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Jüchen
Mess-Stationen für Feinstaub?

Jüchen: Mess-Stationen für Feinstaub?
Blick auf die Kohleberge im Tagebau Garzweiler: Die Gemeinde Jüchen spürt jetzt auch in Hochneukirch die Belastungen durch Feinstaub. FOTO: M. Reuter
Jüchen. Die Gemeinde Jüchen setzt sich für neue Mess-Stationen am Rand des Tagebaus Garzweiler ein. Vorbild: die Station in Grevenbroich-Gindorf. Damit soll die Belastung im Gemeindegebiet durch Feinstaub dokumentiert werden. Von Wiljo Piel und Daniela Buschkamp

Bürgermeister Harald Zillikens blickt mit Skepsis auf den voranschreitenden Tagebau. Er sorgt sich um die Belastung durch Feinstaub, der zu Erkrankungen führen kann. Vor diesem Hintergrund fordert die Verwaltung objektive Messwerte ein.

"In der April-Sitzung des Braunkohle-Ausschusses hat sich die Gemeinde Jüchen, gemeinsam mit dem Kreis Heinsberg, für Mess-Stationen am Rand des Tagebaus Garzweiler eingesetzt", erklärt der Bürgermeister. Ob sie realisiert würden, sei aber keine kommunale Entscheidung, sondern eine Entscheidung des Landes NRW.

"Die Belastung ist durchaus hoch", vermutet der Bürgermeister. Besonders in einer extremem Wettersituation mit langer Trockenheit, wie sie zurzeit herrsche. Zillikens hätte gern wissenschaftlich fundierte Messergebnisse, wie sie etwa die Station in der Nachbarstadt Grevenbroich-Gustorf täglich liefere. In Gindorf, nicht weit vom Kohlebunker des Tagebaus entfernt, ist bereits seit einigen Jahren eine solche Anlage im Einsatz.

Standort für eine mobile Messung in der Gemeinde solle der Rand des Tagebaus Garzweiler sein, schlägt der Bürgermeister vor. 2006 habe es bereits einmal eine solche Station in Jüchen gegeben. Das Ergebnis damals: Die zulässige Zahl der Tage, an denen die Feinstaubbelastung zu hoch war, wurde nicht überschritten. Die Station wurde wieder abgezogen.

Auch das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz (LANUV) habe Werte über die Feinstaubbelastung durch den Tagebau gesammelt. "Wir haben diese Werte angefragt, aber bisher hat man uns die Auskunft verweigert", sagt der Bürgermeister. Er will sich weiter dafür einsetzen, die Daten zu erhalten. Für den in der nächsten Woche tagenden Planungsausschuss seien Vertreter des Landesamtes eingeladen worden – doch: Das LANUV gab der Gemeinde einen Korb. Begründung: Es müsse seine Neutralität bewahren und stünde nicht für Vorträge in politischen Gremien zur Verfügung.

Der Feinstaub-Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft darf jährlich an nur 35 Tagen überschritten werden. Als in Grevenbroich diese Werte in die Höhe gingen, trat ein Luftreinhalteplan in Kraft. Mit Millionenaufwand setzte RWE Power ein Maßnahmenpaket im Tagebau um. Unter anderem wurden Transportbänder eingehaust und Schaufelräder besprüht. RWE-Sprecher Manfred Lang macht aber auch klar: "Der Tagebau ist für etwa ein Viertel des Feinstaubs verantwortlich. Es müssen auch andere Emittenten berücksichtigt werden."

Quelle: NGZ
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