und sagt eine Menge über ihren tadellosen Charakter: Sie hat nicht vergessen, dass ihr TG-Trainerin Janina Pils, die übrigens heute ihren 33. Geburtstag feiert, vor zwei Jahren eine Chance gab, als sportlich gar nichts lief: "Ich war total außer Form, fand kein Team, das mich haben wollte. Aber in Neuss war ich von Anfang an willkommen. Ja, obwohl Deutschland und die Vereinigten Staaten ein Ozean trennt, fühle ich mich hier zu Hause. Das ist meine zweite Familie."

Kein Spruch, sondern das Ergebnis tief empfundener Zuneigung. Das US-Girl sieht ihre Zukunft in Germany, besucht zweimal in der Woche einen Deutschkurs, um die für sie "schreckliche Sprache" noch besser zu lernen. Nächstes Jahr darf sie hier endlich auch einer "geregelten" Arbeit nachgehen. Bis dahin ist sie als Trainerin bei der Turngemeinde angestellt, coacht die U15-Mädels, ist Co-Trainerin der in der U17-Bundesliga spielenden TG Junior Tigers und kümmert sich an zwei Grundschulen um das Programm "Talentsichtung/Talentförderung". Eine Aufgabe, die ihr große Freude bereitet. "Den Nachwuchs zu coachen, ist das Beste. Ich liebe es." Ihre Familie im am Rande der Blue Ridge Mountains gelegenen Gainesville, wo ihre jüngeren Geschwister (zwei Brüder und eine Schwester) noch bei den Eltern wohnen, hat sie natürlich nicht vergessen. "Mit meiner Mutter spreche ich oft, nicht selten länger als drei Stunden. Sie war es schließlich, die mich dazu ermutigt hat, nach Europa zu gehen. Sie und meine Gebete haben mich hier hingebracht und sorgen dafür, dass ich bleibe."

Am 3. Mai geht es für einen Monat zurück in die Südstaaten, zum ersten Mal seit drei Jahren. So etwas wie Heimweh oder Langeweile hat die lebhafte und ungemein offene Amerikanerin in dieser Zeit nie verspürt. "Ich bin einfach daran gewöhnt, nicht zu Hause zu sein", sagt die Absolventin der Virginia Commonwealth University (VCU) in Richmond, wo sie nicht nur auf höchstem College-Niveau Basketball spielte, sondern nach vier Jahren auch ihren Abschluss in "Criminal Justice", Rechtswissenschaften, machte. Die gute Kita, die eigentlich Marquita Lashae heißt, ist halt immer irgendwie auf dem Sprung. Ihr kleines Appartement im Kolpinghaus mitten im Stadtzentrum nutzt sie nur als Sprungbrett. Sie ist neugierig, hat inzwischen sogar Fußball gespielt. "Und das deutsche Bier ist auch besser als das Amerikanische."

Den bitteren Geschmack der beiden Niederlagen im Play-off-Halbfinale gegen Wolfenbüttel ist sie indes immer noch nicht losgeworden. Warum die Tigers nach ihrer mit der Vizemeisterschaft belohnten Saison im entscheidenden Moment aus der Erfolgsspur gerieten, ist ihr weiterhin ein Rätsel. Kita Waller nimmt es als Ansporn, noch härter zu trainieren und noch besser zu werden. Ihr Ziel: "Let's go to the finals!"

Quelle: NGZ
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