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Lokalderby wird zur einseitigen Angelegenheit

Lokalsport: Lokalderby wird zur einseitigen Angelegenheit
Karneval steht erst morgen im Bayer-Sportcenter auf dem Programm - angeführt vom überragenden Junioren-Nationaltorhüter Janis Boieck (l.) feierten die Dormagener Handballer ihn schon am Mittwochabend nach dem 29:20-Sieg im Lokalderby mit dem Longericher SC. FOTO: Heinz J. Zaunbrecher
Dormagen. Mit der besten Saisonleistung fertigt der TSV Bayer Dormagen den Longericher SC 29:20 ab und festigt seinen zweiten Tabellenplatz. Von Volker Koch

Karneval wird im Bayer-Sportcenter erst am Samstag gefeiert. Janis Boieck ließ es freilich schon nach der aus diesem Grund auf Mittwochabend vorgezogenen Drittliga-Partie gegen den Longericher SC ordentlich krachen - seine "Humba"-Variation stünde jeder Prunksitzung gut zu Gesicht.

Der junge Schlussmann des TSV Bayer Dormagen hatte allen Grund zur ausgelassenen Fröhlichkeit: Mit 16 Paraden war der 19-Jährige ein Grund, weshalb das mit Spannung erwartete Lokalderby der 3. Liga West zu einer höchst einseitigen Angelegenheit wurde. Was den 1192 Zuschauern, sofern sie nicht aus Longerich kamen, keineswegs das Vergnügen an einem außergewöhnlichen Handball-Abend verdarb.

Im Gegenteil. Mit seiner bislang besten Saisonleistung wies der TSV Bayer Dormagen nicht nur den aufstrebenden, zuletzt in sieben Spielen in Folge unbesiegten Nachbarn mit 29:20 (Halbzeit 13:8) in die Schranken. Mit einer taktisch reifen, disziplinierten und (bis auf die Schlussminuten) konzentrierten Vorstellung wehrten sich die Hausherren gegen den Abstieg ins Mittelmaß und demonstrierten, dass sie zu Recht auf Tabellenplatz zwei stehen. Ja, hätten sie immer so gespielt wie am Mittwochabend, dürften sie sich berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg machen, denn dann wären sie mit dem TuS Ferndorf auf Augenhöhe - mindestens.

Dabei hing alles an gerade mal zehn Minuten im Abschlusstraining. Die überzeugten Ulli Kriebel davon, es im Lokalderby mit der eher ungewöhnlichen, im Endeffekt aber höchst erfolgreichen Variante einer offensiv ausgerichteten 4:2-Deckungsformation zu probieren, die die Longericher Leistungsträger Benjamin Richter und Daniel Koenen bereits an der Mittellinie in Empfang nahm. Weil "das im Training vorher nicht wirklich gut funktioniert hat", wollte der Dormagener Trainer seine Idee eigentlich schon zu den Akten nehmen.

Zum Glück für den TSV Bayer tat er es nicht. "Die offensive Deckung hat uns arg gestört, so kamen wir nicht in den richtigen Flow", gab sein Kollege Chris Stark mit kölschem Understatement zu. Er hätte auch sagen können: Uns fiel dagegen nichts ein. Der Einsatz eines siebten Feldspielers oder die Taktik, Lukas Stutzke nach der Pause in Manndeckung zu nehmen, brachten die Bayer-Handballer jeweils nur kurzzeitig aus dem Rhythmus.

Ihren "Flow" hätte höchstens Valentin Inzenhofer nachhaltig stoppen können. Der Longericher Torhüter, anerkanntermaßen einer der außergewöhnlichsten, aber auch der besten Keeper der Liga, hielt gut. Doch Janis Boieck hielt besser (16:12 Paraden) und verschaffte den Gastgebern einen Vorteil auf einer Position, auf der sie nicht unbedingt damit gerechnet hatten. "Das wichtigste ist, dass er auf dem Teppich bleibt, demütig und konzentriert weiter arbeitet", sagt Kriebel über den Schlussmann der Junioren-Nationalmannschaft, der nur durch den langfristigen Ausfall von Sven Bartmann zur "Nummer eins" im Dormagener Gehäuse wurde.

In Ferndorf wird sicher nicht das große Zittern ausbrechen ob des Ergebnisses. Doch der Tabellenführer, der morgen mit einem - mehr als wahrscheinlichen - Sieg in Korschenbroich bereits "Herbstmeister" werden kann, weiß nun, dass er trotz fünf Punkten Vorsprung einen ernstzunehmenden Verfolger hat. Wenn die Dormagener bereit und in der Lage sind, Leistung und Einstellung aus dem Derby auch in weniger emotionale Partien mitzunehmen. Als nächstes kommt Schlusslicht ATSV Habenhausen.

Quelle: NGZ
 
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